Schmuckstück aus Sellerie

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Stressfreies Stöbern zwischen Unikaten war am Wochenende beim großen Kreativ-Markt in und an der Stadthalle angesagt.

Offenbach ‐ Vor der Stadthalle hat sich eine lange Schlange bis zur Straße gebildet. Die Parkplätze sind belegt, und wenn man es nicht besser wüsste, könnte man meinen, ein großer Star mache auf Welttournee Station an der Waldstraße. Von Katharina Skalli

Doch es sind Künstler, Designer und Kreative, die sich und ihre Arbeiten präsentieren. Der Kreativ-Markt, der zum 24. Mal stattfindet, gilt als einer der besten in Deutschland.

„Dieses Buch kann man sogar essen“, sagt Suzie Bohn und hält der Besucherin eine dünne Scheibe unter die Nase. „Es riecht sogar noch nach Sellerie“, betont die Künstlerin. Tatsächlich: Was auf den ersten Blick aussieht wie ein kreisrundes Stück feines, nahezu transparentes Papier, ist in Wirklichkeit ein Stück Gemüse, auf das die filigrane Abbildung eines Kindes gedruckt ist. Die Herstellung und Verarbeitung von Obst und Gemüse ist das Spezialgebiet der Norddeutschen. Ihre Werke beeindrucken. Sogar in Korea hat sie ausgestellt. Beim Offenbacher Sammelsurium ist sie zum zweiten Mal dabei.

Stressfreies Stöbern beim Sammelsurium

Kreativ-Markt Sammelsurium

Teilnehmer müssen sich bewerben und werden nach strengen Kriterien ausgewählt. In diesem Jahr ist auch Evelyn Toomistu dabei. Die Estländerin präsentiert ihre aktuelle Handschuhkollektion. Hochwertige Unikate, die den üblichen Modellen in den Kaufhausketten locker die Schau stehlen. Mit Knöpfen, Schleife, Spitze oder Applikationen veredelt die Lederdesignerin ihre Stücke. Ihre Spezialität: Handschuhe, die drei Kammern haben und dem Träger trotz optimaler Wärmeleistung auch Bewegungsfreiheit bieten. Die Fingerhandschuhe füttert sie mit Wolle, die Fäustlinge gern mit Lammfell. „Etwas Wärmeres gibt es nicht“, weiß die Expertin, die es sehr erfreulich findet, mit ihrer Arbeit in Offenbach gelandet zu sein, der Lederstadt.

Andere Aussteller haben nicht ganz so weite Wege. Aus Bayern, Norddeutschland, dem Ruhrgebiet und dem Odenwald reisen sie an. Karsten Schienagel ist bereits zum 14. Mal dabei. Er verwandelt Münzen in Schmuckstücke. In den Schaukästen auf seinem Ausstellungstisch reist man mit einem Blick um die Welt. Aus 180 Ländern kommen die Münzen, die er verarbeitet. Je detaillierter das Design, umso länger braucht er, bis das Schmuckstück fertig ist. „Das kann auch mal drei Tage dauern“, erzählt Schienagel. Unangefochtener Verkaufsschlager ist die 50-Pfennig-Münze. Eine Dame, die eine Eiche pflanzt. „Das Motiv ist lieblich und erinnert an die guten alten D-Mark-Zeiten“, erklärt der Künstler. Wer will, kann sich bei ihm eigene Münzen veredeln lassen.

Künstler lassen sich beim Arbeiten über die Schulter schauen

Während es in der Halle immer voller wird, tobt vor der Tür der November. Doch Wind und Regen können den Feuerschalen von Oliver Ritter aus Salem nichts anhaben. Auch die wetterfeste Filzdeko für den Garten ist unempfindlich. Die Vielfalt lockt Menschen auch über die Region hinaus in die Stadt. Schmuck, Modedesign, Papeterieprodukte, Holzkunstwerke, Steinskulpturen, Keramik, Kerzen, Seifen, Bücher, Puppen und Glasschmuckstücke verzaubern die Besucher. Neugierige Kunden schieben sich durch die Gänge zwischen den Ständen. Viele Künstler lassen sich beim Arbeiten über die Schulter schauen oder stellen ihre Techniken vor.

Die Offenbacherin Magdalena Maria Akens ist nachgerückt. Weil ein Aussteller abgesprungen ist, kann sie ihre Arbeit beim Sammelsurium vorstellen. Die Damenschneiderin setzt auf besondere Designs. Abendroben, Hochzeitskleider oder Mäntel – viele ihrer Arbeiten sind historisch inspiriert, erinnern ein wenig an vergangene Zeiten. „Alle Kleidungsstücke sind Unikate“, verrät die Direktrice, die aus theoretischen Wunschträumen ihrer Kundinnen tragbare Mode macht.

Auch bei Alexandra Mahr aus Kirchensittenbach warten Unikate auf die Kunden. Allerdings sind es essbare. Die Expertin für süßen Genuss verkauft feine Schokoladen, die sie mit rosa Pfeffer, Ananas, Blattgold, Gojibeeren oder Nüssen veredelt. An ihrem Stand wird fleißig ge nascht. Gestärkt und noch mit würzigem Aroma in der Nase, geht es weiter durch das kreative Handwerk-Wunderland.

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