Offenbach: Ein Schiff wird kommen

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Warten auf das nächste Kohlenschiff: Teilzeit-Hafenmeister Bernd Hackfort, der zugleich Geschäftsführer des Boxclubs Nordend ist.

Offenbach - Offenbach liegt nicht am Meer - geographisch gesehen. Trotzdem hat die Stadt einen Hafen. Neben seiner Rolle als Politikum und Baugrund bleibt dieser seinen Wurzeln treu und dient tatsächlich noch als Anlegestelle für Schiffe. Von Katharina Hempel

„Es müssen immer noch die Kohlenschiffe für die EVO-Kraftwerke abgenommen werden, das ist der Hauptbestandteil meiner Arbeit“, sagt Bernd Hackfort. Er ist der Hafenmeister, seit Januar wacht der 46-Jährige über das Areal am Wasser. Für seinen Vorgänger Klaus-Dieter Kühnel war das rund zehn Jahre lang ein Ganztagsjob, Hackfort macht es nun nebenher.

„Damals waren aber auch noch mehr Firmen im Hafen ansässig. Neben den Frachtern kamen Waggons, es gab Schrottplätze, es gab einen höheren Umschlag als heute. Kühnel hatte eine ganz andere Verantwortung, ein ganz anderes Areal unter sich“, erinnert sich Hackfort. „Heute sind durch die Baumaßnahmen viele Aufgaben weggefallen.“ Doch ohne Hafenmeister geht’s nicht, auch wenn es selten mehr als zwei Stunden am Tag sind, die Bernd Hackfort in diese Funktion zu tun hat. „Es gibt keine festen Uhrzeiten, was anfällt, wird erledigt“, sagt er.

Seit elf Jahren wohnt Bernd Hackfort in Offenbach. Hauptberuflich ist er Geschäftsführer des Boxclubs Nordend und deshalb „sowieso den ganzen Tag am Hafen“. Das ist praktisch und auch für die Mainviertel GmbH, seinen Arbeitgeber, „die perfekteste Lösung“.

Hackfort verwaltet das Hafengelände, beobachtet, hält Kontakt zu Firmen ist Ansprechpartner vor Ort. Sehr viel Aufwand, sagt er, erfordere es, den Hafen sauber zu halten: „Die Straßenreinigung kehrt nur am Samstag“, so der Hafenmeister. „Aber wenn die Dreckspatzen sonnabends kommen und wir ihren Müll nicht aufsammeln, würde er bis zum nächsten Wochenende liegenbleiben.“

Und Bernd Hackfort ist der Schlüsselmeister: „Das sind drei Ringe, die voll hängen mit Schlüsseln für alle Türschlösser und jeden Stromkasten. Natürlich war’s am Anfang schwierig, die alle auseinander zu halten. Aber jetzt hab ich mein eigenes Ordnungssystem und die Schlüssel soweit im Griff.“

Obwohl der Herr des Hafens sozusagen Mädchen für alles ist, bleiben die Schiffe doch das Wichtigste. Die legen alle zwei Tage an und sind etwa eineinhalb Tage vor Anker. So lange dauert es, um die 1 000 bis 2 000 Tonnen Kohle zu entladen.

Doch wann genau die Frachter kommen, erfährt der Hafenmeister in der Regel nicht: „Wenn sie da sind, sind sie da.“ Kommt es für die Kohlenschiffe auf ihrem Weg nach Offenbach zu Verzögerungen, kann es auch sein, dass dann mehrere auf einmal anlegen wollen. „Dann bin ich auch noch so etwas wie ein Parkplatzwächter und muss jedem Kapitän einen Liegeplatz für sein Schiff zuweisen“, berichtet Bernd Hackfort.

Immerhin: Als Hafenmeister, sagt er, genieße er nach wie vor ein gewisses Ansehen bei den Firmen. Das verdanke er auch der Arbeit seines Vorgängers. Nur vom Schreibtisch aus, da ist Hackfort sich sicher, könnte so ein Job nicht erledigt werden. „Die Position kann so keiner bedienen. Vor allem nicht in dieser Flexibilität und mit dieser Vorkenntnis über die einzelnen Grundstücke und deren Besitzer.“

Hafenmeister in Offenbach ist zwar nur noch ein Nebenjob, aber deshalb mit Sicherheit noch keine Nebensache.

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