Scharfe Augen für Europaplatz

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Die Überwachungskamera am Europaplatz

Offenbach - Zu viele Straftaten, zu viele Sachbeschädigungen: Nun setzen die Verantwortlichen auf elektronische Augen am Europaplatz. Zwei Videokameras werden, die Zustimmung des Parlaments am 1. Oktober vorausgesetzt, in Lauterborn installiert. Von Martin Kuhn

Und bis Ende des Jahres richten die Überwacher ihren Fokus auf weitere neuralgische Punkte: die S-Bahn-Haltestellen Bieber und Waldhof.

Kommt in Offenbach der Orwellsche Überwachungsstaat? „Nein“, versichert Ordnungsdezernent Paul-Gerhard Weiß. „Es ist ein zeitlich begrenzter, punktueller Einsatz technischer Hilfsmittel. Sie ersetzen keineswegs Ordnungshüter aus Fleisch und Blut.“ Die stockt der FDP-Politiker konsequenterweise auf: Die Kommune schafft in diesem Jahr vier neue Stellen, im kommenden Jahr weitere fünf. Mit 21 Kräften könne man dann von einer echten Stadtpolizei sprechen, „wenn auch von einer kleinen“. Das politische Signal an die Bürger: Trotz eines defizitären Haushalts investiert die Stadt in die Sicherheit. Weiß: „Diese zu gewährleisten ist ein wichtiger Standortfaktor.“

Das aktuelle Engagement in Lauterborn fußt auf architektonischen Sünden der Vergangenheit. Weiß bezeichnet Einkaufszentrum und angrenzende Bebauung als „städtebaulich misslungene Anlage“. Dennoch ist gerade die Einkaufspassage unerlässlich fürs Quartier. Sie sichert die Nahversorgung und ist prädestiniert als Ort der Begegnung. Letzteres funktioniert nur, wenn sich die Anwohner sicher fühlen. Dazu soll die geplante Videoüberwachung beitragen.

Damit kommen die Verantwortlichen dem Wunsch des Eigentümers nach. Der wollte Geld für eine Umgestaltung der Passage nur in die Hand nehmen, wenn die Stadt für mehr Sicherheit sorgt. Bislang scheiterte das an der kriminellen Energie einiger Lauterborner. In unschöner Regelmäßigkeit landeten Gulli- und Kanaldeckel in den Schaufensterscheiben. Ein Anlieger berichtet: „Es war ein richtiger Sport. In bestimmte Gruppen und Kreise wurde man erst aufgenommen, wenn das Glas zersplitterte.“

Selbst drastische Sicherheitsmaßnahmen brachten keinen Erfolg

Und GBO-Chef Winfried Männche, dessen Gesellschaft das Projektmanagement für die Passage übernommen hat, weiß, dass selbst drastische Sicherheitsmaßnahmen keinen Erfolg brachten: Die verschweißten Gullideckel in der Passage wurden gelockert, auch eine bessere Ausleuchtung des Bereichs verhinderte nicht alle Sachbeschädigungen. Aufgrund des mangelnden Erfolgs der Bemühungen bat schließlich das Ordnungsamt vor zwei Jahren das Polizeipräsidium Südosthessen um eine rechtliche Prüfung der Zulässigkeit einer Videoüberwachung nach § 14 Abs. 4 Ziff. 1 HSOG. Und die Polizei bestätigte: Die Voraussetzungen für eine Videoüberwachung sind gegeben.

Die Kameras sollen nun an das bestehende Lichtwellenleiternetz angebunden werden. Kosten: 7 365 Euro jährlich plus Mehrwertsteuer. Und warum ging’s nicht schneller? Weiß: „Man glaubt es kaum. Aber es waren technische Probleme.“

Videoüberwachungen lösen nicht unbedingt gesellschaftliche Probleme, tragen aber erfahrungsgemäß zu mehr objektiver und subjektiver Sicherheit bei, wie die bereits in Offenbach betriebenen Videoüberwachungsanlagen auf dem Marktplatz (auf Dauer installiert seit 2004) und in der Hermann-Steinhäuser-Straße (zeitlich begrenzt seit 2008) zeigen. „Wir verzeichnen dort nachweislich einen Rückgang der Kriminalität in den überwachten Bereichen“, sagt Paul-Gerhard-Weiß. Seine Botschaft für die Lauterborner: „Es wird jetzt ungemütlich für die Kriminellen.“ Hoffentlich wird das Signal auch verstanden...

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