Sana-Chef Dr. Jens Schick

Am Image muss schwer gearbeitet werden

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Auf Einladung des Politischen Salons stand Dr. Jens Schick, Geschäftsführer des Sana-Klinikums, den Zuhörern im Else-Herrmann-Haus Rede und Antwort.

Offenbach - Im Politischen Salon, dem offenen Gesprächsangebot von Arbeiterwohlfahrt und Volkshochschule, stand am Montag der Geschäftsführer des Sana-Klinikums, Dr. Jens Schick, 50 Zuhörern im Else-Herrmann-Haus am Hessenring Rede und Antwort. Von Harald H. Richter 

Er weicht keiner Frage aus, vermag jedoch auf nicht jede eine Antwort zu geben, die dem Publikum genehm ist. Dr. Jens Schick, Geschäftsführer des Sana-Klinikums, referiert auf Einladung von AWO und Vhs vor interessiertem Publikum, wie das in Schieflage geratene Großkrankenhaus seiner Ansicht nach möglichst rasch aus der Verschuldung geführt werden kann und in der öffentlichen Wahrnehmung auch wieder im Ansehen steigt.

Denn das Image sei wahrlich nicht das beste, was unter anderem daran erkennbar sei, dass nur 40 Prozent der Offenbacher sich im Fall einer Krankenhauseinweisung für das einst städtische Klinikum entschieden. „Das Gros der Patienten lässt sich in anderen Kliniken im Rhein-Main-Gebiet behandeln“, bestätigt der Generalbevollmächtigte. Das moderne Klinikum mit 900 Betten und 3000 Beschäftigten stehe vor immensen Herausforderungen, die sich aber meistern ließen, „sonst hätten wir uns als bundesweit erfolgreich operierender Betreiber gar nicht darauf eingelassen“. Die Krankenhauslandschaft sei gekennzeichnet von verschärftem Kosten- und Leistungsdruck, Investitionsbedarf und notwendiger Privatisierung, um das Überleben garantieren zu können.

Zehn-Punkte-Programm von Sana 

Sana sei daher mit einem Zehn-Punkte-Programm angetreten, um das Offenbacher Klinikum behutsam zwar, aber dennoch konsequent aus der Talsohle zu holen. Bei 170 Millionen Euro Umsatz und gegenübergestelltem Jahresdefizit von zuletzt 43 Millionen Euro sei das keine leichte Aufgabe. „Wir müssen höhere Erlöse generieren“, stellt Schick fest, „und die Auslastung verbessern.“ 35.000 Patienten im Jahr seien zu wenig, verglichen mit anderen Kliniken, die es auf 60.000 brächten.

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„Wir sind angetreten, um sowohl auf medizinischem als auch auf nichtmedizinischem Gebiet Prozesse zu optimieren“, sagt der Geschäftsführer und nennt zusätzliche Tätigkeitsfelder: Verwaltung, medizinischer Sachbedarf und als flankierende Schritte ein vernünftiges Personalmanagement, das es bisher nicht gegeben habe, sowie den IT-EDV-Sektor. Mit diesen und weiteren Maßnahmen wolle Sana binnen fünf Jahren schwarze Zahlen schreiben. Aufkommende Befürchtungen, im Falle des Nichterreichens die Schließung zu riskieren, zerstreut Schick: „Wir haben noch keine übernommene Klinik dicht gemacht.“ Sana betreibt 48 Kliniken und erzielt mit etwa 30.000 Beschäftigten einen Jahresumsatz von annähernd zwei Milliarden Euro.

Maßnahmen richtig und konsequent

Die bereits eingeleiteten Maßnahmen nennt der Geschäftsführer richtig und konsequent. Mehrere Chefarztpositionen sind oder werden neu besetzt, so für die Kinderklinik, die Unfallchirurgie sowie Gastroenterologie und Onkologie. Ein dicker Brocken sei der erforderliche Abriss des Altbaus bis Ende 2015. Mit der Leerung werde jetzt begonnen. Über Streitpunkte will Sana zu Verhandlungslösungen kommen. Unter anderem geht es um die Essensversorgung und nicht zuletzt um 300 Arbeitsplätze. Schick rechnet mit Ergebnissen bis Ende des ersten Quartals.

Neben Fragen zur Wasserpraxis (dazu erste Offenbach-Seite) kommen aus dem Publikum unter anderem Fragen zur Notfallmedizin – die Aufnahmestation am Sana-Klinikum ist die größte in Hessen und über die Maßen belastet – sowie zum Verhältnis zu den niedergelassenen Ärzten. Da sieht der Geschäftsführer Handlungsbedarf, um durch Überzeugungsarbeit eine bessere Auslastung des Klinikums zu bewirken „Wir müssen die ansässige Ärzteschaft von der Richtigkeit einer Patienteneinweisung in unser Haus überzeugen.“ Die hohe medizinische Qualität stehe außer Frage, nur eben am Ansehen hapere es.

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