Schallschutz im Neubaugebiet

Wohnen „An den Steinen“ in Offenbach

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Umstrittene Lärmschutz-Variante: Am nördlichen Kreisel im Baugebiet An den Eichen wurden Gabionenwände errichtet.

Offenbach - „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten – nur eine Gabionenwand.“ Zugegeben: Dieses an berühmt-berüchtigte Worte Walter Ulbrichts angelehnte Zitat ist erfunden. Von Matthias Dahmer

Doch es trifft so ziemlich die Stimmungslage nicht weniger Bewohner im Neubaugebiet An den Eichen. Die werden nämlich aus Gründen des Lärmschutzes am nördlichen Kreisel mit zirka 2,20 Meter hohen und 1,10 Meter dicken Wänden zwangsbeglückt. Über deren Aussehen lässt sich streiten. Bei diesem letzten Schrei in Sachen Schallschutz handelt sich um mit Steinen gefüllte Drahtkörbe, sogenannte Gabionen. Das Wort leitet sich vom italienischen „Gabbione“ ab, was „großer Käfig“ heißt. Das passt. Das Neubaugebiet verliere durch die Bauwerke seinen Charakter, dank der Wände erinnere es dort eher an ein Ghetto, lautet eine der Anwohner-Klagen. Tatsächlich passen die Lärmstopper nicht so recht zu dem, was die Stadtwerke-Tochter OPG als Entwicklerin des Baugebiets verspricht: „Weite Blickachsen und ein modern gestalteter Grünflächenzug schaffen Übersichtlichkeit und eine hohe Aufenthaltsqualität“, heißt es in der Werbung für An den Eichen, den einstigen sozialen Brennpunkt Lohwald.

Unbeabsichtigte Erinnerung an vergangene, wenig repräsentable Zeiten? Aus der „Kerscheallee“ des Lohwalds wurde die zum Baugebiet passende Eichenallee.

Entspannter als unmittelbare Anrainer der Schutzwälle sehen es zwei prominente Bewohner des Neubaugebiets: „Wirkt zwar ein bisschen massiv, sieht aber im Vergleich zu sonstigem Schallschutz eigentlich ganz nett aus“, findet SPD-Stadtkämmerer Felix Schwenke. Noch in Geduld üben will sich CDU-Fraktionschef Peter Freier. Er sei eigentlich ein Fan von Gabionen, aber in der jetzigen Form sei das Ganze nicht sehr ansehnlich. Man müsse abwarten, bis die Wände begrünt seien. Dass optische Abmilderung vorgesehen ist, kann Stadtwerke-Sprecherin Regina Preis bestätigen. Bei den Kosten für die Wände verweist sie darauf, dass diese Teil der Gesamterschließungkosten seien, welche die Käufer der Grundstücke zahlen müssten.

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Markus Eichberger, Leiter des Amts für Stadtplanung, betont, Schallgutachten hätten ergeben, dass an der Bahnlinie sowie entlang der Ulmenstraße, dem Kreisel Am Anger und der Eichenallee Lärmschutz notwendig sei. Deshalb sei der auch im Bebauungsplan zwingend festgeschrieben. Den Schallschutz haben die Stadtplaner unterschiedlich gestaltet: Im Spätherbst vergangenen Jahres wurde im Norden mit dem Bau eines 400 Meter langen und drei Meter hohen Erdwalls entlang der Bahnlinie angefangen. Auf ihn wird eine vier Meter hohe Holzwand aufgesetzt, der Wall anschließend begrünt. Im Westen, entlang der Ulmenstraße, soll eine mindestens zwei Meter hohe, durch begrünte Betonelemente gegliederte Lärmschutzwand Beeinträchtigungen durch den Autoverkehr fernhalten. Am Kreisel sind die Gabionenwände entstanden. Und entlang der zur Eichenallee umgetauften einstigen Kirschenallee ist der Schallschutz teilweise in Bauten auf den jeweiligen Grundstücken integriert und deshalb nicht gleich als solcher zu erkennen.

Wie unterschiedlich die Sichtweisen auf die Gabionenwände sein können, machen Eichbergers Worte deutlich: „Wir haben uns für die teilweise begrünten Wände als gestalterisches Merkmal entschieden, um den Platzcharakter des Kreisels hervorzuheben.“

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