Im Schlafanzug aufgegriffen

Offenbach - Erich K. geht gern spazieren. So wie viele andere Senioren auch. Doch wenn sich der 77-Jährige auf den Weg macht, dann kann es schon mal passieren, dass er seiner Familie das nicht ankündigt, dass er einfach weggeht, wenn niemand auf ihn aufpasst. Von Matthias Dahmer

Erich K. leidet an Demenz. So kommt es, dass ihn eine Polizeistreife am kalten Nachmittag des 23. September gegen 13.30 Uhr in der Ludwigstraße aufgreift. Der alte Mann ist nur mit Schlafanzug und Socken bekleidet. In der Annahme, er sei dort ausgerissen, bringen die Beamten den orientierungslosen Erich K. in die Psychiatrie des Klinikums.

Die Polizei liegt mit ihrer Vermutung nur knapp daneben: Tatsächlich ist der Offenbacher eine Stunde zuvor aus der Neurologie des Krankenhauses ausgebüxt. Dort war er am Tag zuvor wegen des Verdachts auf einen Schlaganfall eingeliefert worden.

Auf eine überwachte Station verlegt 

„Ich habe die Schwestern ausdrücklich darauf hingewiesen, dass mein Mann an Demenz leidet und manchmal ziemlich verwirrt ist“, sagt seine Ehefrau. Ja, man werde schon aufpassen, habe sie zur Antwort bekommen. Was die Gattin besonders wundert: Ihr Mann sei extra auf eine überwachte Station verlegt worden und habe dennoch abhauen können.

Am Ende - und das ist für Frau K. so ziemlich das Wichtigste - ist es nochmal gut ausgegangen: Eineinhalb Wochen sei ihr Mann in der Psychiatrie geblieben, sei von dort aus behandelt worden wegen der Schlaganfallgeschichte, die zum Glück weniger dramatisch war als zunächst befürchtet. Dort, lobt die Gattin, sei ihr Mann übrigens hervorragend betreut worden.

Kaum mehr Verständnis für das Klinikum Offenbach

Bei allem Verständnis für einen Großbetrieb wie das Klinikum Offenbach ärgert sich Frau K. aber immer noch mächtig über eines: Dass mehrere Versuche, sich wegen der Nachlässigkeit des Klinikpersonals zu beschweren, gescheitert sind. Am Beschwerdetelefon habe sie es ebenso versucht wie direkt in der Neurologie. Überall sei sie abgewimmelt worden, erzählt sie. Und auf ein Wort der Entschuldigung warte sie bis heute vergebens.

Gunnar Sevecke, Verwaltungsdirektor des Klinikums, unternimmt, was den Ablauf der Dinge betrifft, einen Versuch der Erklärung: Erich K. habe an dem fraglichen Sonntag noch um 12 Uhr auf der Station zu Mittag gegessen, um 13 Uhr sei seine Abwesenheit festgestellt worden. Ein Fehlverhalten des Personals sehe er deshalb nicht, sagt Sevecke. In der Akte des Patienten habe zwar gestanden, er sei zerstreut, doch das reiche nicht, um ihn zu fixieren, sprich: ihn festzubinden.

Sevecke kann aber den Unmut der Ehefrau verstehen. Er verspricht: „Über unser Beschwerdemanagement werden wir uns mit ihr in Verbindung setzen.“

Rubriklistenbild: © dpa/Symbolbild

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare