Sana kämpft wie alle Kliniken bundesweit gegen Keime

Desinfektion als Königsweg

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Eine Labormitarbeiterin zeigt eine Indikatorkulturplatte zum Nachweis resistenter Keime. Gute Händehygiene des Personals gilt als Voraussetzung, um die Verbreitung von Krankenhauskeimen zu verhindern.

Offenbach - Bakteriengruppe. Superkeime. MRSA. VRE. MRGN. Bei diesen Schlagworten werden selbst medizinische Laien hellhörig. Bis zu 6000 Menschen sterben jährlich an Infektionen durch multiresistente Keime. Das ist vorsichtig geschätzt. Von Martin Kuhn 

Das Sana- Klinikum setzt auf Desinfektion. Und erfährt Widerspruch. Kurz: Gegen die sogenannten Superkeime helfen viele Antibiotika nur noch bedingt oder gar nicht mehr, die Erreger sind resistent geworden. Seit Jahren warnen Wissenschaftler vor der Gefahr, allmählich wird die Politik aktiv. Als wichtig erachten Experten die Hygiene in Krankenhäusern – etwa das häufige Desinfizieren der Hände. So setzt das Sana-Klinikum seit einem Jahr auf ein präventives Flächenreinigungs- und Desinfektionssystem. Das hört sich gut an, stößt allerdings bei Stefan Baier auf merkliche Skepsis. „Nach unserer Erfahrung klaffen Anspruch und Wirklichkeit in Sachen Hygiene weit auseinander“, schreibt er an die Redaktion. Nach seiner Schilderung habe sich sein verstorbener Vater in der Klinik „gleich zwei Problemkeime zugezogen“, die zu stets neuen Komplikationen führten. Für gute Hygiene im Krankenhaus würden Qualitätssiegel und Händedesinfektion allein nicht weiterhelfen, „wenn Beschäftigte nicht gelernt haben, ihr alltägliches Handeln kritisch zu reflektieren“, erteilt er kein gutes Urteil. Als „nur“ ein Beispiel führt Baier an: „Als wir nachmittags meinen Vater besuchten, stand vor dem Zimmer ein Tablett mit einem halb verzehrten Mittagessen, das augenscheinlich von meinem Vater war und als belastet mit einem Problemkeim gelten musste, offen auf einem Beistellwagen im Gang.“ Für ihn ein potenzieller Übertragungsherd.

Mit diesen Vorwürfen konfrontiert, rudert das Sana-Klinikum keineswegs zurück. „Das ist so nicht in Ordnung“, sagt Sprecherin Marion Band zu dem Versäumnis und bittet um Entschuldigung fürs offensichtliche Fehlverhalten. Generell werde das Essen mit Hauben abgedeckt. Sie widerspricht indes dem Vorwurf, dass nicht weggeräumtes Essen ursächlich multiresistente Keime übertrage. „Im Wesentlichen werden alle multiresistenten Keime über die Hände übertragen und sind für gesunde Menschen und Kontaktpersonen nicht gefährlich.“ Zum konkreten Einzelfall sagt sie nichts – da greift die ärztliche Schweigepflicht. Allerdings spricht sie über die übliche Vorgehensweise. Wenn bei einem Kranken im Lauf des Klinikaufenthaltes ein solcher Keim nachgewiesen wird, „werden die Mitpatienten im Zimmer sofort gescreent“. Dabei ist allein die pure Masse eine Herausforderung. Mittlerweile werde beinahe jeder zweite Patient bei seiner Aufnahme auf multiresistente Keime im Sana Klinikum vorsorglich getestet. Dies gilt insbesondere für Menschen, die in Altenheimen leben, die von ambulanten Pflegediensten betreut werden oder im Ausland einen Krankenhausaufenthalt hatte. Marion Band: „Anders gesagt: Chronisch Kranke oder Menschen mit einem geschwächten Abwehrsystem.“

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Das bedeutet auch: Menschen, die keiner „Risikogruppe“ angehören, erkranken nicht, auch wenn sie den Keim auf der Haut tragen. Zudem weist die Sana-Sprecherin auf eine Schwäche im gesamten System hin. Denn auch die Isolation im Krankenhaus führt nicht dazu, dass der Erreger verschwindet. „Nur bei einer Infektion mit Krankheitssymptomen wird eine spezielle Behandlung mit einem wirksamen Antibiotikum vorgenommen. Treten keine Symptome auf, werden die Patienten entlassen und tragen ihn weiter auf oder in sich – eigentlich verrückt...“ Ebenso wie die Erfassung: Für Deutschland liegen nur punktuell Zahlen vor, wie häufig gesunde Menschen mit MRSA besiedelt sind. „Aus diesen begrenzten Untersuchungen geht hervor, dass etwa ein bis zwei Prozent der Bevölkerung Träger von MRSA sind“, veröffentlicht das Bundesinstitut für Risikobewertung auf seiner Internetseite.

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