An schlechtem, auf gutem Weg

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Jubilarenehrung bei der SG Wiking: (von links) Alfred Kuhn (25 Jahre Mitglied), Renate Geyer (40 Jahre), Klaus-Peter Schreiber (25 Jahre), Isidor Linnerer (25 Jahre) und Vorsitzender Detlef Reissmann.

Offenbach ‐ Angesetzt ist die traditionelle Jahressiegerehrung mit Sektfrühstück der SG Wiking für 10.30 Uhr. Und den Sekt gibt’s auch pünktlich. Nur das mit den kalten Platten zieht sich ein bisschen. Von Johannes Vetter

Als die Mittagszeit anbricht, redet Vorsitzender Detlef Reissmann immer noch. Betont das Gemeinschaftsgefühl im Verein, hebt das herausragende Engagement und besondere sportliche Leistungen einiger Mitglieder hervor. Reissmanns Redseligkeit hat Kalkül. Er will es sich nicht nehmen lassen, Isabel Taeuber die silberne Sportehrennadel des Vereins zu verleihen. Das klappt. Taeuber, just zurück vom Rudertraining in Koblenz, wird von Reissmann direkt nach vorn gerufen. Die 16-Jährige ist in diesem Jahr Deutsche Vizemeisterin ihrer Altersklasse im Doppelvierer geworden.

Der Vorsitzende hat eine Menge Ehrennadeln zu verleihen an diesem Vormittag. Allein fünf für langjährige Mitglieder, die SG Wiking hat schließlich 800 Mitglieder in neun Abteilungen – von den Ruderern bis zu den Karnevalisten. Eine besondere Ehrung wird Thomas Mayer zuteil; passend zum Internationalen Tag des Ehrenamtes bekommt er die bronzene Verdienstnadel für sein langjähriges aufopferungsvolles Engagement im Fußball.

Zufahrtsbereich sorgt für Unmut im Verein

Es sind allerdings nicht die Ehrungen alleine, die das Sektfrühstück der Wikinger bestimmen. Schon seit Jahren sorgt der wildbewachsene und mit Schlaglöchern übersäte Zufahrtsbereich am Nordring für Unmut im Verein. Nun will die Stadt mit einem Gesamtpaket Abhilfe schaffen. Die Vorlage für die Genehmigung von 420.000 Euro für die Aufwertung der Regionalparkroute zwischen Goethering und Kaiserleibrücke ist fix und fertig und durch den Magistrat. Heute Abend haben die Stadtverordneten das letzte Wort.

Doch ob sich dort am Ende genug Hände für die Aufmöbelung von 200 Metern Grünring heben werden, ist mehr als fraglich. Bei vielen Volksvertretern hat sich mittlerweile bekanntlich der Wille Bahn gebrochen, das Geld nicht für Radweg und Rudervereine, sondern als finanzielle Basis für eine Turnhalle in der Bieberer Waldhofsiedlung zu verwenden. Die Grünen sind zwar mit Hinweis auf die viel höheren Kosten einer Sportstätte erstmal dagegen; ihre Koalitionäre aus FDP und SPD allerdings scheinen wild entschlossen. Und die CDU hat von der Oppositionsfront gleich einen Antrag abgeschickt, im Stadtparlament eine Verpflichtungsermächtigung über drei Millionen Euro für die Waldhof-Halle zu beschließen.

Sanierung dürfe aber nicht in frage stehen

Denkbar also, dass sich die SG Wiking ihre 15.900 Euro Eigenanteil an der Erneuerung des stark frequentierten Wegs nach Frankfurt mangels Gesamtmaßnahme vorerst sparen kann.

Reissmann hat schon mal zu Protokoll gegeben, dass er nicht auf die überfälligen Baumaßnahmen vor der Haustür bestehe: „Wie könnten wir als Sportverein gegen eine Turnhalle sein?“ Er würde jedoch einen Kompromiss begrüßen, eine „Übergangslösung“: Für ein Zehntel des Betrags, rund 42.000 Euro, ließe sich eine „Grundreinigung des beschämend aussehenden Wegstücks“ finanzieren. Die Sanierung, dann eben in ein paar Jahren, dürfe aber nicht infrage stehen. Allein für den Kauf von vier Ruderbooten gaben die Wikinger in diesem Jahr etwa 22.500 Euro aus. Der neue Zweier, für 7500 Euro, soll vor allem Isabel Taeuber den Sprung in die Nationalmannschaft erleichtern. „Gute Leute verlangen nach gutem Material“, verdeutlicht Reissmann. Möglicherweise kann sich Taeuber dann schon im nächsten Jahr die goldene Sportehrennadel von ihm anstecken lassen.

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