Sana-Konzern investiert kräftig

Klinikum: Abschied von roten Zahlen

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Offenbach - Wer je daran zweifelte, dass der Sana-Konzern mit der Übernahme des von der Pleite bedrohten Offenbacher Klinikums ein Schnäppchen gemacht hat, sieht sich eines Besseren belehrt. Von Thomas Kirstein 

Seit der Privatisierung sinkt das Defizit, in diesem Jahr sollen die Einnahmen die Ausgaben decken. Und Sana investiert in das Haus: 20 Millionen Euro seit August 2013. Es löste vor zwei Jahren ein gesundheitspolitisches Beben in der Stadt aus. Anstatt über ein vom Sozialministerium verordnetes Verkaufsverfahren wie erhofft einen zweistelligen Millionenbetrag einzustreichen, muss die Stadt drauflegen: Der Gesundheitsriese Sana erwirbt 90 Prozent der schwer defizitären Klinikum-GmbH für einen symbolischen Euro; aufgelaufene Schulden von 300 Millionen Euro bleiben an der Kommune hängen.

Gestern präsentierten die neuen Eigentümer zum zweiten Mal eine Bilanz ihrer Erwerbung. Die 2014er fällt positiv aus: In der Kasse fehlen nur noch 5,5 Millionen. Wie Geschäftsführer Sascha John verrät, nähert sich Sana Offenbach 2015 und damit schneller als erwartet jener „schwarzen Null“, die unter kommunaler Hoheit stets beschworen, aber nicht mal ansatzweise erreicht wurde. Die Miesen 2012 betrugen 36,4 Millionen Euro.

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Im Verbund des viertgrößten deutschen Krankenhauskonzerns (Eigentümer sind Krankenversicherer) läuft es rundum besser. Wie John verkündet ist der Umsatz 2014 um zwölf auf 162 Millionen Euro gestiegen. Das verdankt sich zusätzlichen Patienten (35.497 statt 34.148) sowie mehr schweren Fällen. Auch wenn’s zynisch klingt: Die „Verbesserung bei den Casemixpunkten“ heißt nichts anderes, als dass mehr lukrative Kranke am Starkenburgring aufgenommen wurden.

Deutlich häufiger angesteuert – 51.000 gegenüber 46.000 Fälle – wird die Zentrale Notaufnahme, die inzwischen zur Klinik für Interdisziplinäre Notfallmedizin mit eigenem Chefarzt (der bisherige Leiter Dr. Daniel Kiefl) geadelt wurde. Die Zahlen hier bessern freilich keine Bilanz: Notfälle sind ein Defizit-Geschäft, bei Sana Offenbach ein siebenstelliges

Kraftakt aller Mitarbeiter

Insgesamt sieht Geschäftsführer John ein „tolles“, so nicht erwartetes Ergebnis eines Kraftakts auch aller Mitarbeiter. Während die Einnahmen steigen, sinken die Ausgaben: Die Sachkosten gehen um fünf Millionen zurück, dank günstiger Konditionen im Sana-Einkaufsverbund wie einer Standardisierung bei medizinisch-pflegerischen Verbrauchsmaterialien und Implantaten. Auch tragen neue Dienstleistungsverträge zum Spareffekt bei. „Es zahlt sich aus, dass wir keine Einzelkämpfer sind wie kommunale Krankenhäuser“, sagt John. Zum Plus trägt der angekündigte Stellenabbau bei. Betroffen ist der sogenannte Tertiärbereich – Reinigung, Küche, Hol- und Bringdienst.

Das erledigen nun Sana-Töchter, die auch frühere Klinik-Mitarbeiter übernommen haben. Für nicht versorgte gibt es über einen Sozialfonds eine Transfergesellschaft, 15 Kündigungen wurden ausgesprochen. Keinen Abbau erfahren Medizin und Pflege. Dort muss – wegen neuer Abteilungen – eher aufgestockt werden, was wie das Nachbesetzen von Stellen nicht einfach ist. Laut Pflegedirektorin Sabine Braun leidet auch Offenbachs Krankenhaus unter allgemeinem Kräftemangel in Deutschland: Zu dessen Behebung werden deshalb in Spanien und Vietnam Krankenschwestern und -pfleger angeworben.

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20 Millionen Euro hat Sana seit der Übernahme in Offenbach investiert, davon acht Millionen in die medizinische Infrastruktur. Die Chefärzte sind laut dem Ärztlichen Leiter Prof. Dr. Norbert Rilinger ausgesprochen zufrieden und zuversichtlich: „Vor zwei, drei Jahren hätten wir von einer so hervorragenden Entwicklung geträumt.“

Das medizinische Angebot wurde erweitert, Offenbach hält etwa eine bundesweite Referenzposition bei bösartigen Erkrankungen von Magen, Bauchspeicheldrüse und Darm. Vier vakant gewordene Chefarztstellen sind wieder besetzt. Herausragende Neuanschaffung ist eine moderne zweite Herzkathederanlage. Zusätzlich ins Angebot gekommen die Fachdisziplinen Adipositas-chirurgie (Fettleibigkeit) sowie Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie.

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