Neues Reinigungssystem

Sauberkeit im Sana-Klinikum hat drei Farben

+
Reinigungsfachfrau Biserka Vezmarovic zeigt die dreifarbigen Tücher, mit denen künftig die Patientenzimmer nach strengem Hygienesystem gereinigt werden.

Offenbach - Wir leben in einer Welt voller Keime. Jeder Quadratmillimeter unserer Haut ist mit ihnen bedeckt, wir hinterlassen sie auf allem, was wir berühren. Das ist kein großes Problem – solange wir gesund sind. Von Veronika Schade

Gelangen bestimmte Keime jedoch in die Blutbahn immungeschwächter Menschen, kann dies zu schweren Infektionen wie Lungenentzündungen führen – bis hin zum Tod. Daher sind „Krankenhauskeime“ berühmt-berüchtigt, vor allem die resistenten, denen die meisten Antibiotika nichts mehr anhaben können. 20.000 Menschen starben vergangenes Jahr an der vermeidbaren Infektion.

Im Offenbacher Sana-Klinikum siedelten sich vor zwei Monaten resistente Keime auf der Haut von fünf Kindern auf der Kinderintensivstation an. Zur Infektion kam es glücklicherweise nicht. Laut Geschäftsführer Sascha John hat das Klinikum „die üblichen Keimprobleme wie auch andere Krankenhäuser“, der konkrete Fall sei damals „extern“ verursacht worden und ohne Zusammenhang mit der Reinigung. Trotzdem soll es am Starkenburgring künftig noch sauberer zugehen: Ein neues Hygienesystem, das in der Region einmalig ist, wurde auf allen Bettenstationen eingeführt. Hysyst, so sein Name, ist angelegt an den Kriterien der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene und soll das Risiko von Infektionen und Krankheiten minimieren, indem es die Infektionskette unterbricht.

Alles zum Klinikum Offenbach lesen Sie im Stadtgespräch

Was sich kompliziert anhört, erweist sich als überraschend einleuchtend. Das Geheimnis sind in Desinfektionslösung eingelegte Mikrofaser-Tücher in drei verschiedenen Farben, von denen jede nur für ein bestimmtes Gebiet eingesetzt werden darf. Zusätzlich sind Kontaktflächen im Zimmer mit einem kleinen, runden Siegel gekennzeichnet, das den Putzkräften zur Orientierung dient und sie auf Stellen hinweist, die am häufigsten berührt werden – etwa Türgriffe und Lichtschalter. Diese reinigen sie täglich nach einem streng standardisierten Ablauf, außerdem Fußböden und Bäder.

Blaue Tücher dienen fürs Zimmerinventar, gelbe Lappen fürs Bad, die roten ausschließlich für die Toilette. Ein spezielles Faltsystem ermöglicht die achtmalige Benutzung eines Tuchs mit jeweils unbenutzter Oberfläche. Nach dem Wechsel der einzelnen Lappen desinfiziert sich die Reinigungskraft die Hände und entsorgt die Tücher nach einer einzigen Anwendung in nur einem Zimmer. Diese werden desinfizierend gewaschen – täglich kommen auf diese Weise 25 000 Lappen in die hauseigene Wäscherei. Das Personal wurde für Hysist ausgiebig geschult und hat zudem stets ein Handbuch am Wagen dabei. „Das System gefällt mir sehr gut, es ist viel übersichtlicher als das davor“, lobt Biserka Vezmarovic, die seit 30 Jahren im Klinikum reinigt.

Das sind die 20 häufigsten Krankenhaus-Diagnosen

Bilder

Stichprobenartige Kontrollen mittels „Abklatsch“ sollen gewährleisten, dass die Arbeit gründlich verrichtet ist. „Der Patient ist sowieso der beste Kontrolleur“, weiß Regina Bathe vom Sana-Reinigungsdienstleister DGS pro Service. Sie schauten den Putzfrauen oft genau auf die Finger – was Vezmarovic lächelnd bestätigt. Faltbroschüren klären die Patienten und ihre Angehörigen zusätzlich über das Hygienesystem auf. „Seit wir es eingeführt haben, sind die Beschwerden über die Reinigung deutlich zurückgegangen“, freut sich Geschäftsführer John. Das System sei teurer als das bisherige, sagt er, ohne Zahlen nennen zu wollen. „Aber die Kosten sind es uns wert.“ In einigen Monaten werde geprüft, ob es zu signifikanten Veränderungen im Keimbefall geführt hat. „Verhindern lässt sich die Übertragung von Keimen aus der Umwelt auf Patienten und Mitarbeiter nicht“, sagt John. „Aber wir tun unser Bestes, um sie zu minimieren.“

Mehr zum Thema

Kommentare