Empfehlung des Magistrats

Konzern Sana soll das Klinikum übernehmen

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Offenbach - Offenbachs Magistrat hat sich gestern für einen der beiden verbliebenen Bieter für sein Klinikum entschieden. Oberbürgermeister Horst Schneider und Bürgermeister Peter Schneider nannten Daten des Geschäfts, aber keine Namen. Von Thomas Kirstein

Nach Informationen unserer Zeitung soll die bundesweit tätige Krankenhausgruppe Sana AG den Zuschlag bekommen.

Die Verantwortlichen der Stadt verweigern aus Furcht vor Regressforderungen strikt die Namensnennung vor der am 2. Mai zu treffenden Entscheidung der Stadtverordneten. Dabei pfeifen es die Spatzen von den Dächern: Vorgeschlagen wird die Sana Kliniken AG, deren Anteilseigner 32 private Krankenversicherer sind. Die Gruppe mit Sitz in Ismaning bei München würde mit dem Klinikum Offenbach erstmals Fuß in Hessen fassen. Als Aufsichtsratsdirektorin wirkt bei Sana die CDU-Politikerin Silke Lautenschläger, Vorgängerin des Offenbachers Stefan Grüttner im Amt des für die Krankenhäuser zuständigen hessischen Sozialministers.

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Das Land drängt schon seit Anfang 2012 auf Privatisierung des durch seinen 2010 eingeweihten Neubau hoch verschuldeten und defizitär wirtschaftenden Offenbacher Klinikums. Ein „Markterkundungsverfahren“ brach die Stadt besonders wegen unzureichender Angebote ab. Als das Krankenhaus im Herbst kurz vor der Insolvenz stand, verordnete das Land der Stadt den Verkauf. Gestern stellte der Magistrat die Eckpunkte des von ihm favorisierten Angebots vor: Mit ihm werde eine medizinische Versorgung auf qualitativ und quantitativ höchstem Niveau auf viele Jahre sichergestellt, hieß es. Offenbach behielte ein Krankenhaus der Maximalversorgung. Der Übergang der Trägerschaft ist für Mitte des Jahres geplant.

Stadt muss zusätzliche Lasten schultern

Finanziell muss die Stadt zusätzliche Lasten schultern. OB Schneider hat sich längst vor seiner noch vor Einleitung des Zwangsverkaufs gehegten Vorstellung verabschiedet, es seien um die 80 Millionen Euro zu erlösen. Der Kaufpreis wird einen symbolischen Euro betragen, der die zu übernehmenden Schulden des Klinikums kaum mildert. 215 Millionen addieren sich zu den mindestens 750 Millionen des Stadt-Etats. Hinzu kommt ein zweistelliger Millionenbetrag, um das Eigenkapital des Klinikums aus dem Minus auf fünf Millionen zu bringen.

Dennoch erkennt man ein akzeptables Geschäft: Der Käufer biete Leistungen von über 200 Millionen Euro, indem er die in den nächsten Jahren entstehenden Verluste übernehme, sich auf zehn Jahre verpflichte, eine Insolvenz abzuwenden, das Eigenkapital um 25 Millionen aufstocke, einen 20-Millionen-Sozialfonds zugunsten der Mitarbeiter auflege und 110 Millionen in den Ausbau des Klinikums investiere. Zudem bekommt die Stadt ihr wirtschaftlich arbeitendes Seniorenzentrum für einen Euro zurück.

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