„1. Offenbacher Styling Queen"

Jagd auf die goldene Handtasche

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Neun Punkte für Styling-Queen Isabell: Nur für die roten Schuhe gab’s von unserem Volontär Ronny Paul Abzüge. Der Rest gefiel.

Offenbach  - Im „Schambes und Schätzchen“ herrscht Hektik. Zwischen bunten Blusen, braunen Mänteln, knöchellangen Röcken, Halsketten und Ohrringen – alles aus zweiter Hand – sucht Kandidatin Mary Kobienia eine goldene Handtasche. Von Ronny Paul

Sie wird unruhig: Gerade eben hatte sie diese noch in der Hand. „Hat jemand eine goldene Handtasche gesehen?“, hallt eine dunkle Mikrofonstimme durch den Raum. Es ist die Stimme vom Frankfurter Travestie-Star Vanessa P. Sie moderiert die Suche nach der „1. Offenbacher Styling Queen“ im Pop-Up-Second-Hand-Laden „Schambes und Schätzchen“. „Wenn Mary wüsste, dass Isabell die Handtasche schon für sich entdeckt hat...“, flüstert Vanessa P. mir und den anderen Juroren zu.

Gespannt beobachte ich zusammen mit Iris Becker vom Frankfurter Modelabel Coco Lores, sowie den Mädchenflohmarkt-Initiatoren und Offenbacher Künstlerschwestern Anny und Sibel Öztürk die Kandidatinnen von einer gemütlichen Couch aus. Dass ich zusammen mit diesen drei Modeexpertinnen in einer Jury sitze, hängt wohl weniger mit meinem Fachwissen als mit meinen Beruf zusammen. Doch einmal wie „Jurorenguru“ Dieter Bohlen über Sieg und Niederlage der Kandidaten entscheiden, reizt mich. Klar, dass meine Urteile bei Weitem nicht so bissig ausfallen wie beim Poptitanen.

Auf der Couch diskutieren wir Juroren schon während der Suchphase über die gewählten Accessoires. „Nimmt die wirklich diesen Rock zu dem Oberteil?“, fragt Anny Öztürk in die Runde. „Sie hat bestimmt mit den Schuhen angefangen“, vermutet Schwester Sibel. Doch die Expertin Iris Becker erklärt: „Im Moment geht der Trend dahin, sowohl farblich als auch stilistisch gewagter zu kombinieren.“ Dabei gewinne ich als Mode-Laie eine gute Einschätzung, nach welchen Kriterien ich die drei Kandidaten später bewerten könnte.

Styling Queens im „Schambes und Schätzchen"

Dann die Entscheidung: Karten hoch - von Eins bis Zehn - schlecht oder gut. 5-9-8 sind meine urteilenden Ziffern. Die Neun bekommt von mir die Offenbacherin Isabell Schmidt. Ich zögere erst, finde aber die roten Schuhe farblich zu gewagt. Doch schließlich überzeugt mich Isabells Gesamteindruck. Ich gebe die Neun. Auch die anderen Juroren sind begeistert von Isabells Outfit: Ihr transparent-schwarzes Kleid, die roten Pumps, die farbenfrohe Bluse und eine schmuckvoll-verzierte Halskette hat sie vor den Augen von Kunden, Juroren und Gästen aus dem Sortiment des Second-Hand-Ladens ausgewählt. Für die Auswahl hatte sie, genau wie ihre Gegnerinnen Swetlana Schneider und Mary Kobienia aus Frankfurt, eine halbe Stunde Zeit.

Swetlana wählt ein dezentes, grünes Outfit, mit auffälligen Accessoires. Die goldene Handtasche, die Mary zuvor gesucht hatte, trägt nun Swetlana. Auch Kandidatin Mary hat noch eine goldene Handtasche gefunden und erinnert uns Juroren mit ihrem langen braunen Stoffmantel, dem schwarzen Kleid und den braunen Lederstiefeln stark an die Filmfigur Jackie Brown aus dem gleichnamigen Tarantino-Film. Isabell Schmidt gewinnt am Ende mit einem Punkt Vorsprung den neuen Wettbewerb und darf als Preis ihr gesamtes Gewinner-Outfit behalten und sich „1. Offenbacher Styling Queen“ nennen.

„Schambes und Schätzchen“ ist ein Second-Hand-Laden von Isabel Blumenthal. Dieser eröffnet als Pop-Up-Shop für mehrere Tage. Pop-Up-Shop bezeichnet ein kurzfristiges und provisorisches Einzelhandelsgeschäft, das vorübergehend in leerstehenden Geschäftsräumen betrieben wird. Blumenthal sammelt dafür in ihrer Freizeit zusammen mit Freunden Second-Hand-Klamotten und ausgefallene Möbel. Die Einrichtung hat etwas Nostalgisches. Kinderspielzeug und eine alte Spielekonsole für die Kleinen bereichern das Angebot ebenso wie der Kaffee für die Kunden und ein Schwätzchen mit „Chefin“ Isabel.

Fotostrecke: Offenbachs „1. Styling Queen“

Offenbachs „1. Styling Queen“

Auch der Wettbewerb ist Blumenthals Idee, angelehnt an das Fernsehformat „Shopping Queen“: „Meine Freunde und mich hat die Sendung schon lange fasziniert. Wir wollten da immer mal mitmachen, haben uns aber nie getraut. Dann hatte ich die Idee, das Format auf unseren Laden zu übertragen“, erzählt die Offenbacher Gestaltungstudentin. Unterstützung kam dabei von vielen Seiten.

Bei ihrem Freund Pablo Olivari hat sie beispielsweise rund 70 Waschmaschinen mit Klamotten gewaschen. Gebügelt wird direkt im Laden. Blumenthal hofft: „Ich würde mir wünschen, dass die Stadt das Gebäude nicht abreißt. Hier sind fast jedes Wochenende tolle, kreative Veranstaltungen.“ Für den nächsten Mädchenflohmarkt an gleicher Stelle am Sonntag, 16. Februar, ist sie auch schon bestens vorbereitet.

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