Baustelle auf der Mühlheimer nervt Autofahrer/ Stadtservice weist Kritik zurück

Sanierung nur in kleinen Schritten

An der Überführung der ehemaligen Industriebahn auf der Mühlheimer Straße haben sich tiefe Spurrinnen gebildet. Ursache: Eine zu dicke Asphaltdecke, die komplett abgetragen und erneuert werden muss. Das erfolgt schrittweise. Foto: Kuhn

Offenbach – Der Berufspendler ist hörbar genervt: „Stau, Stau, Stau – egal ob morgens oder abends. “ Er vergisst mittags. Und er steckt wie unzählige andere Autofahrer an einem gefühlten Dauer-Nadelöhr fest: Mühlheimer Straße / Ecke Kettelerstraße. VON MARTIN KUHN

Bremste dort zunächst ein aufwendiger Kanalbau den Verkehr aus, ist es aktuell eine Brückensanierung. Und was ihn besonders stört: „Ich sehe dort niemals einen einzigen Arbeiter. . . “.

Das weist der Stadtservice als Auftraggeber der Baumaßnahme zurück. Auf dem Brückenbauwerk über der ehemaligen Industriebahn werde auf kleinen Flächen in vielen Abschnitten gearbeitet. Diese Arbeiten nähmen nicht den ganzen Tag in Anspruch. „Schaut man genau hin, sieht man, dass der Aufbau sich täglich ändert: Der Asphalt wird abgenommen, die darunterliegende Schweißbahn abgeschoben, der drunter liegende Beton angefräst, dann gestrahlt, neuer Beton aufgetragen, der erst mit einer bestimmten Restfeuchte weiterbearbeitet werden kann“, erklärt Thomas Möller die ersten Schritte. „Dann wird eine Epoxidharzbeschichtung aufgetragen und eine neue doppellagige Schweißbahn. Darauf kommt eine Gussasphaltdichtschicht, um das Bauwerk gegen eindringende Chloride zu schützen, und ganz zum Schluss die Gussasphaltdeckschicht.“ Puuhh, da geht der Leiter Straßenbau des Stadtservice aber ziemlich ins Detail.

Aber zurück zur anfänglichen Kritik: „Das sind Arbeiten, die jede für sich auf diesen kleinen Flächen innerhalb von zwei bis drei Stunden erledigt ist. Danach muss das Material erst mal aushärten, trocknen… Und dann passiert dort für denjenigen, der im Stau steht, tatsächlich nichts, was man beobachten könnte.“

Hinzu kommt laut Möller: Das beauftragte Unternehmen arbeite nicht nur auf einer Baustelle, sondern auf mehreren gleichzeitig, könne also auch nicht seinen gesamten Maschinenpark, der für die anschließenden Arbeiten notwendig wäre, an der Mühlheimer Straße zusammenziehen, um sofort weiterzuarbeiten. Das sei demnach ein logistisches Problem. Außerdem werde in einem Abschnitt der Asphalt der äußeren Spuren von der Firma nachgebessert, weil es noch Unebenheiten gebe. Möller: „Zuvor werden die Innenspuren fertiggestellt. Letztlich sollen die Arbeiten am 8. Juli abgeschlossen sein.“

„Das muss dennoch schneller gehen“, ist der geneigte Autofahrer aufgebracht. Warum sind Nacht- oder Wochenendarbeit offenbar bei der Auftragsvergabe ein Tabu für den Stadtservice? „Zunächst sollte man natürlich bei der Planung von lärmintensiven Baumaßnahmen auch die Belange der anderen Bürger und die entstehenden Emissionen berücksichtigen“, gibt Möller zu bedenken. „Wer möchte schon eine Woche lang zu nachtschlafender Zeit vor seinem Schlafzimmerfenster lärmende Baumaschinen und Lastwagen? Die Antwort ist schnell gefunden.“

Davon abgesehen, benötigt es entsprechender Genehmigungen nicht nur hier in Offenbach, sondern auch dort, wo das Asphaltmischgut entsteht, an der Mischanlage. „Hier wird in der Regel nur eine gewisse Anzahl von Nachteinsätzen pro Jahr genehmigt“, weiß der Diplom-Ingenieur. Nachtbaustellen seien außerhalb von Städten eine mögliche Alternative, „im Innenstadtbereich nur dort, wo es zwingend notwendig wird.“

An der Kreuzung Untere Grenz- / Mühlheimer Straße hatte der Stadtservice vor etwa vier Jahren zum ersten Mal nachts und feiertags gebaut – zuvor sei dies aus den genannten Gründen ein absolutes Tabu gewesen. Auch der Personalaufwand sei einzubeziehen. Möller: „Man braucht auch entsprechendes Personal in der Bauüberwachung, das dann tagsüber nicht zur Verfügung steht. Zusätzlich wird man für diesen Zweck - insgesamt gesehen für einen doch überschaubaren Zeitraum - kein zusätzliches Personal einstellen.“

Die Mehrkosten (für die Kolonne mit Maschinen, Lastwagen, Fräse und mehr) würden bei etwa zehn Prozent liegen. Entscheidender ist für die Fachleute die Größe der Lose, beziehungsweise Bauabschnitte. „Ein Faktor, der oft unterschätzt wird“, sagt Thomas Möller. Häufig möchte man die Baufelder relativ klein halten, um nach Möglichkeit allen Belangen der einzelnen Verkehrsteilnehmer gerecht zu werden. Was übersehen werde, sei die Tatsache, dass der Umbau und das neue Einrichten einer Maßnahme auch Zeit Bedarf, die produktiv nicht genutzt werden kann. „Zeit, die auch die Verkehrsteilnehmer brauchen, um mit den Behinderungen und - das ist ein ganz entscheidender Punkt - mit einer erneuten veränderten verkehrlichen Situation zurechtzukommen.“

Infos im Internet

t1p.de/85un

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