Gefahr durch Schlaglöcher

Wenn Asphalt bröselt...

+
Die ESO-Mitarbeiter Ronny Philipeit und Stefan Voigt haben auf dem Buchhügel bereits die schlimmsten Schlaglöcher verfüllt.

Offenbach - Der schadhafte Straßenbelag hat recht unterschiedliche Maße: vom Loch bis zum Krater. Eine abgestufte Mängelliste fürs lokale Straßen- und Wegenetz gibt es nicht. Von Martin Kuhn

Festzuhalten ist indes: Für die Betroffenen genießen Gefahrstellen, die auf dem täglichen Weg liegen, eine besonders hohe Priorität. „Wir können nicht überall sein“, sagt Oliver Gaksch, Sprecher des Stadtdienstleisters, der für die sogenannte Straßenunterhaltung zuständig ist. Zu lachen haben die Mitarbeiter derzeit allerdings wenig.

ESO-Teams ständig unterwegs

Drei ESO-Teams sind ständig unterwegs, um nach dem bislang einzigen Frost des (in diesem Fall glücklicherweise) milden Winters die Löcher zu stopfen: Wagen stoppen, Stelle sichern, Rückstände abklopfen, mit der Schaufel Kaltasphalt aufbringen, Material mittels Rüttelplatte verdichten, einpacken. Das wiederholt sich in stetem Rhythmus. Wichtig: „Bei diesen Arbeiten handelt es sich um punktuelle Ausbesserungen zur Verkehrssicherung“, betont Oliver Gaksch. Arbeiten mit Heißasphalt sind erst bei Temperaturen ab acht Grad möglich – und zwar dauerhaft. Aktuell gehen die Straßenbauer davon aus, dass sie erst ab April mit Heißasphalt und Patcher arbeiten können.

Wir suchen Ihr nervigstes Schlagloch. Schauen Sie in unsere Übersichtskarte und schicken Sie uns die Adresse des Störenfrieds!

Dieses Fahrzeug („Die Anschaffung hat sich rentiert!“) ähnelt einem kleinen Winterdienstfahrzeug, bei dem die Salzstreuer gegen einen Sprührüssel ausgetauscht sind. Im Heck verfügt der Patcher über einen Tank für eine spezielle Splitt- und Bitumenmischung. An einem Schlagloch angekommen, wird zunächst per Luftdruck gereinigt und ein Bindemittel aufgesprüht. Im Anschluss erfolgt das Auffüllen des Splittgemischs, um die Schäden auf Fahrbahndecken zu beseitigen. Vorteil: mehrere Arbeitsschritte werden in einem Durchgang erledigt – deutlich schneller und effektiver als üblich.

Dennoch ist und bleibt es Stückwerk im etwa 220 Kilometer messenden Offenbacher Straßennetz. Generell ist zu erkennen: Wo der Belag (mitunter schon mehrfach) ausgebessert ist, bröselt und klafft es immer wieder. Mit einer grundlegenden Sanierung wird’s dennoch so schnell nichts. „Mit den vorhandenen Mitteln ist das nicht machbar“, so Gaksch.

Für die Sanierung des gesamten Straßennetzes sind 20 Millionen Euro kalkuliert

Eine Kostenschätzung habe ergeben, dass dafür ungefähr 20 Millionen Euro notwendig wären. Wobei diese Summe wohl noch zu niedrig angesetzt ist. Dabei wurden in den beiden vergangenen Jahren viele „großflächige Sanierungsarbeiten“ in Offenbach umgesetzt – etwa Abschnitte der Mühlheimer Straße, der Dietzenbacher Straße oder des Brunnenwegs. „Das ist alles in einem guten Zustand. Diese Investitionen zahlen sich aus und haben zu Erfolgen geführt.“

Die Finanzierung des Straßenbaus ist kein spezifisches Offenbacher Problem, könnte sich durch das Spardiktat des Regierungspräsidiums jedoch verschärfen. Der Spiegel titelte unlängst: Kommunen sparen sich kaputt. Die lokalen Zahlen: Dem Eigenbetrieb steht seit 2010 ein Sonderbudget von 3,5 Millionen Euro zur Ausweitung von Straßenreparaturen zur Verfügung. In den Jahren 2011 und 2012 sind davon rund zwei Millionen Euro „auf die Straße gebracht worden“. Somit verbleiben für dieses Jahr 1,5 Millionen Euro.

Eindruck, dass nichts passiert

Lesen Sie zu diesem Thema außerdem:

Schlagloch auf der Autobahn - wer zahlt?

Endlich: Es gibt ein Schlagloch-Suchgerät

Gefährliche Schlaglöcher: Schadenersatz gibt es nur selten

Welche Straßenzüge mit dem Sonderbudget gemacht werden, ist nicht endgültig geklärt. Da die Experten davon ausgehen, dass im ersten Quartal noch einmal Minusgrade erreicht werden, „was Auswirkungen auf das aktuelle Schadensbild der Straßennetze und auf die Einzelmaßnahmen hat“, lautet die Devise: abwarten und bloß keine leeren Versprechungen machen. „Desweiteren stehen uns innerhalb der Rahmendienstleistungsvereinbarung pro Jahr rund 620.000 Euro für die Sanierung von Straßenschäden zur Verfügung“, erläutert der Sprecher.

Dennoch bekräftigt sich bei Pendlern, egal ob mit dem Auto und mit dem Fahrrad unterwegs, der Eindruck, dass nichts passiert. Vorrang haben nach Angaben des Sprechers Straßenschäden, „die zu einer Beeinträchtigung der Verkehrssicherheit führen. Die werden zeitnah repariert“. Problem: Das Schadensbild ändert sich nahezu täglich. In kürzester Zeit können aus kleinen Rissen größere Löcher entstehen. Oliver Gaksch bestätigt Beobachtungen: „Prinzipiell kann man sagen, dass ältere Straßen und Bereiche, an denen Baumaßnahmen stattfanden, eher in Mitleidenschaft gezogen werden.“

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare