Mission-Olympic-Finale

Schiff wie am Schnürchen

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Das Bild täuscht: Ganz allein hat dieser starke Mann das Partyboot nicht gezogen.

Offenbach - Beim Versuch, Deutschlands aktivste Stadt zu werden, hat alles Symbolcharakter. Ziel der fünf Offenbacher Rudervereine ist es, mit 155 Freiwilligen das Partyboot des Frankfurter Clubs King Kamehameha zu ziehen. So viele Nationen wohnen in Offenbach. Von Corinna Hiss

47 Meter lang und 9,5 Meter breit ist die „MS Catwalk“, die es auf 300 Tonnen Wasserverdrängung bringt. Auf dem Mainuferparkpatz haben Offenbacher Ruderverein, Wassersportverein 1926, Undine, Hellas und Wiking ihre Ruder-Ergometer aufgebaut und sind bereit, die „Catwalk“ zu ziehen.

Die Funzelfahrt verwandelte den Main in ein Lichtermeer. Neben der Pflichtbeleuchtung der Boote war eine möglichst fantasievolle Lichtgestaltung gefragt.

„Die Idee ist, mal etwas zu tun, das wir sonst im Verein nicht machen“, erläutert Detlef Reißmann, Vorsitzender der Wiking. So entstand der Gedanke, ein normalerweise motorgetriebenes Boot allein mit Muskelkraft vorwärts zu bewegen.

Dafür haben die Ruderer eigens ein 220 Meter langes Seil besorgt, an dem 155 Menschen an einem Strang ziehen können. Am Main sind sie nicht die einzigen, die um den Titel kämpfen: Auch die TSG Bürgel 1847 will sich bewegen. So hat sie Zumba-Lehrer organisiert, die, während das Boot gezogen wird, eine Stunde lang eine Party auf der „Catwalk“ steigen lassen. „Zumba ist im Moment der Renner bei uns“, so TSG-Vorsitzender Rolf-Dieter Elsässer. Sechs Kurse in der Woche bietet diese zurzeit an.

Mission Olympic: Finale in Offenbach

Mission Olympic-Finale in Offenbach

Das Mission Olympic Final-Wochenende bewegte die Massen. Unter dem Motto "155 Nationen - eine Stadt - ein Ziel" kämpfte Offenbach um den Titel "Aktivste Stadt Deutschlands". Unzählige Aktionen fanden an mehreren Orten in der Stadt statt.

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Als die Musik aufgedreht wird, strömen die Zumba-Begeisterten an Deck. Obwohl der eigentliche Kurs noch nicht angefangen hat, ist die Musik – ein Mix aus Latin, Merengue und Hip-Hop – ansteckend. Viele der 90 gezählten Tänzer fangen an, sich zu bewegen. Während an Deck Hüften kreisen, Arme zum Himmel gereckt und Drehungen ausgeführt werden, ertönt an Land das Kommando.

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Und wirklich – langsam setzt sich die „Catwalk“ in Bewegung. Am Ende wird sie 120 Meter gezogen – von exakt 155 Aktiven. „Wir waren 153, da haben wir schnell zwei Passanten angesprochen, die mitgemacht haben“, erzählt Manfred Reißmann, einer der Organisatoren, stolz.

Für die Strecke brauchen sie knapp zwei Minuten; als offizielle Zahl wird auf die symbolträchtigen 1:55 Minuten abgerundet. Jürgen Dönkes von der SG Wiking hat als Erster vor dem Schiff am Seil gezogen. „Sobald das Boot läuft, ist es ganz locker“, gibt er sich bescheiden. Ruderer und TSG können zufrieden sein; auch die zehn Ergometer sind immer belegt.

Bilder zum Mission Olympic Finale

Mission Olympic: Sport rund um die Uhr

Die meisten Aktionen steigen rund um die Hauptbühne am Rathaus. Besonders gut kommt der Stand der AOK Hessen an. Dort können Offenbacher auf einem Fahrrad strampeln, während durch die Drehbewegung Haferkörner zu Flocken gemahlen werden. Nach getaner Arbeit lässt sich das Müsli mit Sonnenblumen, Mandeln, Rosinen und Kokosflocken verfeinern. Ein Rezept, Knuspermüsli in der Pfanne zu braten, gibt es gleich dazu.

Bevor sich der 24-Stunden-Tag dem Ende neigt, wird auf der Hauptbühne Großes angestrebt. Dort will Magier Harry Keaton den Weltrekord knacken, möglichst vielen Menschen denselben Zaubertrick beizubringen.

Es ist ein Tag der Superlative in Offenbach. Gesucht wird die aktivste Stadt, die längste Ruderstrecke oder eben die größte Masse an Magiern. Um den Rekord zu brechen, braucht Keaton indes 1200 Leute. Am Ende schafft er es nicht, zeigt den Zuschauern trotzdem seinen Trick und gibt sich versöhnlich: „Es ist gut, auch mal was nicht zu erreichen. Das macht das Leben spannend.“

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