Abenteuerlicher Slalom

Schlaglöcher: Die große Herausforderung

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Eine kleine Auswahl Offenbacher Schlaglöcher (mit kleinen Bildern): Am Bahnüberführung Hauptbahnhof, an der Arndtstraße, an der Schreberstraße. Zur zweidimensionalen Orientierung dienen die Zollstöcke. Nicht dargestellt: die recht unterschiedliche Tiefe.

Offenbach - Plusgrade am einen Tag, Minustemperaturen am nächsten: Das ständige Auf und Ab ist zu viel für den Straßenbelag. Der hat nach dem Winter tiefe Löcher und lange Risse, ist teilweise großflächig weggeplatzt. Gut 220 Kilometer misst das Offenbacher Straßennetz. Von Martin Kuhn

Zahlreiche Abschnitte bedürfen eigentlich einer im wörtlichen Sinn grundhaften Erneuerung. Dafür fehlt das Geld. Dennoch resigniert ESO-Geschäftsführer Markus Patsch nicht ob der Schlaglochpisten. Er betrachtet es als große Herausforderung, die mit der Stadt zu lösen ist. Zudem ist es kein autarkes, rein lokales Phänomen. „Damit kämpfen bundesweit alle Städte und Kommunen.“ Ist da etwa ein Hilferuf an den Bund herauszuhören? „Nein“, sagt er. Nur im Stillen fügt Patsch vielleicht ein „noch nicht“ hinzu.

Manche Offenbacher sprechen bereits von einer öffentlich tolerierten und flächendeckenden Verkehrsberuhigung. Diesen Eindruck teilen die Verantwortlichen im Rathaus und beim Stadtdienstleister naturgemäß nicht. Sie unterscheiden zudem säuberlich, was der Bürger eher pauschal betrachtet. Das heißt: Eine kaputte Straße ist nicht gleich eine kaputte Straße. Für die Reparatur von Straßenbelegen, Rad- oder Gehwegen inklusive Fußgängerzone ist der ESO zuständig mit einem Budget, das die Stadt an ihre in der Stadtwerke-Holding eigenständige Enkelin überweist. Geht es hingegen um eine grundhafte Sanierung, den Neuaufbau einer Straße inklusive Unterbau, ist es Sache der Stadt.

Für Grundaufbau fehlt das Geld

Für einen solchen, vielerorts notwendigen Grundaufbau fehlt das Geld. In diesem Jahr fließen sämtliche Investitionsmittel in die Umgestaltung des Stadthofs, die einher geht mit der lange anstehenden Sanierung der Rathaus-Tiefgarage. Für 2014/15 sind laut Bauamtsleiterin Susanne Schöllkopf vorgesehen: Umbau Kaiserstraße von Rathenau- bis Frankfurter Straße und der Marktplatz. „Vorbehaltlich aller Entscheidungen zum Schutzschirm.“ Dort ist also wenig bis nichts zu erwarten.

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Hingegen darf der ESO fest mit 620 000 Euro jährlich für die sogenannte Straßenunterhaltung kalkulieren. Optimistisch stimmt Patsch, dass dem ESO heuer aus einem Sonderbudget noch einmal 1,5 Millionen Euro zur Verfügung stehen. „Wir bringen bis Oktober mehr als 2 Millionen Euro auf die Straße. Das ist gut.“ Auch wenn der Geschäftsführer eingesteht, dass es um den Zustand der Offenbacher Straßen schlecht bestellt ist. Jede andere Behauptung wäre wenig glaubwürdig. „Danach ist es die Aufgabe, mit dem Dezernat Lösungen zu überlegen, um die Situation zu verbessern.“

Dass es nicht gut aussieht, weiß der Stadtbetrieb spätestens seit 2009. Damals hat ein privates Ingenieurbüro das Straßennetz analysiert und die Kosten für eine Wiederherstellung (keine grundlegende Sanierung!) auf etwa 20 Millionen Euro geschätzt. Patsch: „Und dieses Volumen hat sich nicht wirklich verringert.“ Für ihn erfreulich: „Die Maßnahmen der vergangenen beiden Jahre mit dem Schwerpunkt südlicher Ring, Waldstraße und Sprendlinger Landstraße haben den Winter gut überstanden.“

Mann für die Offenbacher Details

Da nickt Heinz-Peter Kosanke zustimmend. Der Abteilungsleiter Straßenbau ist der Mann für die Offenbacher Details. Binder- und Deckschichten, Schüttmaterial, Bitumen-Emulsion, Kaltrecyclingverfahren, Dünnschicht-Kalt-Belag (DSK) und Ersatz-Asphalt-Decke (EAD) – er rattert Fachvokabular schneller runter als ein Deckenfertiger den Belag auf den Untergrund bringt. Schwerpunkt in diesem Jahr (siehe Kasten): Kreuzungen und Straßen, in denen Gussasphalt aufgebracht wird.

„Das ist keine flächige Maßnahme, aber ein vernünftiges Verfahren“, umschreibt Kosanke. Es handelt sich um ein Gemisch aus feinen und groben Gesteinskörnungen und Bitumen, das beim heißen Einbau gieß- und streichbar ist. Daher sind keine Verdichtungsarbeiten nötig. Das Ganze hält ein bis drei Jahre und orientiert sich an der Offenbacher Direktive: „Mit wenig Geld viel machen.“

So entsteht ein Schlagloch

So entsteht ein Schlagloch

Eine spezielle lokale Waffe gegen Frostschäden ist der „Patcher“. Seit 2011 begegnet der Stadtdienstleister mit dieser ganz speziellen Technik. So bessern Mitarbeiter punktgenau Schäden und Schlaglöcher aus. An einem Schlagloch angekommen, wird es zunächst per Luftdruck gereinigt und mit Bindemittel eingesprüht. Im Anschluss erfolgt das Auffüllen mit Emulsions- und Splittgemisch, um die Schäden auf Fahrbahndecken zu beseitigen.

Der Vorteil des neuen Patchverfahrens besteht darin, dass die mehrere Arbeitsschritte in einem Gang vorgenommen werden „Damit kommen wir deutlich schneller und effektiver voran“, sagt Sprecher Oliver Gaksch. Allerdings ist auch dieses Gerät nicht ganz unabhängig. Generell gilt die Faustformel: Die Straßenbauer benötigen für ihren Job durchgängig Temperaturen von acht Grad. Daher ging bislang gar nichts...

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