Chefärzte kommen aus Wiesbaden

„Klinik in Champions League“

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Sie blicken optimistisch in die Zukunft des neuen Zentrums für Viszeralmedizin am Sana-Klinikum Offenbach (von links): Geschäftsführer Jens Schick, die neuen Chefärzte Christian Ell und Dietmar Lorenz, Ärztlicher Direktor Norbert Rilinger.

Offenbach - Auf ihr Bauchgefühl sollte Verlass sein: Christian Ell und Dietmar Lorenz wollen Offenbach in die „Champions League“ führen – als neue Chefärzte im Sana-Klinikum gründen sie ein viszeralmedizinisches Referenzzentrum, in dem Patienten mit Magen-Darm-Erkrankungen interdisziplinär behandelt werden. Von Veronika Schade

In Deutschland und gar weltweit wollen sie damit eine Führungsrolle einnehmen. Dass Chefärzte ihre Klinik wechseln, kommt schon mal vor. Dass sie dabei ihr ganzes Team mitnehmen, ist eine Besonderheit, mit der das Offenbacher Sana-Klinikum auftrumpfen kann. Zum 1. April übernehmen der Gefäß- und Viszeralchirurg Professor Dr. Dietmar Lorenz und der Internist und Gastroenterologe Professor Dr. Christian Ell ihre Posten als Direktor und Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie beziehungsweise der Medizinischen Klinik II (Gastroenterologie, Hepatologie, Endokrinologie, Infektiologie). Die weltweit anerkannten Spezialisten setzen damit ihre Zusammenarbeit fort, die sie vor 14 Jahren in den Wiesbadener Horst-Schmidt-Kliniken begannen.

Diese wurden Ende vergangenen Jahres zu 49 Prozent von der Rhön-Klinikum AG gekauft, die neue Geschäftsführer einsetzte. „Die neuen Betreiber haben unsere Arbeit nicht so wertgeschätzt, wie wir es erwartet haben“, sagt Ell. Doch weder wirtschaftliche noch persönliche Aspekte seien der Grund für den Fortgang aus Wiesbaden. „Es geht uns um die Inhalte. Wir wollen in Offenbach etwas bewegen.“

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Sana-Geschäftsführer Jens Schick ist stolz, die Spezialisten für den Standort gewonnen zu haben. Die Gespräche hätten sich erstrangig um das Medizinische gedreht. „Der Vertrag kam erst danach.“ Ob sich das Klinikum solche Fachkräfte leisten kann? „Wir sind nicht dafür bekannt, unwirtschaftlich zu arbeiten“, so Schick selbstbewusst. Auch der Ärztliche Direktor Professor Norbert Rilinger freut sich über die Einstellung der neuen Chefärzte: „Für das Klinikum ist es eine Riesenchance, Spitzenmedizin nach vorn zu treiben“.

In ihrer langjährigen Zusammenarbeit haben der minimalinvasiv arbeitende Endoskopie-Spezialist Ell und der klassisch-operativ vorgehende Chirurg Lorenz Wiesbaden zu einem Top-Standort bei der Behandlung von Magen-Darm-Erkrankungen gemacht. 8000 Patienten behandelten sie dort jährlich stationär – gut die Hälfte kam nicht aus dem Einzugsgebiet. Um dieses Ziel auch in Offenbach zu erreichen, übertragen sie die dortigen Strukturen an den Starkenburgring – mitsamt ihrem Team von 14 Medizinern und einigen Endoskopieschwestern. Die jetzigen Klinikum-Mitarbeiter sollen in die Gruppe integriert werden.

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Ab April nimmt das viszeralmedizinische Referenzzentrum seine Arbeit auf. Knapp eine Million Euro investierte das Sana-Klinikum in die Anschaffung neuer Endoskopietechnik. Im Zentrum arbeiten die ansonsten eher konkurrierenden Disziplinen der beiden Chefärzte eng verzahnt – im Gegensatz zu den meisten anderen Kliniken. „Die Techniken ergänzen sich zum Wohle des Patienten. So soll jedem die optimale Behandlung ermöglicht werden“, erklärt Ell. Genau wie Lorenz lobt er die guten Voraussetzungen im Neubau, sieht Chancen, Offenbach in die Champions League zu führen. „Es ist ähnlich wie bei den Kickers“, schmunzelt er. „Hier wird seit Jahren gute Medizin gemacht, aber noch lange keine Champions League.“

Der 62-Jährige will diese Zeiten in Offenbach selbst noch erleben. Seine Nachfolgerin steht indes mit Professor Dr. Andrea May schon fest, die ihn seit 20 Jahren beruflich begleitet. Und in der Lederstadt mittlerweile ihren Zweitwohnsitz hat.

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