Saufen, bis der Arzt kommt

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Jugendamt in Offenbach warnt vor Trend

Offenbach - Viele Appelle, viele Aktionen zur Prävention - doch geändert hat sich bislang kaum etwas: Nach wie vor ist Komasaufen bei vielen Jugendlichen in Deutschland „in“, wie aus einer Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) hervorgeht. Von Georg Buschmann und Peter Schulte-Holtey

Allein von den 18- bis 25-jährigen Frauen und Männern haben sich 2010 jede Vierte beziehungsweise jeder Zweite mindestens einmal im Monat einen richtigen Rausch angetrunken. Auch die Tatsache, dass insgesamt ist der Alkoholkonsum bei den Zwölf- bis 25-Jährigen zurückgegangen ist, kann viele Jugendexperten nicht über die Probleme hinwegtäuschen. So sind auch im Stadt- und Landkreis Offenbach mehr Jugendliche mit Alkoholvergiftung registriert worden als je zuvor, teilte die Deutsche Angestellten-Krankenkasse (DAK) in Offenbach mit. 137 gesetzlich versicherte Jugendliche hätten hier allein 2009 eine Alkoholvergiftung erlitten. Dies bedeute einen Anstieg um 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Beratung in der Region gibt es unter anderem in der Fachstelle für Suchtprävention für die Stadt und den Kreis Offenbach, Tel. 0 6074-694 96 16.

Offenbach läge damit genau im Bundesdurchschnitt, heißt es. Michael Koch vom Jugendamt der Stadt kann das zwar nicht mit Zahlen belegen, beobachtet aber auch, dass viele Jugendlichen sich exzessiv betrinken. „Wenn man sich abends vor einen Supermarkt stellt, dann sieht man schon oft, dass Jugendliche sich große Mengen Alkohol kaufen.“ Das Problem sei dabei nicht die Kontrolle. „Ältere kaufen den Alkohol ganz normal ein und verteilen ihn dann draußen an ihre jüngeren Freunde.“ Dass sie sich derart betrinken, liege auch daran, dass Alkoholkonsum in der Öffentlichkeit toleriert und sogar gefördert werde. Auch BZgA-Direktorin Elisabeth Pott kritisierte, der Alkohol werde „in unserer Gesellschaft generell bagatellisiert.“ Somit fehlten die Vorbilder für die Jugendlichen.

Koma-Saufen: Trinken bis zur Alkoholvergiftung

In die gleiche Kerbe schlägt Maria Völker-Albert von der Bundeszentrale. Wenn bei einer Gelegenheit fünf oder mehr Gläser mit alkoholischen Getränken getrunken werden, spricht die BZgA von Rauschtrinken. Als Koma-Saufen bezeichnet sie das Trinken bis zur Alkoholvergiftung. „Beim Trinken wollen sich die Jugendlichen lockerer und lustiger fühlen“, heißt es zu den Gründen.

Dass übermäßiger Alkoholkonsum bei Kindern und Jugendlichen nach wie vor ein Riesenproblem, betonte auch Landessozialminister Stefan Grüttner. Er rief Kneipenwirte und den Einzelhandel dazu auf, auf die Einhaltung der Jugendschutzbestimmungen zu achten. Demnach dürfen Bier, Wein und Sekt nur an Jugendliche über 16 Jahren, „Im Zweifel sollten sich die Verkäuferinnen und Verkäufer an der Kasse oder an der Theke den Personalausweis vorlegen lassen“, so Grüttner.

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