Wertschätzung vermisst

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Ein Traum in Speyer: Ein Dojo, Trainingsraum für japanische Kampfkünste, für rund 3 Millionen Euro. So opulent muss es für den Samurai-Vorsitzenden Francesco Liotta in Offenbach gar nicht sein. Eher ein bescheidener Wunsch: eine Halle mit eingelassener Mattenfläche, ein kleiner, angrenzender Kraftraum.

Offenbach - Ein alltäglicher Übungskampf wie hundert andere auch. Und dann das: Der Judoka bleibt im Spalt von zwei auseinander gerutschten  Matten hängen. Der Fuß schwillt sofort an. Diagnose: großer Zeh gebrochen, Kapsel gerissen. Pech. Von Martin Kuhn

Aber kein Einzelfall für den Judo Club Samurai. Vorzeigeathlet Brian-Miles Smith riss vor dem Bundesliga-Start ein Band im Fuß. „So sehen bedauerlicherweise die Trainingsbedingungen in Offenbach aus“, sagt Vorsitzender Francesco Liotta.

Er macht das ohne beleidigten, schmollenden oder klagenden Unterton. Es ist eine Feststellung, eine Bestandsaufnahme, mehr nicht. Seit Jahren wünscht sich der Verein, der im nächsten Jahr 60 Jahre jung wird, ein Dojo (übersetzt: Ort des Weges), einen Trainingsraum für japanische Kampfkünste. Nun erhält der Klub Unterstützung von den Grünen. Die Koalitions-Fraktion spricht sich erneut für „bessere Trainingsbedingungen“ beim 1. Judo Club Samurai aus.

„Wir kämpfen alle für Samurai.“

Aua! Der Athlet blieb im Spalt von zwei auseinander gerutschten Matten hängen: Zeh gebrochen, Kapsel gerissen.

Das nimmt Oberbürgermeister Horst Schneider gern auf: „Wir kämpfen alle für Samurai.“ Seine Idee: In der neuen Grundschule am Hafen könnte ein Dojo Platz finden in einer doppelstöckigen Sporthalle, wie sie etwa an der Schillerschule steht. Der Architekturwettbewerb fürs Hafenprojekt war entsprechend formuliert. Schneider sagt aber auch: „Wie schauen immer nach Alternativen.“ Im Juni hatte das Stadtparlament, trotz massiver Standort-Zweifel der CDU, grünes Licht gegeben für den Neubau: Verzichtet wird auf Tiefgarage und Passivhaus-Standard, was die Kosten auf 26,6 Millionen Euro reduziert.

Vielleicht fließt ja ein kleiner Teil des Betrages in einen Hallenboden, den die Offenbacher Judokämpfer eigentlich als unabdingbar einstufen: ein Schwingboden mit eingelassener Mattenfläche. Bislang müssen die Athleten zu jedem Training die Matten in der Humboldtschule auslegen und nach der Übungseinheit wieder raustragen. Das kostet Zeit, ist mühsam und das Ergebnis birgt vor allem ein erhebliches Verletzungsrisiko. Liotta, dessen Herren-Team in der 2. Bundesliga, Staffel Süd, derzeit auf dem dritten Rang liegt, sagt mit Blick auf nicht optimale Trainingsbedingungen: „Dafür haben wir mit Leistung überzeugt.“

„Wo bleibt da die Wertschätzung?“

Der Samurai- Vorsitzende möchte keinem anderen Offenbacher Verein etwas abnehmen, blickt auch in keiner Weise neidisch aufs Sportzentrum Wiener Ring, fragt aber: „Wo bleibt da die Wertschätzung?“ In der Region sieht’s anders aus, etwa in  Bad Homburg oder Maintal, wo es in den Hallen fest liegende Judomatten gibt. So etwas erhofft er sich für Samurai, denn er stellt fest: „Wir sind alle Offenbacher, hängen am Verein und der Stadt.“ Er weiß aber auch: „Uns ist die klamme finanzielle Lage der Stadt nur zu deutlich bewusst, allerdings hoffen und bauen wir weiterhin auf Unterstützung.“

Diese sichern nun die Grünen öffentlich zu: Sie werden sich in allen Gremien für eine baldige Lösung und in der Regierungskoalition für einen Prüf- und Berichtsantrag an den Magistrat stark machen. Zu prüfen seien alle „denkbaren, kreativen Ansätze der Realisierung und Finanzierung einer Trainingshalle mit fest installierten Matten“. Nach Ansicht der Grünen ist Fantasie gefragt – ähnlich dem Hafen 2-Projekt. Stadtverordnete Brigitte Koenen: „Jetzt muss eine Lösung her, bevor der Verein oder Athleten Offenbach aufgeben. Es darf nicht sein, dass sportliches und soziales Engagement in dieser Weise konterkariert werden – von den unnötigen und schmerzhaften Verletzungen einmal ganz abgesehen.“

Nach Kenntnis der Grünen liegt dem Verein aktuell ein Angebot vor, Landesleistungszentrum Rhein-Main zu werden – dafür reichten aber die Trainingskapazitäten in der Humboldtschule nicht aus. „Diese einmalige Chance darf auch im Sinne Offenbachs nicht verschenkt werden“, sagt Brigitte Koenen.

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