Schimmel nach Dämmung

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Schimmel in den Ecken.

Offenbach - Erst einmal ist immer der Mieter schuld. Wenn in Wohnungen Schimmel auftaucht, sind sich Baugesellschaften meist schnell ihres Urteils sicher: Die Bewohner lüften und heizen falsch. Selten, dass einmal bauliche Gegebenheiten als eigentliche Ursache akzeptiert werden. Von Thomas Kirstein

Frantisek Kral aus dem Frankfurter Grund 18 hat sich nicht ins Bockshorn jagen lassen, sondern investiert, um die Gemeinnützigen Baugesellschaft Offenbach (GBO) von ihren Pflichten zu überzeugen. Mit einem Anwalt und einem nicht billigen unabhängigen Gutachten macht er bei der GBO geltend, was er für sein gutes Recht hält: Beseitigung des Schimmels und der eigentlichen Ursache desselben.

Zumindest bei einer Forderung gibt es Bewegung. Gegenüber unserer Zeitung versprach GBO-Chef Winfried Männche, auch wenn man seine Zweifel habe, werde man sich kulant zeigen und bauliche Veränderungen vornehmen.

Die Krals wohnen seit 19 Jahren bei der GBO nach ihren Angaben problemlos, bis das Mehrfamilienhaus vor acht Jahren wärmegedämmt wurde: Zwei Jahre später traten an den Außenwänden der Erdgeschosswohnung über dem Boden erste Schimmelspuren auf.

Gelüftet und für immer mehr Geld geheizt

„Wir haben gelüftet, wir haben, wie gefordert, für immer mehr Geld geheizt“, erzählt der 53-jährige Kraftfahrer. Da es in der Wohnung oben warm ist, unten aber kalt bleibt, entsteht schnell eine Theorie: Kellerdecke nicht gedämmt, die Außendämmung nicht ausreichend tief gezogen.

Schimmel gedeiht auf Sockelleisten, in Ecken und unter Teppichen. Am 9. März dieses Jahres schicken Frantisek Kral und seine Frau Blanka der GBO eine „Mängelanzeige und Instandsetzungsaufforderung“. Auch andere Parterre-Mieter hätten solche Probleme, schreiben sie, laut einem Fachmann sei eine Kältebrücke an der nicht isolierten Kellerdecke Grund für die Schimmelbildung. Die GBO schweigt. Erst nach Mahnung am 28. März untersuchen Mitarbeiter im April die Wohnung. Sieben Wochen hören die Krals nichts, ihr Angebot, einen Sachverständigen einzuschalten und sich die Kosten mit der GBO zu teilen, wird abgelehnt. Erst am 27. Juni erfolgt ein Bescheid: Die Schuld liege bei den Mietern, die hätten innen gedämmt, eine Klappe verschlossen und ihr Mobiliar zu nah an die Wände gestellt, ließen Küchenluft in eine unbeheizte Abstellkammer gelangen.

Die Krals nehmen sich Anwalt Peter Schmidt und beauftragen den als Energieberater zertifizierten Architekten Dierk Binder mit einem Gutachten, für das sie rund 770 Euro bezahlen.

„Offensichtliche Ursache für die Schimmelpilzbildung“

Der Experte findet als „offensichtliche Ursache für die Schimmelpilzbildung“ eine unsachgemäß nur bis zur Oberkante der nicht isolierten Kellerdecke ausgeführte Fassadendämmung. So entstünden an Übergängen stark abgekühlte Flächen, an denen Wasserdampf kondensiere; ein Luftaustausch wie zuvor sei in solcherart sanierten Gebäuden nicht mehr möglich. Diesem Umstand zumindest, so nimmt der Gutachter auch die Mieter in die Pflicht, könne mit „angepassten Lüftungsgewohnheiten“ entgegen gewirkt werden, wenn die anderen Mängel beseitigt seien. Am 26. September setzt Anwalt Schmidt der GBO den 14. Oktober als Frist, bis zu der mit Entfernung von Schimmel und Ursachen zu beginnen sei. Da bis 20. Oktober nichts passiert und auch keine Reaktion erfolgte, „wird es zu rechtlichen Weiterungen kommen“.

GBO-Chef Männche betont nun zwar weiter eine Mitverantwortung der Mieter, will aber zumindest in Auftrag geben, was laut dem Gutachter das Malheur erst heraufbeschworen hat. Die Außendämmung im Frankfurter Grund 18 wird einen halben Meter weiter nach unten gezogen.

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