Schattenseite der Sauberkeit

Viele Besen kehren gut, aber die mit der Ausweitung der Straßenreinigung verbundenen Mehrkosten stoßen auf zunehmenden Protest.Foto: Th. Meier

Offenbach - In einer sauberen Stadt zu leben, wünschen sich alle. Dafür zu bezahlen, ist weniger beliebt.

Nachdem die Stadtverordneten zuvor die Satzung entsprechend geändert hatten, reinigt der Stadtdienstleister ESO seit Beginn dieses Monats viele Straßen häufiger. Für den Gewinn an Sauberkeit müssen die Anwohner zum Teil teuer bezahlen. Für einige haben sich die Kosten der Straßenreinigung mit einem Schlag verdreifacht.

Viele wissen noch gar nicht, was auf sie zukommt, weil der ESO die Gebührenbescheide nach und nach verschickt. Doch je mehr Grundstückseigentümer von ihren neuen Zahlungsverpflichtungen erfahren, umso mehr empörte Anrufe und Briefe erhält unsere Zeitung. Manfred Schwebel verwaltet für seine Mutter mehrere Immobilien in Offenbach und hat einen guten Überblick über die Preissteigerungen. Für ein Grundstück in der Strahlenbergerstraße ist die besonders saftig: Die bislang einmal wöchentlich gereinigte Straße wird nun dreimal wöchentlich von der Kehrmaschine besucht. Entsprechend verdreifachen sich auch die Gebühren. Eine derart exorbitante Erhöhung ist für Schwebel nicht nachvollziehbar.

Am häufigsten gekehrt wird in der Fußgängerzone: Dort rücken die ESO-Leute neuerdings sogar täglich an - also auch an Sonntagen. „Wir reagieren auf längere Geschäftszeiten, die das Einkaufen am Samstagabend bis 22 Uhr ermöglichen“, sagt Stadtrat Paul-Gerhard Weiß. Die Ausweitung geschehe auch im Blick auf die im Sommer anstehende Eröffnung des Einkaufszentrums KOMM, das mehr Kunden in die Innenstadt bringen soll. Schwebel sieht das kritisch. Schon jetzt stünden viele Läden leer. Die ausgeweitete Straßenreinigung erhöhe die Nebenkosten weiter. So werde die Innenstadt für Bewohner und Gewerbebetriebe unattraktiver.

In den innerstädtischen Wohnstraßen wird künftig an vier statt bisher drei Tagen gereinigt. Da dort die Bebauung sehr verdichtet ist, werden die Kosten in der Regel auf viele Bewohner umgelegt. „Für die meisten dort steigt die monatliche Belastung um vielleicht zwei Euro - das ist noch zu verkraften“, meint Weiß.

„Ein sehr unglücklicher Fall“ ist in den Augen des politisch Verantwortlichen indes das Grundstück des Ehepaars Ernst und Ursula Unold. An der Ecke von August-Bebel-Ring und Frankfurter Straße bewohnen die Rentner ein großes Grundstück und müssen nun einen horrenden Betrag nur für die Straßenreinigung berappen: 920 Euro jährlich. Die Steigerung um gut 370 Euro ist für das Ehepaar eine große finanzielle Belastung. Weiß erkennt zwar die Problematik, kann aber keine Ausnahme von der Satzung in Aussicht stellen.

Besonders ärgerlich für die Unolds: Von der benachbarten Straßenbahnhaltestelle werfen Wartende immer mal wieder Unrat auf ihr Grundstück. Und auch wenn auf der Straße ein Pappbecher herumfliegt, bücken sich die Unolds lieber, als sich weiter über den Anblick zu ärgern. Dennoch müssen sie für die Ignoranz ihrer Mitmenschen auch noch teuer bezahlen.

Stadtrat Weiß betont indes, bei der Erhöhung der Intervalle sei darauf geachtet worden, die Belastungen erträglich zu gestalten. „Wir reinigen am unteren Rand des Notwendigen.“ Angesichts der Verschmutzung in einigen Teilen der Stadt wäre ein noch häufigeres Auftreten der ESO-Männer angeraten. Für die Reinigung tiefer in die Taschen greifen müssen nun 1 500 Grundstückseigentümer. Die legen diese Kosten allerdings auf ihre Mieter um, so dass ungefähr 5 000 Haushalte betroffen sind. Die zahlen zusammen nun 450 000 Euro mehr. Demnach beträgt die zusätzliche Belastung pro betroffenem Haushalt im Schnitt 90 Euro jährlich.

Um die zusätzlichen Reinigungstouren zu erbringen, hat der ESO eine weitere Kehrmaschine angeschafft und zusätzliche Leiharbeiter angestellt. „Unser Ziel ist, dass die Stadt sauberer wird“, sagt Weiß.

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