Schlaflos in Fechenheim

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Wer im King Kamehameha-Beachclub tanzt und feiert, produziert auch Lärm.

Offenbach - Stop and Go vom Kaiserlei bis zur Carl-Ulrich-Brücke. Kein Parkplatz mehr zwischen Main und Hauptbahnhof. Fremde Nummernschilder, so weit das Auge blickt. Polizei und Blaulicht lenken den Fahrzeugstrom. Von Fabian I. El Cheikh

Es gibt nur eine Richtung: die Hafeninsel. Hier treffen sich Jung und Alt, Offenbacher und Frankfurter, hier wird der laue Sommerabend zur heißen Diskonacht. Im King Kamehameha Beachclub wummern die Bässe, Scheinwerfer durchstrahlen die Dunkelheit. Je später und dunkler, desto schneller die Beats.

Keine drei Kilometer weiter ist der Spaß dagegen vorbei. Wütend wirft Eckehard Bartsch in Alt-Fechenheim seine Fenster zu, wieder einmal. Wütend greift er zum Telefonhörer und wählt die Notrufnummer, schon wieder: „Wir können nicht schlafen, nicht mal bei geschlossenem Fenster“, schimpft der 66-jährige Rentner. An jedem schönen Sommerwochenende das Gleiche: Bartsch und andere Fechenheimer fühlen sich tyrannisiert. Vom Diskolärm des King Kamehameha: „Es kann doch nicht sein, dass ein ganzer Stadtteil beschallt wird.“ Bartsch schaut aus dem Fenster, am Horizont leuchten die Spitzen von Maintower und Commerzbank. Der Blick schweift nach links. Irgendwo dort, im Südwesten, feiern zwei- bis dreitausend Menschen im „Kingka“ - bis spät in die Nacht.

Überall gibt es Diskos, aber die machen keine Probleme, selbst der Cocoon-Club nicht“, meint Bartsch, „aber seit es den Beachclub gibt, fühlen wir uns gestört. Und dieses Jahr hatten wir noch das zweifelhafte Glück, dass das Wetter teilweise schlecht und der Club geschlossen war.“ Schon einmal sei das Frankfurter Ordnungsamt in der Nacht gekommen, habe den Lärm an seiner Wohnung gemessen. Damals ging es um die Musikterrasse Wiking, „die haben auch voll aufgedreht“.

Bartsch will sich nicht falsch verstanden fühlen: „Ich bin selbst großer Elvis-Fan, fühle mich jung und dynamisch. Mir geht es nicht darum, jemanden den Spaß zu verderben, ich bin kein Spießer.“ Gleichzeitig gibt er an, einen Kampf zu führen. Seit vier Jahren - gegen die Musikbeschallung rund um Fechenheim. Das mit der Musikterrasse habe man nach einer Einmessung der dortigen Lautsprecher in den Griff bekommen. Das Problem heute: der Beachclub in Offenbach. Bartsch: „Ich weiß, dass das Thema Lärm zwischen Offenbach und Frankfurt hochbrisant ist. Die Offenbacher sagen, Ihr Frankfurter schickt uns doch den Fluglärm, dann müsst Ihr eben unseren Lärm ertragen.“

„Wenn´s sein muss, muss der Laden dichtgemacht werden“

Dabei fühlt sich Bartsch selbst als Offenbacher, hat 28 Jahre hier gelebt und fährt „wie alle Fechenheimer“ zum Einkaufen in die Lederstadt anstatt auf die Zeil. Doch den Lärm vom Offenbacher Hafen will er nicht mehr ertragen: „Wir wollen, dass endlich eine Lärmmessung im Club durchgeführt wird und sich das Ordnungsamt auch mal traut durchzugreifen. Es gibt schließlich Gesetze. Wenn‘s sein muss, muss der Laden eben dicht gemacht werden.“

Das Problem: Über ein Messgerät verfügt das Offenbacher Ordnungsamt bislang nicht. Ebenso nicht über eine „Task Force“, die wie in Frankfurt an sieben Tagen pro Woche rund um die Uhr einsatzbereit ist. „Deswegen müssen wir immer die Offenbacher Polizei anrufen, die oft genug wichtigere Dinge zu tun hat, als sich um Lärmbeschwerden aus Fechenheim zu kümmern.“

Manuela Schneider vom Offenbacher Ordnungsamt gibt die Probleme zu: „Wir sind einfach unterbesetzt. Wir hätten gerne eine Task Force, aber mit nur zwölf Außendienstmitarbeitern ist das einfach nicht drin.“ Ob allerdings der Beachclub jedesmal die Lärmquelle ist, wie die Fechenheimer vermuten, hält sie für zweifelhaft: „Es ist für uns im Nachhinein schwierig festzustellen, wer der Verursacher ist oder war. Auch in Frankfurt gibt es im Sommer viel Beschallung.“ Allzu oft werde allein Offenbach an den Pranger gestellt. Merkwürdig sei: „In Offenbach hat sich bislang keiner beschwert.“

Der Frankfurter Betreiber des „Kingka“, Tim Plasse, zeigt Verständnis für die Beschwerden, betont aber auch, dass das Empfinden von Lärm sehr individuell sei: „Es wird sich immer jemand gestört fühlen, wir leben im Ballungsgebiet auf engem Raum zusammen.“ Die Musikanlage des Clubs sei bereits digital eingemessen auf eine Maximallautstärke, um den Schall zu begrenzen. „Wir wollen kein Ärger, aber man muss auch schauen, was andere machen und nicht einfach in Offenbach anrufen und sagen ‚Ihr seid schuld‘“. Außerdem müssten sich doch eigentlich die Anwohner am Nordring als allererstes beschweren.

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