Schläger verprügeln friedliche Fußballfans

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Bei der Schlägerei erlitt ein 44-jähriger Leverkusener einen achtfachen Schulterbruch, ein 40-jähriger Offenbacher trug eine gefährliche Kopfverletzung samt Gehirnerschütterung davon.

Offenbach (tk/cd/mic/ale) - Hooligans aus Frankfurt überfallen Restaurant und verprügeln Fußballfans - zu der wüsten Schlägerei am Samstag auf dem Bieberer Berg kommen weitere Details zutage.

Was als friedliches Treffen einiger Anhänger von Kickers Offenbach und Bayer Leverkusen in einer Vereinsgastätte am Bieberer Berg begonnen hatte, endete am Samstagmittag in einer Gewaltorgie mit zwei Schwerverletzten und droht einen Fußballkrieg zwischen Offenbach und Frankfurt auszulösen: 40 bis 50 Fußball-Schläger aus dem Umfeld von Eintracht Frankfurt überfielen vor dem Heimspiel gegen Leverkusen die Gruppe aus Offenbachern und Leverkusenern, die sich zu einem Mittagessen getroffen hatten.

Bei der Schlägerei erlitt ein 44-jähriger Leverkusener einen achtfachen Schulterbruch. Ein 40-jähriger Offenbacher, der ein Leverkusen-Trikot anhatte, trug - wahrscheinlich durch den Schlag mit einer Glasflasche - eine gefährliche Kopfverletzung samt Gehirnerschütterung davon. Mehrere Opfer erlitten leichte Verletzungen.

Bilder von der Schlägerei:

Schlägerei auf dem Bieberer Berg

Beim anschließenden Einsatz von 60 bis 80 Polizisten und der 20 Mann starken, schwer ausgerüsteten Beweismittel- und Festnahmeeinheit wurden zwölf der Schläger festgenommen. Sie kamen nach Feststellung der Personalien wieder auf freien Fuß. Sie erwarten Strafanzeigen wegen schwerem Landfriedensbruch und Körperverletzung.

„Es handelt sich zum Teil um Personen, die als ‚Gewalttäter Sport‘ eingestuft sind und gegen die ein bundesweites Stadionverbot besteht“, berichtet Polizeisprecher Henry Faltin. Es sei klar, dass die Eintracht-Hooligans mit klarer Zielsetzung zu der Vereinsgasttätte gekommen seien. „Die trugen zum Teil verstärkte Handschuhe und Mundschutz und hatten Teleskop-Schlagstöcke, Baseballschläger, Klappmesser und Pfefferspray dabei.“

Besonders heikel sei die Situation nach dem Eintreffen der ersten Beamten nach dem Notruf gewesen: „Sie verfolgten die offensichtlich trainierten und ausgerüsteten Schläger oft in 1:1-Situationen“, berichtet der Polizeipressesprecher. Ohne diesen gefährlichen Einsatz hätte es womöglich keine einzige Festnahme gegeben.

„Das waren ganz friedliche Menschen“

Die ersten Meldungen von der Schlägerei:

Doch Schwerverletzte bei Schlägerei auf dem Bieberer Berg

Schlägerei auf dem Bieberer Berg

Dass sich die älteren und als nicht gewalttätig geltenden Leverkusen-Fans mit ihren Offenbacher Freunden am Berg treffen wollten, soll über das Internet bekanntgeworden sein. Der Schauplatz des Überfalls heißt „Zum Bieberer Berg“, ist ein gutbürgerliches Lokal und einer der Treffs von treuen Kickers-Fans. Die hatten allerdings am Samstag größtenteils ihre Mannschaft nach Regensburg begleitet. Bei Inhaberin Lieselotte Hühne waren rund 50 Fans von Bayer Leverkusen angemeldet, darunter auch einige Offenbacher, um vor dem Spiel gegen die Eintracht in Bieber zu Mittag zu essen. „Das waren ganz friedliche Menschen, alles war schön, einer hat ein 30-Liter-Fass Bier ausgegeben“, erzählt die gestern noch hörbar mitgenommene Wirtin.

Tische und Stühle wurden zu Waffen

Gegen 13.30 Uhr habe sie bemerkt, dass sich in der Nähe ihres Lokals Eintracht-Fans versammeln und vorsichtshalber die Polizei angerufen. Bis die eine halbe Stunde später anrückte, war längst Blut geflossen. Laut Lieselotte Hühne kam ein Eintracht-Hooligan in die Gaststube und forderte die Leverkusener auf, für eine Prügelei nach draußen zu kommen. „Einer ist raus, um zu schlichten, den haben sie gleich zusammengeschlagen“, berichtet sie.

Die anderen Bayer-Fans kamen ihm zu Hilfe, dann ging’s in der Gartenwirtschaft rund, Tische und Stühle wurden zu Waffen. „Als alles rum war, kam ein unvorstellbares Polizeiaufgebot“, sagt die Wirtin. Ein Opfer habe ihre Tochter im Gastraum verarztet, das andere lag blutend im Freien, bis die Rettungsdienste eintrafen, die auf die Polizei gewartet hatten.

„In dieser Qualität auch etwas neues“

Antje Hagel vom Fanprojekt Offenbach zeigte sich entsetzt. „Ich denke, das war ein unerwarteter Angriff und ist in dieser Qualität auch etwas neues“, sagte sie. „Warum die sich so eine Gruppe als Ziel suchen, ist mir ein Rätsel. Die haben eigentlich genug Sparringspartner, mit denen sie sich auf der grünen Wiese treffen können. Ich hoffe nicht, dass es jetzt von Offenbacher Seite irgendwelche Racheaktionen gibt.“

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