Finanzielle Dehnungsfuge

Rumpenheim (mcr) - Die Sanierung des Rumpenheimer Schloss-Innenhofs wird 129.000 Euro kosten. Oder auch etwas bis deutlich mehr - weshalb Offenbachs Stadtparlament in seiner jüngsten Sitzung ein Bauteil erfunden hat, das in keinem noch so gut sortierten Katalog bestellt werden kann: die finanzielle Dehnungsfuge.

In den Verträgen, die die Stadt den drei Eigentümergemeinschaften des Schlosses anbieten wird, um die Kostenübernahme für die Heilung von allerlei Unzulänglichkeiten und Abnutzungserscheinungen des öffentlich zugänglichen Areals festzuklopfen, ist zwar eigentlich eine Halbe-Halbe-Reglung vorgesehen. Doch der Anteil der Eigentümer wird gleichzeitig auf maximal 50 Prozent des bisher hochgerechneten Betrags beschränkt. Also auf 64.500 Euro. Wird’s teurer - was bei Bau- und Sanierungsprojekten aller Art erfahrungsgemäß eher die Regel als die Ausnahme ist - muss die Stadt für die Mehrkosten geradestehen.

Ein Passus, den die Linken- Fraktion per Änderungsantrag vergeblich aus der Magistratsvorlage zu streichen versuchte. Einer, der der um Aufklärung über die Erbpachtvereinbarungen bittenden, nach eigenem Geschmack aber bislang nicht ausreichend über „rechtliche Unsicherheiten“ (Fraktionschef Peter Freier) informierten CDU-Fraktion mehr als unsympathisch war.

Und einer, der selbst Peter Schneider als Vorsitzenden der wie alle Koalitionsstadtverordneten zustimmenden Grünen zu einer Mahnung trieb: „Für die Zukunft ist darauf zu achten, dass der städtische Beitrag nicht höher ausfällt als der der Eigentümer.“

Bei Veranstaltungen von vielen Bürgern genutzt

Meint im Übrigen auch Bruno Persichilli (SPD). Aber, das sieht er genau wie Dominik Schwagereit von der FDP: „Wenn man das mit den Eigentümern so ausgemacht hat, muss man jetzt auch dazu stehen“. Im Übrigen werde der Schlosshof ja beispielsweise bei Veranstaltungen auch von vielen Bürgern genutzt, sei also nicht reinrassige Privatsache, sondern „ein historisches Kleinod, das als solches erkennbar bleiben muss“

Problem: Regnet’s etwas stärker, wird aus dem denkmalgeschützten Kleinod teils Pfütze und teils Morastfläche, weil, wie Persichilli zusammenfasst, „das Wasser zum Gebäude hinläuft statt vom Gebäude weg“.

Das Bauamt, Urheber des Antrags auf städtische Kostenbeteiligung, hat mit Blick auf die heutige wassergebundene Decke „technische Mängel“ diagnostiziert. Da sei ein Abbau der Tragschicht und der „fach- und höhengerechte“ Wiederaufbau fällig. Plus ein Natursteinmäuerchen am Übergang zum Rasen, plus Basaltpflaster am besonders beanspruchten Portal, plus eine Stahlkante als Einfassung, plus die Verlegung des Stromanschluss für den Brunnen von der Breiten Straße zum Ostflügel des Schlosses. Macht, wie gesagt, alles zusammen exakt 129.000 Euro. Oder auch etwas bis deutlich mehr.

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