Scheu vor dem Kahlschlag

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Der Hochwasserschutz macht eine Sanierung des Maindamms erforderlich. Vermutlich 2012 wird damit begonnen. Derzeit werden mehrere Sanierungsvarianten geprüft, wobei es vor allem darum geht, wie viele Bäume erhalten werden können.

Offenbach - Es ist noch gar nicht so lange her, da konnte die Politik ihren Ideen zum Maindamm freien Lauf lassen: Ein privat betriebenes Restaurant mit Freigelände auf der Flussseite des Deichs schwebte im Jahre 2005 dem damaligen Planungsdezernenten und Bürgermeister Horst Schneider vor. Von Matthias Dahmer

Fünf Jahre und viele verworfene Pläne später geht es vor allem darum: Wie kann bei der notwendigen und vom Regierungspräsidium angemahnten Deichsanierung der Kahlschlag vermieden werden.

Klar ist: Bis spätestens 2012 muss das Ende des 19. Jahrhunderts errichtete Bauwerk auf einer Länge von insgesamt 2,6 Kilometern den gewandelten Erfordernissen an den Hochwasserschutz angepasst werden. Zwischen 10 und 90 Zentimeter ist der derzeit bis zu drei Meter hohe Erdwall zwischen Carl-Ulrich-Brücke und Allessa-Gelände zu diesem Zweck zu erhöhen. Weitere Erneuerungen sind vor dem Rumpenheimer Schloss und auf einem kleinen Teilstück an der östlichen Gemarkungsgrenze zu Mühlheim fällig.

Vier Varianten liegen auf dem Tisch

Die derzeit rund 280 Bäume, so sehen das die Fachleute, sind da eher unerwünscht. Ihre Wurzeln beeinträchtigen die Standsicherheit des Damms. Dennoch: Ohne das gewohnte Grün oder zumindest einen Teil davon kann sich niemand in Offenbach den Maindamm vorstellen.

Vier Varianten liegen auf dem Tisch. Drei hat das Amt für Stadtplanung ausgearbeitet, ein Vorschlag stammt von der Lokalen Agenda.

Variante eins, erläutert Susanne Schöllkopf, Leiterin des Amtes für Stadtplanung, sieht den vollständigen Erhalt der Laubbäume vor. Dazu wird auf der Wasserseite eine mit Natursteinen verkleidete Spundwand in bis zu drei Metern Entfernung zum vorhandenen Damm errichtet. Der Zwischenraum wird aufgefüllt. Nachteil dieses rund 11,5 Millionen Euro teuren Vorschlags: Das Mainvorgelände wird kleiner.

Werden alle Bäume gerodet?

Eine weitere ebenfalls mit 11,5 Millionen Euro zu Buche schlagende Maximalvariante wäre der komplette Kahlschlag: Alle Bäume werden gerodet, die Spundwand steht am wasserseitigen Rand der Deichkrone, der Deichweg kann problemlos erneuert werden. Nachpflanzungen von vier- bis fünfjährigen Bäumen sorgen dafür, dass in 10 bis 15 Jahren wieder geschlossene Kronen Schatten spenden. „Das wäre die nachhaltigste Lösung“, sagt Susanne Schöllkopf. Andererseits beeinträchtige sie das Stadtbild für die nächsten Jahre auch am meisten.

Die mit rund 8,5 Millionen Euro günstigste Version sieht eine Spundwand an der wasserseitigen Böschungskante vor. Dazu muss die Baumreihe zum Main hin geopfert werden. Die Reihe an der Mainstraße bleibt erhalten. „Das sind aber auch jene Bäume, die meisten geschädigt sind“, so Stadtplanerin Schöllkopf.

Termin ist wohl nicht zu halten

Die Lokale Agenda hat schließlich als vierte Variante eine Spundwand direkt an der Mainstraße ins Gespräch gebracht. Alle Bäume wären gerettet, vom Mainvorgelände ginge nichts verloren.

„Alles in allem ist das eine schwierige Abwägung“ gesteht Susanne Schöllkopf. Gutachten zu den Langzeitauswirkungen aller Varianten stehen noch aus.

Das Stadtparlament sollte ursprünglich bereits in seiner nächsten Sitzung über die Sanierungsvarianten abstimmen. Der Termin, befürchtet die Amtsleiterin, ist wohl nicht zu halten. Sie geht davon aus, dass Anfang 2011 abgestimmt wird, daran schließt sich das vorgeschriebene etwa einjährige Planfeststellungsverfahren an, so dass der abschließende Beschluss und damit der Baubeginn Anfang 2012 zu erwarten ist.

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