Amtsgericht verurteilt Alkoholiker

Schädel eingeschlagen nach Streit am Kiosk

Offenbach - Zoff am Wasserhäuschen – für die Offenbacher Polizei fast alltäglich. Wenn der Streit aber mit einem eingeschlagenen Schädel endet, ist die Justiz gefordert. Gestern verhandelt Richter Manfred Beck am Offenbacher Amtsgericht einen Fall aus dem Trinkermilieu. Von Veronika Schade 

Thomas S. und Karlheinz H. kennen sich lange. Bis zum 6. September 2012 treffen sie sich gern mal zum gemeinsamen Trinken am Kiosk. „Aber wenn er eine Frau hatte, gab es immer Ärger“, erzählt Angeklagter S. Als am besagten Tag die Freundin von H. zu den beiden am Wasserhäuschen an der Friedensstraße hinzustieß, habe er „keinen Bock auf Stress“ gehabt. Es kam zum Gerangel zwischen den Männern, bei dem H. zu Boden fiel. Seine Freundin rief daraufhin die Polizei, die die Streitparteien trennte. „Es war für uns ein typischer Offenbacher Fall, Geschubse und Beleidigungen am Wasserhäuschen“, erinnert sich die diensthabende Beamtin. S. zog schließlich davon.

Stunden später waren H. und seine Freundin gerade auf dem Heimweg, als ihm unvermittelt von hinten ein Radfahrer einen Schlag auf den Kopf versetzte. Er sank nieder, erkannte S., der mit einem Fahrradschloss auf seinen Kopf eindrosch. Multiple, teils offene Schädel-Hirn-Verletzungen, ein gebrochener Augenhöhlenboden, ein Nasenbeinbruch und drei ausgefallene Zähne sind die Folge. Er musste zweimal operiert werden, leidet heute noch an einem Sehfehler, Kopfschmerzen und Schwindel.

Keinerlei Erinnerung an die Tat

S. beteuert, keinerlei Erinnerung an die Tat zu haben. Dabei beschreibt er dem Gericht detailliert, was er vorher gemacht und wie viel er dabei an welchem Kiosk, Tankstelle und Internetcafé getrunken haben will. „Ich war an dem Tag irgendwie auf dem Whisky-Cola-Trip.“ Seit 1995 ist der 51-Jährige dem Alkohol verfallen. Um seinen Pegel zu halten, trinke er täglich sechs Flaschen Bier.

Dass er als geübter Alkoholiker, der über den Tag verteilt Schnaps getrunken hat, einen plötzlichen Filmriss erleidet, der sich ausgerechnet auf den Zeitpunkt der Tat beschränkt, hält der Sachverständige für wenig wahrscheinlich. Zudem: „Für die Tat war eine gewisse Steuerungsfähigkeit und Kontrolle notwendig. Die Schläge auf den Kopf waren gezielt.“

Schlägerei auf dem Bieberer Berg

Schlägerei auf dem Bieberer Berg

Vor der Urteilsverkündung entschuldigt sich S. bei seinem früheren Freund. Viel Gnade bringt es ihm nicht. Richter Beck verurteilt ihn zu drei Jahren und neun Monaten Haft. „Eine verminderte Schuldfähigkeit ist nicht auszuschließen. Aber Sie können froh sein, dass Sie wegen gefährlicher Körperverletzung und nicht wegen versuchten Totschlags angeklagt sind“, gibt er zu bedenken. Er sei in Blutrausch geraten. Erschwerend wirke sich sein Vorstrafenregister aus und dass er fast nichts gegen seinen Alkoholismus unternahm. Ob sich daran im Gefängnis etwas ändert, wird sich zeigen.

Rubriklistenbild: © Symbolbild: dpa

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