Sand statt Lehrerblech

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Sofort und begeistert in Beschlag genommen: Die Mathildenschüler finden ihr neues Klettergerüst einfach toll.

Offenbach ‐ Kaum meldet sich der Frühling zurück, zieht es Groß und Klein nach draußen. Auf Bänken aus rotem Sandstein und mit einer Sitzfläche aus hellem Holz, haben es sich die Schüler einer Klasse bequem gemacht und gehen das Unterrichtsmaterial unter blauem Himmel durch. Von Katharina Skalli

Genau so, wie es sich die Planer gewünscht haben. Der Unterricht im Freien ist eine Premiere, denn erst gestern wurden die neu gestalteten Freianlagen der Mathildenschule in Betrieb genommen und mit ihnen das „Grüne Klassenzimmer“.

Nachdem 2006 in einem ersten Bauabschnitt die Hauptfläche des Schulhofs umgestaltet wurde, folgten nun die Ergänzungen. Der graue Lehrerparkplatz im östlichen Bereich des Geländes ist Geschichte. Das Kollegium parkt nun auf dem Grundstück der Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage in der Arthur-Zitscher-Straße. Die Parkplätze haben Platz gemacht für noch mehr Freifläche zum Spielen und Toben. In einem riesigen Sandkasten steht ein großes, hölzernes Klettergerüst. „Das Gerät hat einen großen Aufforderungscharakter“, sagt Annette Eschke lachend. „Auch für Erwachsene.“

Die Landschaftsarchitektin sieht das von ihr gestaltete Gelände zum ersten Mal nach der Fertigstellung und ist zufrieden. „Ich freue mich sehr“, sagt sie. Auf und zwischen den Holzbalken toben Kinder der 3. und 4. Klasse. „Das Klettergerüst ist toll!“, ruft Gonca aus der 3c und hüpft in den weichen Sand. Das Kletterspielgerät ist nicht die einzige Attraktion, die den Schülern von nun an in den Pausen zur Verfügung steht.

Im hinteren Teil des Hofes ist eine ganze Ecke Gelände dazugekommen. Dafür hat die Stadt aufwendig angrenzende Grundstücke, die gewerblich genutzt wurden, erworben und umgestaltet.

Alte Gebäude und Versiegelungen wurden abgerissen und aufgebrochen, Abgrenzungen errichtet, schließlich das neugewonnenen Schulhofareal gestaltet. Über eine Rampe aus Steinstufen ist das 1,5 Meter niedriger liegende Gelände erreichbar. Terrassenartig angelegte Beete bieten Platz für immergrüne Bodendecker und Frühlingsblumen.

Doch noch ist es zu früh. Die Blüten schlummern noch in ihren Zwiebeln unter der Erde. Am Rand ist das „Grüne Klassenzimmer“ platziert und in der Mitte das Litophon, ein Klanginstrument aus Graphit. Mit einem Gummiknüppel können die Kinder schwarze Steinstäbe zum Klingen bringen, sogar ganze Melodien darauf spielen. Umgeben ist die grüne Insel vom Gründercampus Ostpol, der Musikschule und einem Backsteingebäude. Weil der Hof so eng in den Stadtteil integriert ist, umgibt ihn eine besondere Hinterhofatmosphäre.

Diese Offenheit und Vernetzung mit dem Quartier ist Teil des Konzepts, das im Rahmen des Hegiss-Projekts geplant und umgesetzt wurde. Eines der Ziele war es, den Stadtteil grüner zu gestalten.

Über den neuen Hofbereich wacht ein großer Drache aus Beton, der mit aufgerissenem Maul in seinem Kiesbett liegt und den Kindern zum Klettern und Verweilen dient. Er gehört seit fünf Jahren zum Hof der Schule.

1400 Quadratmeter wurden bearbeitet und auf ihnen zwölf neue Bäume gepflanzt. Noch sind die zierlichen Kastanien, Ahornbäume, die Linden und Blumen-Eschen mit Bambusmatten umhüllt, doch schon bald sollen sie den 750 Kindern und Jugendlichen Schatten spenden. Bepflanzt wurde der Hof mit den Kindern zusammen. Jetzt stehen noch Sanierungs- und Erweiterungsarbeiten am Gebäude an.

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