Schloss in Industriehalle

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9000 Exponate aus dem Museumsdepot wurden gesichtet.

Offenbach - Die rhetorische Frage von Stadtrat Stephan Färber bringt die neue Ausstellung im Haus der Stadtgeschichte auf den Punkt: „Wann waren zuletzt derart viele Ansichten unseres Schlosses an einem Ort zu sehen?“ Von Silke Gelhausen-Schüßler

Seit Sonntag ist das wertvollste Bauwerk der Stadt, das Isenburger Schloss, in der „Industriehalle“ in allen Variationen zu bestaunen: in Öl auf Leinwand, als Aquarell, Grafik oder Federzeichung. Verewigt auf Fotos, geprägt in Münzen, als Lichtdruck, nüchterne Bauaufnahme, Linolschnitt, Stahl- und Holzstich. Das Rennaissance-Gebäude inspiriert Künstler seit seiner Entstehung im 16. Jahrhundert bis in die Gegenwart als Bestandteil der Hochschule für Gestaltung.

Durch Färbers Eröffnungsrede erfahren die rund 50 Besucher aber nicht nur Künstlerisches, sondern auch Interesantes über die Historie des Gebäudes. Errichtet vom Grafengeschlecht derer zu Isenburg ist die Geschichte des Schlosses als politisches Zentrum des alten Offenbach mindestens genauso spannend. „Im Dreißigjährigen Krieg, 1631, empfing der schwedische König Gustav Adolf die Frankfurter Ratsherren zur Kapitulation und Übergabe ihrer Stadt in unserem Schloss. Diese Demütigung wurde wohl nie vergessen, wie die Sticheleien beider Städte bis heute beweisen“, schmunzelt Färber und zählt weitere bedeutungsvolle Entscheidungen auf, die im Schloss Brief und Siegel erhielten: „Um 1700 wurden Niederlassungsrechte für Neubürger erteilt. Die hugenottischen Glaubensflüchtlinge durften ihre französisch-reformierte Gemeinde gründen, ein paar Jahre später durften die Juden es ihnen gleich tun.“ Unter den Nationalsozialisten wurde das Gebäude auf das Sinnbild einer reindeutschen Stadt reduziert, was mit der Bücherverbrennung auf dem Schlosshof seinen traurigen Höhepunkt erreichte.

Über 150 Werke aus Privatbesitz

Mehrere Monate Arbeit und ein guter Spürsinn waren für Ausstellungskuratorin Dorothea Held notwendig, um aus dem reichen Fundus von 9000 Exponaten, die im Museumsdepot schlummern, die schönsten aufzuspüren. Dazu kamen über 150 Werke aus Privatbesitz, die Kuratorin Held „verarbeiten“ konnte. Darunter eine Kopie des Tagebuchs von Leopold Bode aus Lübeck und über 50 seiner Reiseansichten aus Österreich.

Die Werke der Malerfamilie Bode bilden einen kleinen Schwerpunkt der Ausstellung. Georg Wilhelm Bode (1801-1881) war im 19. Jahrhundert als „der Alte vom Schloss“ stadtbekannt. Er zog 1836 in das zweite Stockwerk, wo er als Zeichenlehrer eine lithografische Anstalt gründete. Gleichzeitig unterrichtete er als Turnlehrer im Erdgeschoss, das von zwei Vereinen genutzt wurde. Der bekannte Turnvater Jahn besuchte Bode seinerzeit im Schloss. Sohn Leopold Bode (1831-1906) wuchs im Schloss auf und studierte am Städelschen Kunstinstitut in Frankfurt-Sachsenhausen, ebenso wie Enkelsohn Johannes Daniel Bode (1853-1925), der 1893 nach Frankfurt zog. Damit endete die enge Verbindung zwischen Familie Bode und dem Isenburger Schloss.

Wer sich von der Vielfalt und Kreativität der über 50 Offenbacher Künstler selbst überzeugen möchte, sollte sich nicht zu lange Zeit lassen, die Ausstellung ist nur bis zum 2. Oktober zu sehen. Jeden Freitag ist der Eintritt frei.

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