Versteigerung auf dem Aliceplatz

Kinder sattelfest gemacht

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Auf dem Aliceplatz gab es am Samstag fast alles, was das Radlerherz begehrt. Die Wiederholung ist aber ungewiss. Bei einem Geschicklichkeitsparcours konnten Kinder am Samstag ausprobieren, wie sicher sie auf dem Rad sitzen.

Offenbach - Bei der zweiten Auflage der von der Innenstadt-Initiative Karree organisierten Veranstaltung „Sattelfest“ gab es vom kostenlosen Fahrradcheck über das richtige Pflegemittel bis hin zum raffiniertem Zubehör alles, was das Radlerherz höher schlagen lässt. Von Silke Gelhausen-Schüßler 

Wer seine Liebe zum Drahtesel ausleben wollte, war am Samstag auf dem Aliceplatz richtig: Auch das Wetter spielte den Veranstaltern diesmal keinen Streich. Was allerdings zu wünschen übrig ließ, waren Besucher in ausreichender Zahl - die Aktion hätte ein volles Haus verdient gehabt. Karree-Mitarbeiter Roland Nowak zeigte sich denn auch enttäuscht: „Es gab noch zwei größere Veranstaltungen zur gleichen Zeit in Offenbach, wahrscheinlich muss man bei der Terminplanung noch genauer hinschauen!“ Ob im nächsten Jahr eine Wiederholung folgt, ist deshalb vorerst ungewiss.

Sicher ist eines: Wer mit oder ohne Rad der Aktion ferngeblieben ist, hat etwas verpasst. Zum Beispiel die Premiere des druckfrischen Fahrradstadtplans im Maßstab 1:15000, präsentiert von den Ämtern für Stadtplanung und Umwelt. Nina Merten, Mitarbeiterin beim Umweltamt und Projektleiterin für schulisches Mobilitätsmanagement, erläuterte: „Unser gemeinsames Ziel ist es, das Radfahren in Offenbach noch attraktiver zu machen.“ Dazu gab es vom Integrierten Verkehrsmanagement (IVM) und der Stadt umfangreiche Informationen zu Maßnahmen im Radverkehr und neuen Projekten. Unter dem Titel „Neue Schule - neue Wege: Wie mein Kind sicher mit dem Rad oder zu Fuß zur Schule kommt“ hält Merten außerdem am 10. Juli einen Vortrag bei der Volkshochschule.

Versteigerung von Fahrrädern

Neu war dieses Jahr die Versteigerung von Fahrrädern, die zu jeder vollen Stunde stattfand. Gegen eine Gebühr von zwei Euro konnte jeder nach den Regeln des Online-Auktionshauses „ebay“ sein gebrauchtes Kinderrad anbieten. Die Gebühr kommt der Aktion „World Bicycle Relief“ zugute, die Menschen in armen Ländern der Erde Fahrräder verschafft und durch die damit gewonnene Mobilität einen besseren Zugang zu Bildung und Gesundheitsfürsorge ermöglicht.

Auch Vereine konnten die vom Karree finanzierte Aktion für sich nutzen und für neue Mitglieder werben. Einer davon war der Tandemclub Offenbach. Das Besondere an ihm: Die 33 Mitglieder bestehen aus Blinden, Sehbehinderten und Sehenden. Auf vereinseigenen Tandems unternehmen sie wöchentliche Feierabendtouren und monatlich eine Tagesfahrt bis 80 Kilometer. Der Bericht des Vorsitzenden Johannes Bosten überzeugt: „Das schöne dabei ist, man muss die ganze Zeit etwas erzählen, weil der Co-Pilot ja nichts sieht. Tandemfahren ist ohnehin eine sehr kommunikative Angelegenheit.“

Rund ums Rad beim Sattelfest (2013)

Rund ums Rad beim Sattelfest

Es gab trotz der verhaltenen Resonanz durchaus auch Stände, an denen man Schlange stehen muss: Die Fahrradcodieraktion des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) war beliebt wie eh und je. Ein codiertes Rad wird seltener geklaut und lässt sich bei Sicherstellung zuordnen. Wie man den Dieben noch den Zugriff verwehren kann, zeigte Peter Bender vom Polizeiladen am Stand nebenan: Anhand geknackter Schlossmodelle erläuterte er die richtige Wahl zur Sicherung des Rads.

Natürlich kam auch der Nachwuchs nicht zu kurz. Bei Benders Kollege Roger Heberer von der Jugendverkehrsschule konnten Kinder im Geschicklichkeitsparcours ausprobieren, wie sicher sie auf dem Rad sitzen. Seit 20 Jahren bringt Heberer im Kreis Offenbach Viertklässlern das Fahren im Straßenverkehr bei. „Wenn wir das nicht machen würden, könnten viele Kinder gar nicht Rad fahren“, sagte er. Ähnlich wie beim Schwimmen zeige sich der Trend, dass immer weniger Kinder dies im Elternhaus lernten.

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