Ehemaliger Brennpunkt wird aufgemöbelt

Hochhaussanierung zerrt am Mieter-Nerv

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An der Westseite der Neusalzer Straße 77 wird derzeit die Betonfassade saniert.

Offenbach - Lärm und Dreck, von Ruhe keine Spur. Die Bewohner des Hochhauses Neusalzer Straße 77 müssen derzeit einiges ertragen. Grund sind Sanierungsarbeiten an der Betonfassade dieser größten Wohnimmobilie der Stadt. Von Matthias Dahmer

Fast 700 Menschen leben in den 313 Wohnungen der Bausünde aus den 70er Jahren. Die mehr als eine Million Euro teuren Sanierungsarbeiten haben Anfang März begonnen und sollen bis voraussichtlich Anfang Juli dauern.

Einige Bewohner haben schon die Nase voll. Zwölf Mieter hätten bislang wegen der Arbeiten Mietminderung geltend gemacht, heißt es bei der städtischen Gemeinnützigen Baugesellschaft Offenbach (GBO), die das Hochhaus seit Ende der 80er Jahre verwaltet, dort mehr als 60 Prozent der Wohnungen hält und damit auch größter Eigentümer ist.

Mietnachlass nicht pauschal gewährt

Ein Mietnachlass, sagt die GBO, werde indes nicht pauschal gewährt, jeder Einzelfall müsse geprüft werden. Immerhin: Die Sanierungskosten könnten nicht auf die Mieter umgelegt werden, da es sich um eine Instandsetzung handele.

Dass die Bewohner so genervt reagieren, hat seinen Grund: Bevor im März die rückwärtige, westliche Fassade des Hochhauses in Angriff genommen wurde, war im vergangenen Jahr die Vorderseite mit den Balkonen dran. Geplante Dauer der Arbeiten: drei Monate. Tatsächlich saniert wurde indes doppelt so lange – von Mitte Juli bis Mitte Dezember. Die Befürchtung, dass es diesmal wieder länger dauert, ist also nicht unbegründet.

GBO versucht, Angst zu zerstreuen

Die GBO versucht, die Angst zu zerstreuen: Die Arbeiten 2012 hätten sich verzögert, weil zum einen der Umfang der Betonsanierung erst nach Entfernen der losen Betonteile eindeutig erkennbar gewesen sei. Zum anderen habe es in Bezug auf die Herstellung der Balkonböden nach Entfernen des Estrichs Gewährleistungseinschränkungen des ausführenden Unternehmens gegeben, für die eine fachlich vertretbare Lösung habe gefunden werden müssen.

Außerdem: „Die lärmintensiven Arbeiten entstehen in den ersten Wochen beim Abschlagen des Betons. Die darauffolgenden Arbeiten (Bodenbeschichtung, Estrich- Putzarbeiten, Malerarbeiten und ähnliches) verlaufen relativ geräuschlos“, beschwichtigt die GBO.

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Der „Wohnpark Rosenhöhe“, wie das Hochhaus noch gar nicht so lange heißt, galt einst als einer der größten sozialen Brennpunkte der Region. Als Seniorenresidenz geplant, stand die Neusalzer 77 nach der Pleite des Bauherrn etwa zehn Jahre leer, als ein nachfolgender Offenbacher Investor insgesamt 400 Eigentumswohnungen aus der Immobilie und dem benachbarten kleineren Wohnblock machte und fast alle im Wege eines später gescheiterten Bauherrnmodells verkaufte.

Ein gewerblicher Zwischenmieter nahm in einem nächsten Schritt die gekauften Wohnungen unter seine Fittiche und vermietete sie innerhalb von zwei Monaten, womit das den schlechten Ruf begründende Klientel einzog. Die GBO stieg auf Druck des Landes ein, nachdem der Offenbacher Investor 99 öffentlich geförderte Wohnungen nicht mehr halten konnte. Bedingung der städtischen Gesellschaft: Sie erhält die Mehrheit in der Eigentümergemeinschaft, um die Geschicke des Hauses lenken zu können.

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