„Schädliche Entwicklung“

Krankenhauschef kritisiert Abwerbung

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Professor Dr. Weiner

Offenbach - Was in Offenbach als Coup gefeiert wird, ruft in Frankfurt keine Begeisterung hervor. Wie berichtet, hat das Sana-Klinikum dem Krankenhaus Sachsenhausen den Fettleibigkeits-Spezialisten Professor Dr. Rudolf Weiner abgeworben; der Chirurg eröffnet im Oktober am Starkenburgring ein Adipositas-Zentrum. Von Thomas Kirstein 

Für Uwe Diehm, den Ärztlichen Direktor des zum christlichen Klinikverbund DKD gehörenden Stadtteil-Krankenhauses, ist der bevorstehende Weggang Weiners das geringere Problem. Man habe mit dem 62-Jährigen ohnehin bereits vor zwei Jahren eine Nachfolgeregelung zum 1. Januar 2015 vereinbart. Von mehreren Mitarbeitern, die mit ihrem Chef nach Offenbach wechseln, weiß Diehm nichts. Ihm liege bislang nur eine weitere, „aus dem nichtärztlichen Bereich“ stammende Kündigung vor. „Dass sich Professor Weiner nun anders entschieden hat, müssen wir akzeptieren; was er bei uns aufgebaut hat, verdient Anerkennung und Respekt“, sagte der Frankfurter Krankenhauschef.

Für wirklich problematisch hält Diehm die Auswirkungen auf die Krankenhauslandschaft im Rhein-Main-Gebiet. Der Aufbau konkurrierender Abteilungen – Sachsenhausen ist dank Weiner als „Adipositas-Exzellenzzentrum“ zertifiziert und will das auch bleiben – sei eine schädliche Entwicklung: „Was da passiert, entzieht der Krankenversorgung Geld, ist bestimmt nicht im Sinne der Krankenhausplanung im Rhein-Main-Gebiet, hat mit einem Versorgungsauftrag nichts zu tun.“ Es sei wenig sinnvoll, eine funktionierende Abteilung nur drei Kilometer weiter zu verpflanzen.

Demo der Klinikum-Mitarbeiter (2012)

Demonstration der Klinikum-Mitarbeiter

Die operative Adipositas-chirurgie, bei der Verdauungsorgane verkleinert werden, ist in der Regel auf Privatpatienten beschränkt und gilt daher als lukrativ. Weiner behandelte in Sachsenhausen im Jahr 500 extrem Übergewichtige mit 200 bis sogar 400 Kilogramm.

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