Stadtarchiv und Druckerei widmen Kalender 2010 dem Renaissance-Kleinod

Schloss im Jahreskreis

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Gelungenes Gemeinschaftswerk: Stadtarchivarin Anjali Pujari und Druckerei-Chef Stefan Gey.

Offenbach (tk) ‐ Was dieses fest Haus alles mitgemacht hat. Wie es sich veränderte. Welche Bestandteile es verlor, hinzugewann und wieder verlor. Es war Fürstensitz, Kanzlei, Wohnraum, Stadtbibliothek, Archiv, Kirche, Jugendzentrum, jetzt ist es Teil der Hochschule für Gestaltung. Von Thomas Kirstein

Neuer Kalender von Berthold Druck und Stadtarchiv

In die Zeit lange bevor dem Renaissance-Kleinod Isenburger Schloss die Warze eines modernen Anbaus gewachsen ist, entführt der neue Kalender von Berthold Druck und Stadtarchiv.

2010 lässt sich nun jeden Monat auf einer anderen Ansicht studieren, für Monat studieren, wie die Geschichte von Ende des 19. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts mit der einstigen Residenz der Isenburger Grafen umgegangen ist.

Historische Schwarzweiß-Fotografien, die verblassten Originale sind aufbereitet, belegen nicht nur detailreich Veränderungen am Bau, sondern zeigen auch als Statisten die Menschen, Gerätschaften und Fahrzeuge vergangener Tage.

Archivarin Anjali Pujari und Berthold-Geschäftsführer Stefan Gey haben die Ansichten aus den reichhaltigen Beständen im Haus der Geschichte ausgewählt - für eine Überraschungen vorhaltende Entdeckungsreise zu scheinbar Wohlbekanntem. Das älteste Foto stammt aus dem Jahr 1886 und präsentiert die Nordseite mit der Schiffsbrücke zum Fechenheimer Ufer. Das jüngste ist von 1959, als vor dem Schloss die Verschwisterung mit europäischen Städten gefeiert wurde.

Das Dezember-Bild belegt, dass 1938 der Weihnachtsmarkt auf dem Platz davor stattfand. Der November dokumentiert die Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg.

Stetiger Wandel in 150 Jahren wird deutlich. Die Zahl der Schornsteine oder der Fenster im Obergeschoss verändert sich. Mal hat das Dach eine seitliche Schräge, mal einen senkrechten Giebel. Die mainseitigen Halbtürme sind zunächst Stümpfe, bekommen in den Zwanziger Jahren Hauben, um sie bis heute wieder zu verlieren.

Das Schloss ist immer da, aber man macht sich nicht bewusst, dass von hier aus über Jahrhunderte Stadt und Kreis regiert wurden“, sagt Anjali Pujari, die für den Kalender einen kurzen Abriss der Schlossgeschichte beigesteuert hat.

Kalender-Inhalte wechseln sich ab

Seit acht Jahren erstellt Berthold Druck seine zunächst als Geschenk für Geschäftspartner gedachten Kalender mithilfe des Stadtarchivs. Von jeder 400er Auflage gehen 300 für zehn Euro das Stück in den Verkauf, der Erlös geht komplett ans Archiv, das damit sein mageres Budget aufpolstern kann. Mit dem Geld dieses Jahres würde die Archivarin gern alte Stadtpläne restaurieren lassen, frühere Überweisungen wurden in robuste Regale investiert.

Diesmal wollten wir etwas reflektieren, was schon bekannt ist“, sagt Stefan Gey. Die Kalender-Inhalte wechseln sich ab, ein Jahr gibt es historische Fotografien, das nächste Grafisches aus den Archivständen - wie Stadtpläne oder bunte Werbemarken.

Der Kalender ist erhältlich im Buchhandel, bei Berthold Druck in der Bettinastraße 77 sowie im Stadtarchiv, Herrnstraße.

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