Schlangen im Getümmel

Offenbach: Kurzfristige kostenfreie Ausgabe von FFP2-Masken fordert Apotheken heraus

Offenbacher Apotheken haben sich rechtzeitig auf den zu erwartenden Risikogruppen-Ansturm vorbereitet und spezielle Schalter eingerichtet.
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Offenbacher Apotheken haben sich rechtzeitig auf den zu erwartenden Risikogruppen-Ansturm vorbereitet und spezielle Schalter eingerichtet.

An Apotheken werden in Offenbach FFP2-Masken an Risikogruppen ausgegeben – Kostenfrei. Das Interesse ist groß, so auch die Schlangen vor den Läden.

Offenbach – Am letzten Tag vorm Lockdown ist die Offenbacher Innenstadt voller Menschen. Dass sich mitten in diesem Getümmel auch noch Menschen in einer langen Schlange einreihen müssen, die zur Risikogruppe in der Coronapandemie zählen, wirkt unglücklich terminiert, in einer Zeit, in der Kontakte auf das Allernötigste reduziert werden sollen.

Aber verständlicherweise ist das Interesse an den FFP2-Masken groß, die ab diesem Tag für Menschen ab 60 Jahren und Personen mit bestimmten chronischen Erkrankungen kostenlos in den Apotheken ausgegeben werden, wie es der Referentenentwurf des Bundesgesundheitsministeriums vorsieht. FFP2-Masken bieten zwar keinen hundertprozentigen Schutz, gelten aber als wesentlich sicherer als die üblichen Stoffmasken. Auf Hygiene- und Abstandsregeln muss aber auch mit derartigem Schutz geachtet werden.

FFP2-Masken kostenfrei: Apotheken in Offenbach gut vorbereitet

Am Vormittag führt eine Schlange quer über den ganzen Stadthof: Bei der Apotheke Zum Löwen ist die Aktion in vollem Gange und wird stark frequentiert. Alle Leute seien sehr geduldig, berichtet eine Mitarbeiterin, alles klappe reibungslos. Engpässe werden hier nicht erwartet, schon früh hat die Geschäftsführung vorausschauend mehrere tausend Masken bestellt. Entsprechend gut ist auch die Vorbereitung der Aktion gelaufen.

„Allerdings waren die Informationsquellen sehr kurzfristig, wir haben wenig Vorbereitungsmaterial von der Regierung erhalten“, erzählt die Mitarbeiterin. Draußen auf der Straße freut man sich über die Ausgabe der Masken: „Das Anstehen macht mir jetzt gar nichts aus“, so ein älterer Herr, „weil ich das gerne in Anspruch nehme, diese Masken sind ja auch nicht gerade billig.“ Drei Stück darf er sich in diesem Turnus der Aktion abholen.

Offenbach: Verteilung der FFP2-Masken verläuft reibungslos

Weniger unmittelbarer Ansturm herrscht in der nur wenige Fußminuten entfernten Schwanen-Apotheke. Aber auch hier erfreut sich die Aktion großer Resonanz: „Wir hatten schon im Vorhinein viele Anfragen, auch telefonisch“, schildert Milena Müller, Apothekerin der Offizin. Auch sie merkt an, dass die Informationen „von der Politik relativ kurzfristig“ gekommen sein. Es stelle die Apotheke schon vor Herausforderungen, aber angesichts vieler Patienten mit chronischen Erkrankungen war die Versorgung mit FFP2-Masken auch in der letzten Zeit immer stabil, sodass ein entsprechender Vorrat vorliegt.

Die Pharmazeutin schränkt jedoch ein: „Wenn wir jetzt jeden Tag die Menge an Masken ausgeben müssen, die wir heute ausgeben, dann weiß ich nicht, wie das Ganze aussieht.“ Aber Engpässe befürchtet Milena Müller nicht für die Schwanen-Apotheke, geht von Entspannung aus: „Wir haben schon damit gerechnet, dass viele Leute aus Angst, nichts mehr zu bekommen, gleich am ersten Tag kommen.“ Und an diesem ersten Tag läuft die Verteilung reibungslos: Zur Entzerrung ist eine Kasse mit einem Kollegen ausgestattet, der sich ausschließlich der Maskenausgabe widmet, nach entsprechender Berechtigungskontrolle durch den Personalausweis oder auch einer ärztlichen Bescheinigung.

Offenbach: In manchen Apotheken reicht der Vorrat der begehrten FFP2-Masken nicht

Doch der Schein trügt: So gut wie die genannten Apotheken im Stadtkern die Aktion meistern, können längst nicht alle der Herausgabe der Masken nachkommen: In einer Apotheke, die ein gutes Stück vom Stadtzentrum entfernt liegt, müssen die Interessenten wieder mit leeren Händen hinausgeschickt werden. „Wir haben erst am Freitagnachmittag die Meldung bekommen“, erklärt die Mitarbeiterin, die nicht möchte, dass die Apotheke namentlich genannt wird. „So konnten wir erst am Montag bestellen.“ Mit dem Eintreffen der Masken noch am Dienstag rechnet sie nicht, „eher morgen“.

Ärgerlich für die Kunden, die sich auf den Weg gemacht haben: „Freilich sind wir enttäuscht, dann hätten sie das nicht im Fernsehen sagen müssen, dass die Masken am Dienstag da sind“, sagt eine Dame, die mit ihrem Mann gerade freundlich abgewiesen werden musste. Und das war nicht ihre erste Enttäuschung – kurz zuvor seien sie bereits in einer anderen Apotheke gewesen, wo sie sogar auf den Donnerstag vertröstet wurden.

Jeder soll mit einer FFP2-Maske versorgt werden – „Aber nicht von heute auf morgen“

Eine allzu große Überraschung sei das nicht, bestätigt Jürgen Schneider, Geschäftsführer des in Offenbach ansässigen Hessischen Apothekerverbands. In der Tat habe es weder eine Vorbereitungszeit für die Logistik noch ein effizientes Regelwerk gegeben. „Die Apotheken konnten auf die Menge gar nicht vorbereitet werden, sicher gibt es Kontingente, aber plötzlich sollen über sechs Millionen Masken zur Verfügung stehen.“

Kleine und auch größere Apotheken hätten schon am ersten Tag ihr gesamtes Kontingent ausgegeben, auch Hersteller meisterten diese Anforderung nicht ohne Weiteres. Schneider bittet um Verständnis, sein Appell: „Leute, habt Geduld, ihr kriegt die Masken – aber nicht von heute auf morgen.“ (Von Jan Schuba)

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