Sana-Klinikum

Offenbach als erste Notaufnahme zertifiziert

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Demonstrieren im Schockraum des Klinikums die Funktionsweise der Notfallsonographie (von links): Assistenz-Arzt Sebastian Gruhl, Ärztlicher Leiter Dr. Daniel Kiefl und Rettungs-Assistent Gerhard Geissler. Das erfordert eine hohe Qualifikation und ein entsprechendes Training – und wurde nun zertifiziert. Ein Auszubildender fungiert in diesem Fall als Patient.

Offenbach - Nach dem Verkehrsunfall kommt der junge Mann in den Schockraum. Er atmet schwer, hat Schmerzen im Oberbauch. Das Team um Dr. Daniel Kiefl reagiert sofort. Von Martin Kuhn

Der ärztliche Leiter des Aufnahme- und Notfallzentrums trägt ein spezielles Gel auf den Schallkopf auf, fährt mit diesem behutsam über Brust und Bauch des Patienten, sieht sofort das Ergebnis auf dem hochauflösenden Bildschirm des Ultraschallgerätes. In diesem Fall kann er den Patienten beruhigen, da es sich um eine Demonstration handelt. „Alles in Ordnung.“ Was er vorführt, ist im Alltag der Notaufnahme des Sana-Klinikums Offenbach jeden Tag Routine. Gut 46.000 Patienten wurden im vergangenen Jahr behandelt. Damit ist das Offenbacher Notfall-Zentrum eines der größten im Hessenland.

„Etwa die Hälfte der Patienten erhält eine Ultraschalldiagnose“, stellt Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Radiologie Professor Norbert Rilinger den Stellenwert der Diagnostik heraus. Lohn: Als erste Notaufnahme in Deutschland wurde die Klinik am Starkenburgring von der zuständigen Fachgesellschaft für die Notfallsonographie zertifiziert. Ausdruck für den höchsten Qualitätsstandard. Zeit rettet Leben. Auf diese kurze Formel ist in der Notfallmedizin einiges zu reduzieren. Bei unklarer Diagnose und befürchteten multiplen Verletzungen innerer Organe kommt das Ultraschallgerät zur Anwendung. Noch im alten Bettenhaus war das erheblich aufwändiger, da bestimmte Diagnosen in anderen Etagen vorgenommen werden mussten. Im Neubau wurde das alles angepasst. Dr. Kiefl: „Heute bringen wir die Sonographie zum Patienten.“

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Um Herz, Lunge und wichtige Gefäße zu betrachten, sind nicht mehr als zwei Minuten erforderlich – dann ist klar, ob etwa zu viel Flüssigkeit im Körper ist oder eine Lungenentzündung vorliegt. Auch Röntgenuntersuchungen, die beispielsweise bei einem Lungenkollaps auch nur eine 80-prozentige Diagnosesicherheit ermöglichen, sind so bei der Einlieferung nicht mehr zwangsläufig erforderlich – und erhöhen die Überlebenschancen des schwer erkrankten Patienten.

Wird dieser teils noch auf der Rettungstrage per Ultraschall untersucht und umgehend zielgerichtet behandelt, steigt seine Überlebenschance deutlich an. Bei einem Lungenkollaps heißt das: Innerhalb einer Minute wird per Ultraschall mit 95-prozentiger Sicherheit festgestellt, ob es sich um einen Pneumothorax, eine Lungenquetschung oder ein Lungenödem handelt. „Damit zeigt sich nach unserer Erfahrung ganz deutlich, dass die Notfallsonographie gerade bei kritischen Fällen die bessere Alternative zum herkömmlichen Verfahren ist“, sagt Dr. Kiefl.

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Weiterer Vorteil: In Echtzeit erkennt der Arzt, ob seine Behandlung anschlägt. Der Arzt legt mit einer Hand das Ultraschallgerät auf das betroffene Organ und kann mit der anderen punktieren. Denn er sieht auf dem Bildschirm, wo er sich befindet und ob seine Maßnahme Erfolg hat. Als Radiologe darf da Professor Rilinger etwas auf die Euphoriebremse treten: „Ultraschall ist ein Verfahren zur schnellen Orientierung; es ersetzt aber nicht die andere Diagnostik.“ Dabei zeigt er im Schockraum der Notaufnahme auf ein Röntgengerät, und hinter einer Durchgangstür geht’s direkt zur Computertomographie.

Das alles zeigt: Hochleistungstechnik ermöglicht  eine Hochleistungsmedizin. Nicht immer wird das honoriert. Einige Patienten beklagen lange Wartezeiten und unzureichende Informationen in der Notaufnahme. Der Ärztliche Direktor weiß um diese Problematik: „Viele sehen nicht, was hinter den Türen passiert.“ Ein „glücklicherweise“ verkneift sich der Mediziner, vermerkt aber, dass das Personal in der Notaufnahme kontinuierlich aufgestockt wurde: 9 Ärzte, mit diensthabenden Fachärzten summiert es sich auf 20, und 36 Vollkräfte in der Pflege.

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