Gewaltschutzgesetz

Wer schlägt, muss gehen

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Prügel und Terror vom eigenen Partner erleiden immer noch zu viele Frauen: 300 Fälle von häuslicher Gewalt wurden voriges Jahr in Offenbach verzeichnet.

Offenbach - Wenn der Partner gewalttätig ist, galt das früher als Privatsache. Das änderte sich mit dem Gewaltschutzgesetz, das vor zehn Jahren eingeführt wurde. Wie wirkt es sich aus? Eine Bestandsaufnahme. Von Veronika Szeherova

Wie ist er heute gelaunt? Wird er wieder zuschlagen? Viele Frauen leben in ständiger Angst vor dem Menschen, der ihnen am nächsten stehen sollte – ihrem (Ehe)Partner. Jede vierte Frau in Deutschland hat schon Erfahrungen mit häuslicher Gewalt gemacht. Diese galt lange als Privatsache, als bloße „Familienstreitigkeit“, die nicht strafrechtlich verfolgt wurde. Das hat sich vor zehn Jahren geändert: 2002 wurde das Gewaltschutzgesetz eingeführt.

„Wer schlägt, der geht“, so lautet die Grunddevise. Wird die Polizei wegen häuslicher Gewalt in eine Wohnung gerufen, steht der Täter anschließend auf der Straße – ohne Ersatzschlüssel. „Wir verweisen ihn für 14 Tage aus der Wohnung“, sagt der Leiter des 1. Offenbacher Polizeireviers Georg Grebner. „Meistens muss er die Wohnung direkt verlassen, was für ihn mit gewissen Unannehmlichkeiten verbunden ist.“ Das allein sei oft eine einschneidende Erfahrung für den Täter. Zusätzlich erstatten die Beamten Strafanzeige. Sie klären die Frau auf, wo sie Hilfe bekommt, und leiten ihre Daten an die zuständige Interventionsstelle weiter.

Frauen helfen Frauen

„Wir nehmen dann Kontakt zu ihr auf und beraten sie über ihre Rechte, erstellen eine Gefährdungsprognose und einen Sicherheitsplan“, erläutert Margit Sticksel von der Beratungsstelle „Frauen helfen Frauen“. In den 14 Tagen, in denen ihr Mann aus der Wohnung verwiesen ist, kann die Frau einen Antrag nach dem Gewaltschutzgesetz stellen. Damit kann sie ein Kontakt- und Näherungsverbot erwirken – und damit Zeit, mithilfe der Beratungsstelle oder des Gerichts über das weitere Vorgehen zu entscheiden. „Diese Anträge bearbeiten wir im Eilverfahren“, sagt die Offenbacher Amtsgerichtspräsidentin Elisabeth Fritz. Wer gegen die verhängten Verbote verstößt, bekommt zusätzlich eine Geld- oder Freiheitsstrafe.

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Auch ohne vorherigen Polizeieinsatz können Frauen die Hilfsstellen aufsuchen und Anträge nach dem Gewaltschutzgesetz stellen. Aber: „80 Prozent der Frauen, die zu uns kommen, haben kein Wissen über ihre Möglichkeiten“, bedauert Sticksel. Viele Hemmnisse seien mit der Offenlegung der Gewalttaten verbunden, wie Scham und die Befürchtung, ihr Ansehen und ihren Platz in der Gesellschaft zu verlieren. Zudem sei vielen Frauen daran gelegen, die Strukturen in der Familie zu erhalten.

Auswirkungen auf Kinder

Am schwersten tun sich Frauen mit kleinen Kindern. „Sie denken, es ist das Beste fürs Kind, mit dem Vater zu leben“, so die Sozialpädagogin. Dabei habe häusliche Gewalt immer Auswirkungen auf die Kinder, selbst wenn sie nicht direkt betroffen seien: „Sie kriegen es mit und übernehmen die Muster – die Jungen neigen selbst zur Gewalt und die Mädchen dazu, später selbst Opfer zu werden. Deshalb liegt eine Kindeswohlgefährdung vor.“ Trennung sei meist die beste Lösung. Übers Umgangsrecht wird entschieden, wenn Unterhaltsfrage und Wohnungssituation geklärt sind.

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