Scharnier mit Vorbildcharakter

Hafenschule gehört zu den 25 besten Bauten Deutschlands

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Überzeugte die Jury beim Preis des Deutschen Architekturmuseums: die Offenbacher Hafenschule.

Offenbach – Die Hafenschule am Nordring ist zu einem der 25 besten Gebäuden Deutschlands gekürt worden. Diese Auszeichnung beim Preis des Deutschen Architekturmuseums (DAM) Frankfurt vergab eine neun Köpfe starke Jury von Fachleuten. Von Axel Wölk  

Die Schule verbinde auf vorbildliche Art und Weise zwei Stadtviertel – den Hafen und das Nordend – miteinander, zollt DAM-Chef und Jury-Mitglied Peter Cachola Schmal der Nachbarstadt Respekt. Und in der Tat schaffte es kein anderes Projekt aus der Region unter die Top 25. Selbst aus dem im Bauboom steckenden Frankfurt konnte kein Beitrag der Hafenschule das Wasser reichen.

Für Schmal ist das wichtigste Merkmal eines preiswürdigen Bauwerks, dass es über Vorbildcharakter verfügt. Es müsse in gewisser Hinsicht etwas Neues sein und anderen Architekten Ideen für deren Projekte geben. Besonders schwierig war für das Architekturbüro – Waechter + Waechter aus Darmstadt – bei der Hafenschule, dass sie praktisch auf einer Insel aus lauter Lärm und Verkehr bauen mussten. Zum Hafenbecken hin befindet sich ein viel befahrener Radweg. Auf der gegenüberliegenden Seite dagegen donnert am Nordring alles von Pkw bis hin zu schweren Lastern durch. Kein optimaler Ort für eine Grundschule mitsamt Kindergarten.

Innenhof der Hafenschule: Dorf in der Stadt

Die Architekten lösten die Aufgabe, indem sie Innenhöfe schufen und auf überzeugende Art und Weise die Schule zum Verkehr hin abschotteten. „Das ließ sich nicht offenhalten“, merkt Schmal an. Die Architekten betonen, dass mit ihrer Architektur lichtdurchflutete Innenräume entstanden seien. Sie sprechen von so etwas wie einem Dorf in der Stadt und heben die Kleinteiligkeit des Innenhofs hervor. Ein wie eine Promenade anmutender Ringweg laufe um das Innere herum und sichere den Zugang zu allen Gebäudeteilen der Schule.

Die Schule ragt innerhalb des gesamten Hafenprojekts noch einmal besonders hervor. Es geht um die Integration von Nordend und Hafen. Noch immer sei das Nordend eher einkommensschwach, wohingegen in den Hafen eben vor allem betuchte Mieter und Eigentümer ziehen würden, wie Schmal anmerkt. „Die Hafenschule ist ein Scharnier.“ Neben den Geschäften, die sich langsam ansiedelten, könne hier die Grundschule beide Milieus miteinander verbinden.

Mischnutzung durch Schule und Kindergarten

Generell überzeugte die Jury auch die Mischnutzung durch Schule und Kindergarten. Solche Bauten hätten mehr Zukunftschancen, erläutert Schmal. Wenn sich ein Projekt für mehrere Zwecke einsetzen lasse, könne flexibler auf Änderungen in den kommenden zehn bis fünfzehn Jahren reagiert werden. Im Fall der Hafenschule etwa würden womöglich die Anmeldezahlen von Kindergarten- und Grundschulkindern auseinanderlaufen und dann würden sich die Räume neu aufteilen lassen. Laut Schmal handelt es sich bei der Hafenschule derweil um keinen teuren Prestigebau. Trotz der ergatterten Auszeichnung seien die Kosten im Rahmen dessen, was auch andernorts in Offenbach für Grundschulen ausgegeben werde.

Den Darmstädter Architekten gelang beim diesjährigen DAM-Preis der Coup, gleich zweimal zu den 25 Besten zu gehören. So überzeugte auch eine von ihnen entworfene Schule in Bonn. Bei dem Preis werden 100 Projekte vorausgewählt und danach rund drei Viertel ausgesiebt, bis die herausragenden deutschen Bauten feststehen.

Bilder: Offenbach aus der Vogelperspektive

Bei Waechter + Waechter sei auffällig, dass die Gebäude häufig ziemlich kompakt seien, so Schmal. Generell sieht der Frankfurter Museumschef einen architektonischen Aufschwung in Offenbach. „Warum soll aus einer Stadt, die einst einen schlechten Ruf hatte, nicht wunderbare Architektur kommen?“

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