Sana-Start am Klinikum Offenbach

Kommentar: Glück und Erfolg

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Frank Pröse

Eine Ära ist zu Ende. Nach 150 Jahren unter kommunaler Verantwortung wird das Offenbacher Klinikum nun privatwirtschaftlich geführt. Es wird vom Geschäftsgebaren des Sana-Konzerns abhängen, ob das bisher städtische Krankenhaus von der Bevölkerung als „unser Klinikum“ angenommen wird. Von Frank Pröse

Dem neuen Eigner ist zu wünschen, dass er das Haus in ruhigere Fahrwasser führen kann. Es wäre nach vielen Jahren das erste Mal. Denn turbulent geht es nicht erst seit der Entscheidung für den Neubau zu. Auch der marode Altbau hatte zuvor für so manche unerfreuliche Schlagzeile gesorgt. Mit dem Neubau wurde es dann zusätzlich recht unübersichtlich - und das nicht nur in Bezug auf die Kosten.

Dass die Öffentlichkeit keinen Überblick mehr hatte, lag zum einen an der auch aufgrund politischer Vorgaben wenig stringenten Geschäftsführung. Außerdem hatten ganz offensichtlich die Aufsichtsgremien völlig die Orientierung verloren. Besonders letzteres hat zu enormen Verlusten geführt und spricht nicht gerade für eine kommunale Klinikvariante. Im Bestreben, dieses vor allem politisch motivierte Konstrukt unter allen Umständen aufrecht zu erhalten, haben Stadtparlament und Magistrat eine Kröte nach der anderen geschluckt - und die Stadt im Schweinsgalopp in den Ruin geführt. Via Akteneinsichtsausschuss soll jetzt geklärt werden, wer für diese Entwicklung wie viel Verantwortung trägt. Der Aufwand dürfte sich lohnen, schließlich müsste sich daraus einiges für den Umgang mit anderen städtischen Beteiligungen lernen lassen.

Unruhe in der Belegschaft

Eine dieser Beteiligungen ist nunmehr brachial auf einflusslose zehn Prozent geschrumpft worden, den Rest hält Sana. Der viertgrößten privaten Klinikgruppe eilt der Ruf voraus, nicht wie andere der Branche die Rendite mit Brachialgewalt verbessern zu wollen. Die Münchner geben sich eher gemäßigt, was freilich die Unruhe in der Offenbacher Belegschaft nicht hat verhindern können. Vertrauen und Loyalität sollte eine Führung aber gewinnen können, die jetzt insgesamt mehr als 26.000 Mitarbeiter beschäftigt, die größtenteils zufrieden scheinen. Damit auch die Patienten zufrieden sind, niedergelassene Ärzte mehr als bisher ihre Kundschaft zuweisen und die Öffentlichkeit sich zu diesem Klinikum bekennt, hat Sana sich viel vorgenommen. Der private Gesundheitskonzern investiert in einer Größenordnung, die die öffentliche Hand hätte nie stemmen können. Die Stadt hat dafür Altschulden in einer Größenordnung zu bedienen, die eindeutig belegt, dass Daseinsfürsorge nicht immer kommunal organisiert werden sollte. In Offenbach ist das schief gegangen. Umso mehr müssen alle Sana viel Erfolg wünschen.

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