Dauerregen und Kälte

Die Mogelpackung Mai

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Kalter Wind und Regen. Dieser Mai hält nicht, was er eigentlich verspricht. So bleiben die Außensitzplätze wie die der Taverna am Wilhelmsplatz leer.

Offenbach - „Wir hoffen auf die nächste Woche. “ Vicky Sideris, Inhaberin der Grillbar Taverna am Wilhelmsplatz, spricht die Hoffnung der meisten Menschen aus. Endlich kein Dauerregen und keine Kälte mehr. Wo Mai drauf steht, soll Mai drin sein. Von Sonja Achenbach

„Ganz wertfrei gesagt, gibt es in diesem Jahr schon das eine oder andere ungewöhnliche Phänomen.“ Gerhard Lux vom Deutschen Wetterdienst kann diesem Eindruck nichts Tröstliches hinzufügen. „Für Meteorologen beginnt der Frühling bereits Anfang März, und der diesjährige Monat erinnerte ja eher an den Winter.“ Dann gab es da noch ein Osterfest, das so war wie man sich eigentlich Weihnachten wünscht, eiskalt und teils mit Schnee.

Wirklich normal klingt nichts davon. „Das Ringen zwischen kalter und warmer Luft ist an sich nichts Ungewöhnliches“, erklärt Lux, nennt aber im nächsten Satz den Haken an der ganzen Sache: „Ende Mai hat normalerweise schon eine viel größere Annäherung an den Sommer stattgefunden.“ Die Menschen brauchen aber nur vor die Tür zu gehen, um zu merken, dass von einer Annäherung an den Sommer bisher nichts zu spüren ist.

Großer Druckunterschied bringt diese kalte Luft aus dem Norden

Auch an diesem Wochenende ist noch keine deutliche Besserung in Sicht, so der Sprecher des Wetterdienstes. Normalerweise bringe Westwind vom warmen Atlantik frühlingshafte Temperaturen. Richtig warm ist es derzeit aber nicht im Westen, sondern etwa in Ägypten. „Wer echtes Sommerwetter will, der sollte nach Kairo oder Athen in den Urlaub fliegen.“ Von der heimischen Nord- und Ostseeküste rät er ab. „Momentan gibt es einen großen Druckunterschied, der uns diese kalte Luft aus dem Norden bringt.“ Die Küste treffe er besonders hart.

An den Lokalen der Familie Morleo ist mittlerweile die Winterausrüstung wieder draußen aufgestellt. Hartgesottene können so mit Heizstrahlern den Temperaturen trotzen. Bei Regen helfen allerdings auch diese Vorrichtungen nichts. Schirme und Markisen werden von dem starken Wind angehoben, und dadurch wird es richtig unangenehm.

Käufer greifen derzeit eher zu langer Kleidung und Strick

Echte sommerliche Stimmung kommt bei den Menschen nicht auf. Hochgeklappte Kragen sind zurzeit ähnlich oft zu beobachten wie Schirme, die zum Schutz vor Wind und Regen vors Gesicht gehalten werden. Wer T-Shirts und kurze Hosen wählt, der gehört zu den sehr Optimistischen. Im Kaufhaus Schneider greifen die Kunden derzeit eher zu langer Kleidung und Strick, berichtet Geschäftsführer Stefan Becker. „Die ganz sommerlichen Waren werden gar nicht gekauft“, erzählt Christiana Baudach, Chefin der Galeria Kaufhof. „Für die fehlenden Glücksgefühle haben wir Schokolade im Sortiment.“ Auffällig menschenleer ist am kältesten und ungemütlichsten Tag der Woche das Eiscafé Cortina. „Bis vor zwei Tagen hatten wir erstaunlich viele Kunden“, berichtet Verkäufer Alex Nevez. Kugeln zum Mitnehmen waren besonders beliebt. „Seitdem es durchgehend kalt und regnerisch ist, geht nichts mehr“, da ist sich der Eisverkäufer mit Vicky Sideris einig. In der Taverna Grillbar wird seitdem auch ein Großteil der Außenbestuhlung erst gar nicht mehr aufgebaut.

„Wir sind derzeit zwischen zwei Hochs weit im Osten und weit im Westen gefangen“, so Gerhard Lux. Die Hoffnungen der Offenbacher auf gutes Wetter in der kommenden Woche teilt er nicht. „Die Erwärmung wird erst ganz zögerlich einsetzen. Was wir brauchen ist Wind aus dem Süden.“

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