Schleichfahrt zum Spritspar-Rekord

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32 Kilo technische Finesse: das neue Ein-Liter-Auto der Gewerblich-Technischen mit seinen Konstrukteuren.

Offenbach - Normalerweise geht es nur um das eine, wenn Automobile auf einer Rennstrecke sind: Welcher Bolide landet als erster im Ziel? Tempo hui, Spritverbrauch pfui. Von Stefan Mangold

Den Studierenden der Gewerblich-Technischen Schulen Offenbach ging es bei der Konstruktion ihres neuen Autos allerdings genau andersherum. Die Geschwindigkeit spielte keine große Rolle. Zwischen dem 26. und dem 28. Mai muss das Auto im Schnitt zwar mindestens 30 Sachen machen, wenn es über den Lausitzring in Brandenburg fährt, der sich heute „EuroSpeedway“ nennt. Aber sehr viel flotter wird es auch nicht werden. Denn beim Shell-„Eco-Marathon“ gewinnt am Ende, wer am wenigsten Treibstoff verbraucht.

Am Donnerstag präsentierten die 14 Studierenden des „samba speed team eco“ im Offenbacher Ostpol mit ihren Lehrern das Ergebnis aller Arbeit: ein leichtes, schnittiges Auto. Jeder der jungen Männer aus der Mannschaft wäre in der Lage, das Gefährt mit einer Hand zumindest für ein paar Sekunden in der Luft zu halten. Nur 32 Kilogramm wiegt das Fahrzeug, mit dem die Fahrerinnen auf der Rennstrecke versuchen werden, mit möglichst wenig Benzin möglichst viel Strecke hinter sich zu bringen.

Mehr Gewicht bedeutet größeren Energieverbrauch

Bürgermeisterin Birgit Simon, Umweltdezernentin und Schirmherrin des Projekts, erinnert „das Thema an meine Schulzeit“. Auch sie habe in jungen Jahren versucht, mit möglichst wenig Energie möglichst hohen Ertrag zu erzielen. Fürs enge neue Sparmobil der GTS sind außerdem schmale Linien von Vorteil. Wie die von Fahrerin Nicole Dostal, die sich mit Nathalie Wirth bei den vier Versuchen auf dem Ring abwechseln wird. „Mindestens 50 Kilo müssen im Wagen sitzen,“ sagt Konstruktionslehrer Egon Miklea. Mehr sollten es allerdings auch nicht sein. Was mehr wiegt, braucht auch mehr Energie.

Am Ende eines Wertungslaufs misst die Jury, wie weit das nur tropfenweise betankte Auto mit einem Liter Benzin gekommen wäre. Jedes Team fährt viermal jeweils acht Runden, was etwa fünfzig Minuten entspricht. „Was der Motor bis dahin an Treibstoff verbrauchte, wird hochgerechnet“, erklärt Miklea. Denn zu fahren, bis ein Liter verbrannt ist, wäre für alle Beteiligten recht öde. Letztes Jahr wären die Offenbacher 523 Kilometer weit mit dem Liter Normalbenzin gekommen. Mehr als 17 Stunden hätte Marie-Luise Jahnke dafür im Auto sitzen müssen.

Mehr als 1000 Kilometer mit einen Liter Treibstoff

Die gelernte Motorradmechanikerin, die an den GTS ihren Techniker machte, fährt sonst die Rennen. Aus beruflichen Gründen muss sie diesmal passen. Der Weltrekord mit einem Liter „liegt bei 5385 Kilometern, mit einem Wasserstoffauto aufgestellt,“ wie Martin Röth-Bohrer berichtet, der das Projekt als Lehrer technisch leitet.

Die 14 Schüler teilen sich in sechs Bereiche auf. Einer ist für die Felgen zuständig, ein anderer für die Auswertung der Daten, erklärt Daniel Passet, der selbst der Gruppe für die Elektrik angehörte. Und Schulleiter Klaus-Dieter Zebisch spricht dem autonomen Handeln das Wort. „Die Menschen, die sich ein Ziel gesetzt haben, wissen am besten, wie sie das erreichen.“ Mit großem Engagement hätten die Studierenden gearbeitet.

Der Hausmeister sei oft länger geblieben, weil er die Schule wegen der Arbeiten in der Werkstatt erst später schließen konnte. Fast vierhundert Stunden hätte jeder Teilnehmer im Schnitt am Auto getüftelt. „In dem Projekt steckt alles an technischer Bildung, was wir als Schule vermitteln können.“ Beim Eco-Marathon will der Trupp aus Offenbach diesmal mehr als 1000 Kilometer mit einen Liter Treibstoff schaffen.

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