Schillerschule thematisiert Cybermobbing

Handy ausschalten hilft nicht

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Quälende Fotos, Texte und Videos im Internet: Mit Cybermobbing befasste sich ein Theaterstück in der Schillerschule. Nikolas (Denis „Marshall“ Ölmez , rechts) flüchtet sich nach der Schule am Computer zu seinem virtuellen Alter Ego „Salokin“.

Offenbach - Ein Leben ohne Internet und soziale Netzwerke? Für die meisten Jugendlichen undenkbar. Von Veronika Schade

Per PC und Smartphone tauschen sie Bilder, Nachrichten und Videos aus – und verbreiten damit bei weitem nicht nur Nettigkeiten: Mit Cybermobbing hat fast jeder schon Erfahrungen gesammelt. „Mindestens jeder zweite Schüler, der zu mir kommt, hat ein Problem mit diesem Thema“, berichtet Karin Marré-Harrak, Leiterin der Schillerschule.

Was einmal den Weg ins Internet gefunden hat, verbreitet sich rasend schnell. Und ist kaum wieder weg zu kriegen. Wer gemobbt wird, ist für lange Zeit stigmatisiert. Innerhalb ihres Präventionskonzepts hat die integrierte Gesamtschule Cybermobbing zum Unterrichtsthema gemacht.

Theaterstück erleichtert Zugang

Einen besonderen Zugang bekommen gestern die siebten und achten Klassen: Die Kölner Theatergruppe „Comic On“ spielt ihr Stück „r@usgemobbt.de“, das lebensnah einen Cybermobbing-Fall schildert.

Nikolas ist gefrustet. Neue Stadt, neue Schule, aber keine neuen Freunde – stattdessen schikaniert ihn die Neuntklässlerin Lissy und zieht ihm Geld ab: „Das ist mein Revier, hier gelten die Regeln, die ich diktier.“ Zuflucht findet er am PC bei „Salokin“. Sein virtuelles zweites Ich ist cool, schlagfertig und stark. Natalie dagegen, die einzige Klassenkameradin, die zu ihm hält, ist „nur ein kleines Würmchen“. Als Lissy ihn mit einem Foto erpresst, dass sie von Natalie auf dem Klo gemacht hat, lässt er sich auf ihren Deal ein: Wenn er das Bild ins Internet stellt, lässt sie ihn in Ruhe. „Nur dieses eine Mal“, denkt er sich. Bald hat das Foto 3000 Klicks. Und Natalie kommt nicht mehr zur Schule...

Whats App noch weniger kontrollierbar

Jugendliche Sprache, coole Gesten und Rap-Gesang – das Stück kommt an. Die Schüler folgen gebannt der Vorführung, für deren Kosten die Firma Balfour Beatty Rail aufkommt, die die Schillerschule seit vier Jahren unterstützt. Auch bei der anschließenden Diskussion mit den Schauspielern Vanessa Topf, Anne Schröder und Denis „Marshall“ Ölmez sind die Jugendlichen eifrig dabei. Fast alle Hände heben sich, als Ölmez fragt, wer von ihnen ein Smartphone besitzt.

Sie wissen, dass zum Mobbing neben Opfer und Tätern auch Zuschauer gehören. Dass der Täter so handelt, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Und dass es gegen Cybermobbing nicht hilft, nur das Handy auszuschalten. „Man soll zum Lehrer gehen“, meint eine Schülerin. „Beweise sammeln für eine Anzeige bei der Polizei, die Seite fotografieren und ausdrucken“, sagt ein Junge.

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Die richtigen Häkchen zu setzen bei Privatsphäre-Einstellungen in sozialen Netzwerken, Mobber blocken, von der Freundesliste entfernen und melden, um ihr Profil überprüfen zu lassen: Das sind wichtige Schritte, die genannt werden. Doch Schulleiterin Marré-Harrak beobachtet eine unerfreuliche Entwicklung: „Es kommt immer mehr Mobbing per Whats App hinzu. Das ist noch weniger kontrollierbar als Facebook.“ Sie und ihre Kollegen hoffen, dass ihre Schüler nun besser gewappnet sind.

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