Der Schlamm muss weg

+
Diese Variante erhält beide Teiche in Tempelsee. Die Landschaft würde geöffnet, Röhricht angepflanzt und Steine aufgeschüttet. Das kostet weniger, ist in der Pflege aber teuer.

Offenbach - Die Große Koalition von SPD und CDU in Offenbach ist schon lange Geschichte. Ob’s zum Wohl der Stadt jemals wieder zur politischen (Zweck-) Ehe der großen Volksparteien kommt, ist ungewiss. Das jüngste zarte Anbandeln des Oberbürgermeisters ist ungehört verhallt. Von Martin Kuhn

Der Riss ist sicher nicht endgültig, reicht allerdings in die Tiefe. Folgt eine Schlammschlacht? Zumindest der Eindruck drängt sich dem Beobachter auf, wenn er die Erklärungen von SPD und CDU zur Zukunft der Teiche in Tempelsee liest.

Oder aber: Der westliche Teich wird verfüllt und durch eine Wiese ersetzt. Das ist zwar erheblich teurer, die Folgekosten würden aber geringer ausfallen.

Da sollte sachlich diskutiert und abgewogen werden; schließlich geht es um einiges Geld, das in Tempelsee investiert wird. Fakt ist: Die beiden Teiche sind komplett verschlammt und müssen dringend von dieser Altlast befreit werden. Alles weitere ist unklar. Die Latte an Stadtverwaltung und Planungsbüro ist hoch gelegt: Eine Sanierung, die Geruchsbelästigung beseitigt, eine Wasserfläche erhält, die Bäume erhält und in einem Zug gewährleistet ist. Und allzu viel kosten darf die Aktion auch nicht.

Varianten im Bauausschuss vorgestellt

Im Bauausschuss wurden kürzlich die Varianten vorgestellt. Eigentlich identisch ist die dringend erforderliche Entschlammung, die jeweils um die 190.000 Euro kostet. Die folgenden Alternativen: Variante 1 erhält für 360.000 Euro beide Teiche. Kalkulierte Unterhaltung für 30 Jahre: 295.000 Euro. Variante 2 und 2a sehen eine Teilverfüllung vor, einmal mit, einmal ohne  den sogenannten Galabau (Sitzarena, Steinschüttung). Das kostet bis zu 488.000 Euro. Die Pflege würde sich auf 190.000 Euro reduzieren. Die Entscheidung fällt im Stadtparlament, wo’s sicher hitzig wird.

„Wer glaubt, den Tempelsee zuschütten zu können, verscherzt es sich mit allen im Stadtteil“, warnte bereits im Herbst Gertrud Marx. Sie ist stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende und Chefin der dortigen Siedlergemeinschaft. „Da soll einfach billig Stimmung gemacht werden“, konterte Roland Walter, stellvertretender Fraktionschef der CDU.

600 Unterschriften für die Erhaltung

Derweil sammelte der SPD-Ortsverein 600 Unterschriften für die Erhaltung. Gertrud Marx formulierte: „Wir freuen uns über die vom Magistrat vorgelegten Varianten für die Tempelseesanierung und sprechen uns entschieden für die Erhaltung der gesamten Wasserfläche aus.“ Das empfindet Walther als zu euphorisch und kritisiert: „Marx als Vorreiterin in der Sache beantwortet schon Fragen, die noch gar nicht gestellt sind.“ Er spricht sich für eine sachgerechte Prüfung der Alternativen zur Sanierung aus und betont gleichzeitig: „Höhere Pflegekosten dürfen kein Ausschlusskriterium für die Erhaltung der Wasserfläche sein.“

Und dann folgt eine Attacke gegen Marx: „Ich kann ihr erneut wieder nur zuraten, sich losgelöst vom politischen Blickwinkel mit der Materie zu befassen.“

Mehr zum Thema

Kommentare