Saturn im Ringcenter eröffnet

Ein unaufhörlicher Strom

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Applaus, Applaus: Mitarbeiter begrüßen freudig die ersten Kunden im neuen Saturn-Markt. Gut 600 warteten geduldig vor dem Ringcenter darauf, dass sich pünktlich um 6 Uhr das Rollgitter hebt.

Offenbach - „Ziehen Sie sich warm an.“ Ein guter Rat. Der Mitarbeiter des Sicherheitsunternehmens beherzigt den Hinweis des Chefs. Einen solchen Tipp hat nicht jeder bekommen, der am Donnerstagmorgen auf Einlass in den Saturn-Markt wartet, der um 6 Uhr öffnet. Von Martin Kuhn 

Gut 600 Kunden harren vor der Absperrung aus; angesichts der doch frischen Temperaturen rückt man halt enger zusammen – das hält auch warm. Wachdienst, Sprechfunkgeräte, Drängelgitter. Keine Momentaufnahme vor einem Fußballspiel oder dem Auftritt eines Popstars. Nein, der ganz normale Wahnsinn vor der Eröffnung eines Elektronikmarkts, der nicht einmal neu in Offenbach ist, sondern lediglich seine zweite Filiale öffnet, im Ringcenter. Keine Frage: Technik ist etwas für Frühaufsteher.

Und raus damit: Am frühen Morgen greifen sich die Saturn-Kunden auch gern eher unhandliche Geräte.

Die warten geduldig, während andere auf dem Weg zum Dienst sind. Vor dem Center erhebt ein Mitarbeiter die Stimme: „Für die Handys bitte rechts anstellen!“ Aha, es bewegt sich was, etliche scheren aus dem Pulk aus. „Hoffentlich haben die genug da“, raunt der Nebenmann und blickt auf die Uhr. „Um halb acht muss ich auf der Arbeit sein.“ Kurz darauf verliert man sich aus den Augen – hoffentlich ist er erfolgreich. Eine Frau erklärt sich den morgendlichen Andrang so: „Ei, die haben alle Spätschicht...“ Ob das auch für sie gilt, behält sie für sich. Derweil ist die erste Gruppe bereits im Markt. Herr Juric ist einer der ersten, die wieder rauskommen, in der Hand eine eher kleine Saturn-Tüte. „Erfolgreich?“ Der Mann grinst. „Ja.“ Er hat am frühen Morgen ein Handy erstanden. „Ein Superangebot, 100 Euro billiger. Das hat sich richtig gelohnt“, gibt er ungefragt die weitere Antwort.

Die nächsten tragen da schon etwas schwerer. Als günstiges Angebot entpuppen sich auch die großformatigen Fernseher eines südkoreanischen Mischkonzerns. Ein Käufer nach dem anderen verlässt das Geschäft. Zwar erhellen die rundum strahlenden Gesichter nicht den Himmel, zeugen aber von lohnender Schnäppchenjagd. Das regt offensichtlich den Appetit an. „Gibt’s schon Bratwurst?“, fragt ein Frankfurter den Mann an der Grillstation. Nun, das beantwortet sich eigentlich von selbst. Gerade wird die erste Kohle angefacht. Und auch der Bäcker ist keine Alternative. Der öffnet erst um 7 Uhr.

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Überrascht von der morgendlichen Menschentraube zeigt sich Herr B., der im nahe gelegenen Klinikum arbeitet und vorbeischaut. „Das hat mich interessiert“, gibt er unumwunden zu, dass ihn die Neugier an den Odenwaldring getrieben hat. „Unglaublich“, staunt er und überlegt, ob er sich den Wartenden anschließt. Schließlich will er sich ja nur einen Wasserkocher kaufen. Trotz aller Frühe sind zwei junge Damen etwas zu spät dran. Angesichts der Menschenmenge erhöhen sie die Schrittfrequenz. „Scheiße, scheiße, scheiße“, entfährt es einer, die hoffte, „maximal zwei Dutzend Leute zu sehen“. Auf diese Zahl reduziert es sich den ganzen ersten Verkaufstag auf den gut 2300 Quadratmeter Verkaufsfläche nicht. Eray Yildirim zieht kurz nach 13 Uhr eine kurze Zwischenbilanz. „Das ganze Team ist sehr, sehr zufrieden“, sagt der Geschäftsführer, der einen solchen Ansturm erwartet hat.

Ausverkauft ist am frühen Mittag lediglich das Smartphone, von denen sich Herr Juric kurz nach 6 Uhr eins der ersten geschnappt hat. Und das hat er sich irgendwie verdient. Oder?

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