Sandburgenbau im Winter

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Schonmal gucken: Die künftige Kita-Leiterin Christiane Hachmann und ihre Stellvertreterin Lucia Rocandio Sanchez mit dem Modell der Einrichtung.

Offenbach - Nichts deutet im Moment an der Andréstraße gegenüber dem Gelände der Energieversorgung Offenbach (EVO) auf eine Kleinkindertagesstätte hin. Wo schon ab dem 1. September Kinder im Alter zwischen sechs Monaten und drei Jahren die Tage verbringen sollen, parken Autos. Von Stefan Mangold

Keine fünf Monate vom asphaltierten Nichts bis zur Einweihung? Kein Problem, versichern Vertreter des Initiatoren-Trios Stadt, Siemens und EVO beim symbolischen ersten Spatenstich.

Träger der Betreuungseinrichtung wird der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) sein. „Insgesamt gibt es Plätze für 50 Kinder,“ erklärt Marion Ring, die das Projekt leitet, bis der Betrieb im Fertighaus beginnt. Für die Stadt sind 25 Plätze reserviert, für den Nachwuchs der 1200 Angestellten von Siemens im Kaiserlei sind es 18 Plätze, plus sieben für die EVO. „Das ist keine starre Zahl“, betont Ring. Je nach Bedarf könne bei der Betreuungskapazität nachgelegt werden. Ebenso wie bei den Öffnungszeiten. Für den Anfang sind sie auf 7.30 bis 16.30 Uhr festgelegt.

In Sachen Nachwuchsumsorgung hatte Siemens eigentlich eine Kooperation mit der Kita des Städtischen Klinikums gehabt. „Doch das Klinikum hatte zu hohen Eigenbedarf“, sagt Heinz Mayk, Offenbacher Personalchef des Technikkonzerns. Die Plätze für Siemens seien entfallen. In der Firma habe man also geprüft, was gebraucht wird, dann die EVO angerufen und schließlich Kontakt mit der Stadt aufgenommen.

Gebäude kann erweitert werden

Bürgermeisterin Birgit Simon war beglückt. „Vor zehn Jahren wurde diskutiert, ob betriebliche Kitas überhaupt Sinn machen“, erinnert sie. Aus heutiger Perspektive sei das eine seltsame Frage. Der ASB „empfiehlt sich als Träger, weil er in der Frankfurter Straße schon eine Kita erfolgreich betreibt“, begründet EVO-Vorstandsvorsitzender Michael Homann. Die Samariter werden das Gelände von der EVO pachten. Eine gute Zusammenarbeit auch nach Meinung von Dr. Michael Kassner, Leiter der Siemens-Region Mitte.

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Auf dem Plan erinnert die neue Tagesstätte an Einrichtungen in Schweden oder Norwegen, wo die öffentliche Kinderbetreuung schon seit Jahrzehnten einen hohen gesellschaftlichen Stellenwert besitzt. In der Andréstraße wird es sogar die Möglichkeit geben, auch im Winter in geschlossenen Räumen mit Wasser und Sand Burgen zu bauen. Das pädagogische Konzept richtet sich nach den Themen „Technik und Natur“. Der Bau kostet mehr als 1,9 Millionen, der Betrieb jährlich 850.000 Euro. Die Stadt zahlt davon für ihre 25 Plätze 211.000 Euro. Ein Platz kostet 163 Euro monatlich. Das Siemens-Kontingent ist nicht subventioniert; der Konzern muss außerdem für eine Dekade die Abnahme von 18 Plätzen garantieren.

Falls der Bedarf deutlich steigt, ist das Gebäude in seiner Fertigbauweise aufs Wachsen angelegt. Etwa um ein drittes Stockwerk. Neben der Leiterin Christiane Hachmann und deren Vertreterin Lucia Rocandio werden zwölf Erzieherinnen und zwei Hauswirtschaftskräfte angestellt.

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