Schmerzhafte Abstriche

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Ein neuer Plan für den Schlosspark: Was die Stadtverwaltung entwickelt hat, firmiert unter dem Begriff „Umsetzungskonzept“. Das unterteilt den Park in einzelne Maßnahmen (blau gekennzeichnet mit C1 bis C9), die bis zum Jahr 2022 umzusetzen sind – im Idealfall.

Offenbach ‐  1965 hat sich die Stadt Ärger eingekauft. Der Landgräfliche Schlosspark Rumpenheim, beziehungsweise das, was von ihm übrig ist, bleibt ein Politikum. Das wird einmal mehr deutlich bei der Bürgerversammlung mit Oberbürgermeister Horst Schneider. Von Martin Kuhn

In der Aula der Ernst-Reuter-Schule stellt er mit Stadtplanerin Sigrid Pietzsch vor, wie sich die Verwaltung die Zukunft des Schlossparks vorstellt. Es ist ein Konzept, das der klammen Stadtkasse geschuldet ist. Umsetzung bis 2022 – im Idealfall, sprich: wenn Geld vorhanden ist. Im Rathaus sind die Pläne ab Montag, 17. Mai, zu sehen. Ein Gästebuch liegt aus. Ein Beschluss im Parlament ist für 1. Juli vorgesehen; viel Zeit, sich einen Überblick zu verschaffen.

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Schneider gibt die Zielrichtung vor, mit der die Verwaltung arbeitet: „Am Ende entscheidet das Parlament. Die Stadtplanung hat nur versucht, einen Konsenskorridor zu schlagen.“ Sein dringender Appell: „Wir müssen einen Kompromiss finden für den Schlosspark.“ Das wird schwierig. Gegensätzlicher könnten die Positionen kaum sein. Hier der Ruf nach einem historischen Landschaftsgarten, da der Einwand, den Park so zu belassen, wie er derzeit ist – auch als ein Refugium für die heimische Tierwelt. Das mündet in ein artenschutzrechtliches Bestandsgutachten, das inzwischen vorliegt und unter anderem folgende Arten für den Schlosspark auflistet: Großer Abendsegler, Kleiber, Hirschkäfer.

Nun liegt also der Versuch vor, alle Facetten und Strömungen zusammenfließen zu lassen in Anbetracht kaum vorhandener Finanzmittel. Das Umsetzungskonzept ist auf gut zwölf Jahre angelegt und sieht bauliche Maßnahmen in Höhe von rund 140 000 Euro vor in dem Gartendenkmal, das zugleich Landschaftsschutzgebiet ist. Nicht beinhaltet ist die Parkpflege (20 000 Euro im Jahr) und Mittel für die Gehölzpflege. Die „Bestandsentwicklung der Gehölzflächen“ erfolgt abschnittsweise. Sigrid Pietzsch sagt: „Das erfolgt nach aktuellen Notwendigkeiten gegebenenfalls früher. Dabei soll auch immer die Entwicklung der alten Sichtachsen erfolgen. Die Fällung gesunder Bäume ist dafür aber nicht vorgesehen.“ Als erste bauliche Maßnahme ist die Erschließung der „Zarenlinde“ im südöstlichen Bereich des Park vorgesehen. Es folgen: Erschließung Aussichtshügel in einfacher Bauweise, Hohlweg, Überarbeitung der großen Wiese direkt am Schloss, Ergänzung Platanenreihe. Die Idee: Bauliche Besonderheiten des Parks sollen wieder begehbar werden.

Das ruft Widerspruch hervor. Heinz Meier-Ebert, Vorsitzender der Bürgerinitiative Rumpenheim (BIR), bemängelt die Ausführung als Sackgasse: „Das fördert allein den Vandalismus.“ Er erinnert an eine alte Forderung der BIR: Eine Fußwegverbindung vom Hauptweg östlich des Monopteros zur „Zarenlinde“ mit Wiederanbindung an den Hauptweg. „Das muss keine Luxusausführung mit Trittkante sein. Ein Weg mit Rindenmulch tut’s auch.“ Dann gewährt Meier-Ebert Einblick in lokale Besonderheiten: Wie ein solcher Weg aussehen könnte, wollte die BIR unlängst anschaulich gestalten – wohl auch für die Verwaltung. Die praktische Umsetzung stockte, als die Stadt als Eigentümerin des Parks rechtliche Konsequenzen androhte.

Eine Randnotiz mit Signalwirkung für die Versammlung. Als schmerzhaft empfundene Wunden reißen wieder auf: „Nimmt das alles Bezug aufs Parkpflegewerk oder feilschen wir in zwölf Jahren erneut?“ „Seit 22 Jahren ist nichts geschehen; wir fürchten, dass das alles aufschiebende Wirkung hat.“ Nicht ganz so drastisch ist die Position der BIR, obwohl auch sie betont: „Seit dem Erwerb des Areals wurde nur wenig für die Pflege und Erhaltung des Ensembles getan.“ Es sind Rumpenheimer Sichtweisen: In den vergangenen Jahren steckte die Stadt viel Geld in den Schlosspark: Der Türkische Pavillon wurde praktisch neu errichtet, die Platanenallee frei geschnitten, der Baumsaal angelegt. So mancher Offenbacher schüttelt darüber den Kopf: „Hunderttausende sind in Rumpenheim investiert worden, mehr als in jede andere Grünanlage der Stadt.“

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