Samstags zu, ansonsten nur mit Termin

Übergangsregelung im Bürgerbüro

Offenbach - Um es mal vorsichtig auszudrücken: In Offenbach Verwurzelte trifft die Einschränkung eher weniger. Alle zehn Jahre ein neuer Personalausweis, hin und wieder ein anderes Automobil. Von Martin Kuhn 

In der Summe schafft das Team im Bürgerbüro die Arbeit aber nicht mehr: 2009 zählte die Verwaltung etwa 80.000 Kundenkontakte, in diesem Jahr werden es hochgerechnet wohl mehr als 100.000 sein – Tendenz steigend. Darauf reagiert die Stadt früher als vorgesehen. „Unsere Mitarbeiter sind schlicht überlastet“, begründet Stadtrat Felix Schwenke den eher unpopulären Schritt, der bereits ab Montag, 1. Juni, greifen soll. Vorübergehend greift, muss es korrekterweise heißen. Intern läuft eine Untersuchung, wie das Bürgerbüro langfristig „unter vernünftigen Bedingungen arbeiten kann. Bis Ergebnisse vorliegen, heißt das:

  • Es sind nur noch Vorsprachen nach Terminvereinbarung möglich – aktuell sind es täglich gut 550 Termine, mit einer durchschnittlichen Wartezeit von 22 Minuten. Dieses Vorgehen sei in anderen, ähnlich stark belasteten Kommunen (etwa Berlin) bereits Praxis. „Für die Kunden bringt es den Vorteil, dass die Wartezeiten erheblich reduziert werden. Die Mitarbeiter wiederum werden entlastet, weil sich Kundenströme gleichmäßig über den Tag verteilen“, so Schwenke. Termine gibt’s über die städtische Internetseite, die Behördennummer 115 oder im Bürgerbüro – wobei die zwei erstgenannten Möglichkeiten die etwas stressfreieren sind.
  • Die Samstagsöffnung wird ab 1. Juni ausgesetzt. Diese Maßnahme wird ergriffen, weil die Arbeitszeit der Mitarbeiter am Wochenende mit 25 Prozent Zeitaufschlag vergütet wird. Diese Zeit fehlt an den übrigen Wochentagen. Durch die Änderung stehen sie mit sofortiger Wirkung unter der Woche länger und damit für mehr Termine bereit. Auch dafür liegen konkrete Zahlen vor: Betroffen sind vom Wegfall des Samstags 4,5 Prozent aller Kunden. Was diesen Schritt nachvollziehbar macht: Bislang wurden 20 Prozent der gebuchten Termine (130 pro Samstag) nicht wahrgenommen – ohne abzusagen!

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Die Verwaltungsspitze will so ihre Mitarbeiter schützen und die Personalfluktuation (2012 im Bürgerbüro: 14,29 %, übrige Stadtverwaltung: 5,71 %) stoppen. Da alle internen Optionen inklusive Urlaubssperre aufgebracht sind, folgt die Zäsur. „Wir können nicht endlos unsere Mitarbeiter knebeln“, betont Felix Schwenke. Die „hohe Belastung“ hat ihre Gründe in der Bevölkerungsstruktur. Bewohner mit ausländischer Herkunft ziehen deutlich häufiger um als Deutsche – etwa viermal so oft. Zudem benötigen sie für viele Gelegenheiten wie etwa den Abschluss eines Handyvertrags eine Meldebescheinigung, wenn üblicherweise ein Personalausweis mit der Adresse genügt. Amtsleiterin Martina Fuchs nimmt unausgesprochene Ängste vor ungewohnten Hürden: „Seit zwei Jahren läuft die Terminvereinbarung via Internet. Bislang gab’s keine Klage, dass es zu kompliziert sei.“

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