Reduzierung nach allgemeiner Tariferhöhung

Sana-Klinikum streicht Zulagen - Mitarbeiter sind wütend

Im September streikten die Sana-Angestellten für höhere Löhne. Jetzt Baut das Sana-Klinikum in Offenbach Zulagen ab.
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Im September streikten die Sana-Angestellten für höhere Löhne – nun wird eine Zulage abgebaut.

Unter den Mitarbeitern der Intensivstationen, der Anästhesiepflege, der zentralen Notaufnahme und der Operationsteams des Sana-Klinikums herrscht Wut. Der Grund: Die Geschäftsführung kündigt an, dass die jeweiligen Arbeitsmarktzulagen deutlich abgebaut werden.

Offenbach – Mitarbeiter des Klinikums haben sich an unsere Zeitung gewandt und machen ihrem Ärger Luft: „Es herrscht ein Riesentumult unter den Kollegen, einige überlegen schon zu kündigen“, sagt eine Mitarbeiterin, die anonym bleiben möchte. Die Zulage, bei einer Vollzeitkraft beträgt sie 250 Euro, wurde bisher auf freiwilliger Basis vom Klinikum gezahlt, um sicherzustellen, dass diese  Bereiche als Arbeitsplätze attraktiv sind.

Sana-Klinikum Offenbach streicht Zulagen der von Corona besonders betroffenen Bereiche

Doch nach dem 28. Februar wird die Zulage zuerst um 50 Euro gekürzt, im kommenden Jahr soll sie erneut reduziert werden, dann um 100 Euro. „Die Klinikleitung argumentiert, dass ab 1. März ein neuer Tarifvertrag gilt, der eine Erhöhung der Bezüge für bestimmte Berufsgruppen vorsieht – durch den Tarifvertrag würde der Zulagenabbau finanziell kompensiert“, sagt Betriebsratsvorsitzender Holger Renke. Allerdings gelte die Tariferhöhung für alle, die Zulage für die Mitarbeiter in den gerade von der Corona-Pandemie besonders betroffenen Bereichen werde zusammengestrichen.

Pflegekräfte auf Intensivstation im Sana-Klinikum Offenbach: Hohe Arbeitsbelastung, hoher Krankenstand

„Das Geld, das wir beim Streik erstritten haben, wird uns nun an anderer Stelle gekürzt“, sagt eine Mitarbeiterin aus den betroffenen Bereichen gegenüber unserer Zeitung. Die Stimmung sei denkbar schlecht in den Abteilungen, der Krankenstand hoch. „Wir schreiben täglich Überlastungsanzeigen, aber Sana stellt sich da tot“, sagt sie. Dabei stünden insbesondere die Mitarbeiter der Intensivstation durch die Corona-Patienten unter hohem Druck. „Wir betreuen teilweise bis zu vier Patienten, die beatmet werden, obwohl eigentlich vorgeschrieben ist, dass in den ersten 24 Stunden eine Pflegekraft sich nur um einen Patienten kümmern darf. Aber das können wir nicht gewährleisten.“

Dass das schrittweise Abschmelzen der Zahlung der wirtschaftlichen Lage geschuldet sei, verneinen Mitarbeiter und Betriebsrat. „Die Bettenzahl im chirurgischen Bereich wird doch erhöht, um noch mehr Einnahmen zu generieren – am Geld liegt es nicht“, heißt es seitens der Mitarbeiter.

Offenbach: Sana-Klinikum verteidigt Kürzung

Sascha John, Regionalgeschäftsführer Hessen des Sana-Unternehmens, erklärt auf Nachfrage, dass „ein Teil der bisherigen, freiwillig gezahlten, übertariflichen Zulage jetzt tariflich abgesichert“ sei. Und weiter: „Diese tarifliche Einbindung bestätigt die vom Klinikum bereits vorweggenommene finanzielle Anerkennung der Pflegeleistungen in besonders herausfordernden Bereichen. Gleichzeitig trägt die weiterhin ausgezahlte übertarifliche Zulage von monatlich 100 Euro zur dringend notwendigen Aufwertung des Pflegeberufs als auch zur Attraktivität des Arbeitsplatzes Sana Klinikum Offenbach bei.“ Beschäftigte sowie der Betriebsrat stellen Letzteres aber durch die Kürzung in Frage: Gerade jetzt, in der angespannten Corona-Pandemie, die Zulage zu kürzen sei ein „extrem fatales Signal“, sagt Renke. „Wir arbeiten am Limit“, sagt eine Mitarbeiterin der Intensivstation, „ohne den Zuschuss wird die Arbeit für Neuzugänge noch unattraktiver.“

Im Dezember wurden auch die von Bund und Land angekündigten Bonus-Zahlungen für Pflegekräfte, die mit Corona-Patienten arbeiten, geleistet. Doch auch hier herrscht Kritik unter den Mitarbeitern vor. Denn Pflegekräfte in Heimen haben vom Land rund 600 Euro mehr erhalten als die in Krankenhäusern. Und bei dem vom Bund gezahlten Bonus blieben die Ärzte außen vor – außer am Sana-Klinikum, da sich hier die Beschäftigten darauf geeinigt haben, den Zuschuss unter allen aufzuteilen. (Frank Sommer)

Tariferhöhung und Zulagenkürzung

Der Betriebsrat rechnet vor: Durch die Tariferhöhung erhält eine Vollzeitkraft auf der Intensivstation in Wechselschicht ab März 70 Euro Pflegezulage, 44 Euro Intensivzulage und 50 Euro Wechselschichtzulage mehr, insgesamt 164 Euro. Gleichzeitig wird die Arbeitsmarktzulage aber um 50 Euro abgesenkt, die Tarifsteigerung damit um etwa ein Drittel reduziert. Angestellte im Operations- und Anästhesiebereich erhalten eine Zulage von 70 Euro, die durch die Absenkung der Arbeitsmarktzulage dann lediglich ein Plus von 20 Euro bedeutet.

Im März 2022 steigt dann zwar die Pflegezulage um weitere 50 Euro, gleichzeitig wird dann aber die Arbeitsmarktzulage um 100 Euro gesenkt. Das Plus durch die Tariferhöhung liegt für eine Vollzeitkraft auf der Intensivstation dann bei 114 Euro, für OP- und Anästhesiekräfte weiterhin bei 20 Euro.

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