Sauberkeit, die Ohren betäubt

Offenbach - Wer erfahren möchte, wie man mit Kanonen auf Spatzen schießt, schaue sich in Offenbachs Grünanlagen um: Am Baumstreifen des August-Bebel-Rings beispielsweise veranstalten die mit Laubbläsern und Kehrmaschinen hochgerüsteten Trupps des Stadtdienstleisters ESO seit Tagen einen Höllenlärm, um noch den letzten Grashalm vom frisch gemähten Rasen zu pusten und aufzusammeln. Von Alexander Koffka

Eine Ausnahme sind solche Lärmexzesse im angeblichen Interesse der Sauberkeit und Grünpflege offenbar nicht. Marius Huesch, ein ob der ständigen Angriffe auf sein Trommelfell entnervter Anwohner der Bleichstraße, führt seit Monaten eine Korrespondenz mit dem Rathaus, weil er nicht jeden Morgen um 6.15 Uhr von Höllengeräten aus dem Schlaf gerissen werden will.

Zwar hat ihm das Dezernat des Ordnungsdezernenten Paul-Gerhard Weiß (FDP) mittlerweile zugesichert, es sei per Dienstanweisung sicher gestellt, dass der ESO frühestens ab 7 Uhr durch die Straßen knattert, heult und bläst. Doch der Innenstadtbewohner spürt von dieser Verbesserung nichts und droht unterdessen mit einer Klage gegen die Stadt - wegen „Lärmbelästigung und Gesundheitsgefährdung“.

Während sich in der Redaktion regelmäßig Leser über die Belästigung insbesondere durch Laubbläser beschweren - auch wenn gar kein Laub gefallen ist - bemerkt man beim ESO nichts von besonders vielen Beschwerden. Zwar bestreitet Pressesprecher Oliver Gaksch nicht, dass die Geräte laut sind. „Aber der Lärm ist für eine gute Sache“,wirbt er um Verständnis. Schließlich soll Offenbach sauber sein. „Und eine Alternative zu den Laubbläsern gibt es nicht.“ Ohne das technische Gerät sei es unmöglich, die Straßen und Parks mit einem bezahlbaren Aufwand sauber zu halten.

Einen Konflikt zwischen Ruhebedürfnis und Wunsch nach Sauberkeit, konstatiert Ordnungsdezernent Weiß, der im Magistrat auch für den ESO verantwortlich ist. Dessen Referent Kai Seibel versichert, man sei weiter im Gespräch mit dem ESO, um Verbesserungen bei der Lärmbelastung zu erreichen.

Darauf dringt auch Umweltdezernentin Birgit Simon. Die Grüne Bürgermeisterin macht aus ihren Vorbehalten gegen Laubbläser keinen Hehl. Neben dem Lärm bereitet ihr die Belastung durch aufgewirbelte Feinstäube Sorgen. Wenn man schon nicht ganz auf diese Geräte verzichten könne, so sollte der Einsatz zumindest auf ein Minimum beschränkt sein, fordert sie. Auch die Bürgermeisterin hat den Eindruck, dass man von einem derart reduzierten Gebrauch der Laubbläser in Offenbach noch ein gutes Stück entfernt ist. „Da gibt es schon noch einiges zu tun, um die Belastungen für Menschen und Umwelt zu reduzieren.“

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