Schilder für Rechtsabbieger-Bevorzugung

Grünes Licht für neue Pfeile

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Auch wenn der Grünpfeil das Ampelrot aushebelt – angehalten werden muss.

Offenbach - Der Arbeitskreis empfiehlt weitere Schilder für Rechtsabbieger-Bevorzugung. Bei Fahrlehrern ruft das unterschiedliche Beurteilungen hervor. Auch Ampeln standen auf dem Prüfstand. Von Thomas Kirstein

Ulrich Urban kriegt eine Gänsehaut, denkt er an den grünen Pfeil, der Autofahrern das Rechtsabbiegen bei roter Ampel erlaubt. Der Sprecher des in Offenbach ansässigen Landesverbands hessischer Fahrlehrer ist froh, dass dieses Erbe der untergegangenen DDR in der Stadt nicht mehr sehr häufig anzutreffen ist: Weil kaum jemand wisse, wie er sich davor korrekt verhalten müsse.

Fahrlehrer Urban wird sich umorientieren müssen, es könnte in Offenbach noch mehr Grünpfeile geben. Das wäre aber nun ganz im Sinne seines Kollegen Lothar Brack. Ab 1994 durften die Pfeile in der Bundesrepublik verkehrsrechtlich grünen. Auch Offenbach ließ großzügig anschrauben. Neun Grünpfeil-Ampeln gibt es zurzeit. Aus Ulrich Urbans Sicht sind das mehr als genug.

Anders sieht das nicht nur Fahrlehrer Brack, sondern auch ein örtlicher Arbeitskreis. Vor mehr als zwei Jahren, im Februar 2011, hat sich – passenderweise – die damalige „Ampelkoalition“ (SPD, Grüne, FDP) des Themas angenommen. Die Stadtverordnetenversammlung erteilte dem Magistrat einen sogenannten Prüfantrag, der auch die Frage nach der weiteren Notwendigkeit aller bisherigen 141 Lichtsignalanlagen einschloss.

Tiefe Skepsis wegen täglicher Beobachtungen

Vertreter von Verkehrs-, Behinderten- und Seniorenverbänden, von IHK, Polizei, Verkehrsunternehmen und Stadtverwaltung tagten mehrfach über den Auftrag. Ergebnis nach Einbindung der Verkehrskommission: Zwei Knotenpunkte mit separater Rechtsabbiegespur und acht mit Geradeaus-Rechtsabbieger-Streifen eignen sich für weitere Grünpfeile. In einer Vorlage des Magistrats heißt es: „Die Anbringung (...) sollte durch eine entsprechende Öffentlichkeitsarbeit begleitet werden, in deren Rahmen den Autofahrern die Bedeutung des Grünpfeilschilds und die richtige Verhaltensweise nochmals dargelegt werden.“

Das wird sich Ulrich Urban als Mindesvoraussetzung ausbitten. Denn seine tiefe Skepsis beruht auf der täglichen Beobachtung, dass sich kaum jemand vor dem Grünpfeil korrekt verhält. Also wie vorgeschrieben erst vollständig an der roten Ampel anhält: „99 Prozent rauschen einfach drüber, manche Hirnis mit Hurra und Krawall. Das eine Prozent, das stoppt, sind Fahrschulen.“ Auch die Reduzierung auf Schritttempo reicht nicht, das Auto muss stehen. Weiteres Problem, das Urban registriert: Wer’s richtig macht, gilt Nachfolgenden als Trottel, wird angehupt und bedrängt.

Kollege Lothar Brack dagegen findet diese Rechtsabbiegerlösung vorbehaltlos gut, sie habe sich bewährt: Von Grünpfeil-Unfällen weiß er nichts, nach seinem Dafürhalten gehen die Autofahrer rücksichtsvoll damit um; er registriert zudem, dass es an den jeweiligen Einmündungen viel weniger Rückstau als früher gibt. Vom Arbeitskreis als zusätzliche Standpunkte empfohlen: Wald-/Schreberstraße, Seligenstädter/Heinrich-Krumm-Straße, Main-/Karlstraße, Goethering/Bettinastraße, Bieberer/Daimlerstraße, Wald-/Neusalzer Straße, Bieberer Straße/Heusenstammer Weg.

Bescheidener fällt das Ergebnis der Prüfung aus, ob Ampeln abgeschaltet werden können, „um den Verkehrsfluss zu erhöhen und damit auch die Schadstoffbelastung zu reduzieren“. Lediglich an einer Stelle sieht der Arbeitskreis derzeit keinerlei Sicherheitsbedenken: Wo in Waldhof die Otto-Scheugenpflug-Straße in die Seligenstädter Straße mündet, seien die Lichtzeichen überflüssig. Allerdings gibt es noch sieben Anlagen, die wegen anstehender Veränderungen zur Disposition gestellt werden, unter anderem im Ortskern Bürgel und an der Ecke Marktplatz/Bieberer Straße.

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