Geheimnisvoller Untergrund

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Worauf ruhen die Mauern des Markthäuschens?

Offenbach - Worauf ruhen die Mauern des altehrwürdigen Wahrzeichens des Wilhelmsplatzes? Meinungen von Baufachleuten über den unbekannten Untergrund des 1911 erbauten Markthäuschens gehen auseinander. Von Thomas Kirstein

Diese fundamentale Frage ist nun keine bloß akademische eines stadthistorischen Interesses, sondern womöglich eine, die über den dauerhaften Erfolg einer Sanierung entscheidet. . So sieht es jedenfalls der Bauingenieur und CDU-Stadtverordnete Dominik Mangelmann, der die Verwaltung mit Nachfragen löchert, weil er die Einschätzung des mit der Sanierung des extrem von Mauerfeuchtigkeit betroffenen Gebäudes betrauten Büros nicht teilen kann.

Die Codema International GmbH geht davon aus, dass sich unter dem Markthaus eine Bodenplatte befindet – darauf deute ein bei Freilegung dreier Gebäudeseiten entdeckter Betonsporn hin. Um die 400.000 Euro soll die Trockenlegung des auch gastronomisch genutzten Hauses kosten. 663.000 Euro waren einmal vom Magistrat vorgesehen, von den Stadtverordneten aber als zu teuer einkassiert worden. Nun befürchtet Mangelmann, dass es auf Dauer doch kostspieliger wird, weil sich in ein paar Jahren massive Schäden einstellen. Er sieht „unsachgemäße Planung und Ausführung“. Denn mitnichten gebe es eine gegossene Betonbodenplatte, da ein solches Bauwerk vor 1920 völlig unbekannt gewesen sei. Somit sei die jetzige wasserdichte Isolierung kontraproduktiv, da sie die mangels Bodenplatte von unten eindringende Feuchtigkeit im Mauerwerk halte.

Aus Kostengründen auf eine Drainage verzichtet

Das Büro Codema hält in einer Ausarbeitung für den Oberbürgermeister und Baudezernenten Horst Schneider dagegen, die gewählte Abdichtung sei speziell für durchfeuchtete, erdberührte Bauteile entwickelt. Außerdem sei die Nässe am Markthaus auch einer beschädigten Regenwasserleitung zu verdanken gewesen.

Mangelmann bemängelt, dass aus Kostengründen auf eine Drainage verzichtet und nicht der nach seiner Auffassung geeignetere Dichtstoff („Schaumglasschotter“) gewählt wurde. Die Fachmeinungen gehen also auseinander. Der OB vertraut dem beauftragten Büro. Dominik Mangelmann hofft indes nicht unbedingt, dass er Recht behält. Ein Rätsel bleibt dem CDU-Mann, warum man den Geheimnissen des Markthauses nicht auf den Grund geht: „Man könnte sicherlich überprüfen, wie der Aufbau ist. Wahrscheinlich müsste man nicht mal bohren, es müsste reichen, die Betonzusammensetzung des Sporns und die des Bodens im Inneren zu überprüfen.“

Noch einfacher wäre es aber wohl, meint Mangelmann, sich Akten von der Bauaufsicht über frühere Umbaumaßnahmen zu holen. Dann könnte man seiner Ansicht nach eventuell einen Vermerk über das nachträgliche Einbringen eines neuen Bodens in den 80ern finden. Das wäre für ihn der Nachweis, dass die Platte eben nicht durchgängig ist, sondern aus ziemlich wasserdurchlässigem Stampfbeton besteht. Womit er wiederum seine Theorie einer falschen Abdichtung und der weiter bestehenden Gefahr eines feuchten Mauerwerks bestätigt sähe.

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