Schmerzhafter Streifschuss

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Autodächer, Dachrinnen, Bäume sind hinüber - aber zum Glück gab es keine Verletzten.

Offenbach - Nach dem schweren Sturm am Mittwochspätnachmittag gibt es in Offenbach keine Verletzten zu beklagen. Das ist die gute Nachricht. Von Marcus Reinsch

Die schlechte: Mancher, der während des Wetterwütens im Freien war, kann eigentlich nur heil davongekommen sein, indem er die ihm zustehende Jahresration Glück im Unglück komplett verbraucht hat.

Auf der Dietzenbacher Straße, eine der Haupteinsatzstellen der Offenbacher Feuerwehren, trafen die Einsatzkräfte auf Autos, denen nur noch mit großem Werkzeugkaliber zu helfen war - mit der Motorsäge. Umstürzende Bäume waren nicht auf den Karossen gelandet, aber direkt davor und direkt dahinter; es gab kein Vor und kein Zurück mehr.

Andere Betroffene haben gerade mehr zu verdauen als den nackten Schrecken. Die Retter - 80 von Berufsfeuerwehr, den drei Freiwilligen Offenbacher Feuerwehren, Seligenstädter Wehr und Technischem Hilfswerk - meldeten nach fast vier Stunden Dauereinsatz ab 17.45 Uhr alles in allem 42 Alarme. Ebenfalls auf der Dietzenbacher Straße war ein mit einem Patienten besetztes Krankentransportfahrzeug beim Versuch, einem umstürzenden Baum auszuweichen, im Graben gelandet. An der Fritz-Erler-Straße rissen bis zu 91 Stundenkilometer schnelle Sturmböen das halbe Flachdach eines Wohnhauses mit. Der Schornstein gilt nun als einsturzgefährdet. Gleich gegenüber wurden Dachziegel eines anderes Hauses zu Spielbällen des Windes. Sechsmal rückten die Helfer an, um geflutete Keller, davon einen in einem Supermarkt, und abgesoffene Straßensenken leer zu pumpen. Am Bieberer Friedhof ging ein Stromverteilerkasten in Flammen auf, was für den einzigen Brandbekämpfungseinsatz sorgte.

Bilder vom Unwetter

Heftiges Unwetter über Offenbach

Am schlimmsten aber gebärdete sich die Botanik. 34 mal war der Sturm stärker. Die Kettensägen röhrten ununterbrochen, wie Offenbachs Feuerwehrchef Uwe Sauer berichtet. Vor allem auf den südlichen Ausfallachsen gab es kein Durchkommen mehr. Die Waldstraße war zwischen der Stadthalle und Heusenstamm streckenweise nicht mehr von einem Naturlehrpfad zu unterscheiden.

Und dabei hat Offenbach in diesen stockfinsteren Minuten kaum mehr als einen meteorologischen Streifschuss abbekommen. Die Wut des Windes entfaltete sich Sauer zufolge vor allem in den südlichen und südöstlichen Stadtteilen, stemmte sich gegen die Rosenhöhe, den Lauterborn, Tempelsee. Auch in Bieber gab es Schäden, einige Schornsteine sind jetzt keine mehr.

Aus Feuerwehrsicht das Gute an einem Sturm: Die Einsätze sind meist schneller zu bewältigen als bei Unwettern, nach denen es Dutzende Keller leerzupumpen gilt. Und am Mittwoch verkürzte auch eine vorausschauende Feuerwehr-Taktik Wartezeiten nach einem Alarm. Kaum hatte das Feuerwehr-Wetterinformationssystem des Deutschen Wetterdienstes die Sturmwarnung ausgegeben, wurden alle verfügbaren Kräfte alarmiert. Die komplette Mannschaft der Feuerwehr stand schon bereit, bevor der erste Baum fiel.

So wütete das Unwetter in Heusenstamm

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